Umfrage: Zweidrittel für Wiedereinführung eines Pflichtdienstes

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Für die Funktionsfähigkeit der Bundeswehr würde nur ein Viertel 10 Euro mehr Steuern zahlen, für die Sicherung der Pflege 74 Prozent

Die Bundeswehr hat wie auch die Streitkräfte in anderen Ländern, die keine Wehrpflicht haben, Probleme, die Truppe auf die gewünschte Personalstärke zu bringen, geschweige denn, sie noch weiter aufzustocken. Die immer wieder neu kursierenden Berichte von der mangelhaften Ausstattung der Bundeswehr - von den Hauptwaffensystemen soll gerade einmal die Hälfte einsetzbereit sein, es fehlen sogar Schutzwesten oder Zelte - werden die Attraktivität nicht stärken.

Um weiterhin genügend Personal zu haben, hat Schweden gerade wieder die Wehrpflicht eingeführt. Das könnte womöglich auch wieder in Deutschland geschehen, wenn die Regierung weiterhin "Verantwortung" zeigen, den Wehretat entsprechend erhöhen und weiter an vielen Auslandseinsätzen teilnehmen will.

Nach einer repräsentativen Umfrage, die vom Meinungsforschungsinstitut Splendid Research im Januar 2018 durchgeführt wurde, sind 66 Prozent für die Wiedereinführung eines Pflichtdienstes. Befragt wurden 1022 Deutsche zwischen 18 und 69 Jahren online. 85 Prozent sprechen sich dafür aus, dass Frauen und Männer eingezogen werden sollten, die meisten sind für einen Dienst von 10-12 Monaten. Bei den Betroffenen jungen Menschen bis 29 Jahren ist die Begeisterung am mäßigsten, das sagt hier nur die Hälfte, in den anderen Altersgruppen sind es Zweidrittel und mehr. Männer und Frauen unterscheiden sich hier nicht.

Es ging bei der Umfrage aber weniger um eine einsatzfähige Bundeswehr, sondern es wurde die Zukunft der Pflege u.a. mit einem Zivildienst und die Zukunft der Bundeswehr verbunden. Dass die Deutschen sich weniger um die Bundeswehr sorgen, zeigt die Frage, wie viel Geld die Befragten zusätzlich an Steuern für die Einsatzfähigkeit der Bundeswehr oder die Sicherung der Pflege zahlen würden. 74 Prozent sagen, sie würden für die Pflege 10 Euro mehr zahlen, für die Bundeswehr sagen dies hingegen nur 24 Prozent.

Wenn zuvor von 66 Prozent die Rede war, die eine Wiedereinführung eines Pflichtdienstes befürworten, so heißt dies bei weitem nicht, dass sich so viele wieder einen Wehrdienst wünschen. Korrekter gesagt wollen 39 Prozent, dass ein Zivil- und Wehrdienst eingeführt wird. 21 Prozent sind nur für einen Zivildienst und 9 Prozent nur für einen Wehrdienst. Von den 34 Prozent, die sich gegen eine Wiedereinführung aussprechen, sind 21 Prozent für die Beibehaltung der geltenden Regelung, 13 Prozent wollen die Wehrpflicht ganz abschaffen.

Allerdings waren diejenigen, die einen Dienst absolviert haben großenteils damit zufrieden. Mit ihrem Zivil- oder Bundesfreiwilligendienst waren 77 Prozent zufrieden, mit dem Wehrdienst oder dem Freiwilligen Wehrdienst auch noch 60 Prozent. Mit dem Ableisten eines sozialen Dienstes sagen 70 Prozent, sie hätten gelernt, soziale Jobs mehr wertzuschätzen, Respekt vor dem Leben und mehr Verständnis für andere zu haben. Aber es handelte sich um vorgegebene Antwortmöglichkeiten, so dass mit 54 Prozent die meisten derjenigen, die einen Wehrdienst oder einen Freiwilligen Wehrdienst geleistet haben, auch sagen, sie hätten hier den Respekt vor dem Leben gelernt.

Interessant ist, dass nur 22 Prozent sagen, man solle für den Pflegenotstand einen sozialen Pflichtdienst einführen. 79 Prozent sagen, es müsste mehr Gehalt gezahlt werden, die wenigsten sind dafür, ausländische Kräfte anzuwerben.

Bei der Bundeswehr ist die Haltung nicht so eindeutig. Für mehr Gehalt für Berufs- und Zeitsoldaten sprechen sich nur 39 Prozent aus, bei den freiwillig Wehrdienstleistenden ist die Bereitschaft mit 46 Prozent höher, am meisten (48%) sprechen sich für eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen bei der Bundeswehr aus. 17 Prozent sind für eine Verkleinerung, 7 Prozent für eine Abschaffung. Anwerbung von Ausländern ist bei der Landesverteidigung mit 7 Prozent noch weniger gefragt. (Florian Rötzer)

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