Umfragen: Noch wollen die Deutschen lieber Neuwahlen

Aber die Sympathien für eine Wiederauflage der großen Koalition scheinen zu steigen

Aus der Union hört man nach den vorerst an der FDP gescheiterten Jamaika-Sondierungen die ersten Stimmen, die nach einer erneuten großen Koalition mit der SPD rufen und an staatpolitische Verantwortung appellieren. Auch Bundespräsident Steinmeier ruft indirekt die SPD zur Pflicht, die sich aber noch ziert.

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Angela Merkel mag keine Minderheitsregierung und auch nicht wirklich eine Neuwahl. Auch Seehofer scheut davor zurück, schließlich könnten Merkel und Seehofer dann womöglich abdanken müssen. SPD, Linke und AfD begrüßen Neuwahlen.

Nach einer YouGov-Umfrage, die heute unter 2820 deutschen Wahlberechtigten durchgeführt wurde, ist eine Mehrheit der Deutschen für eine Neuwahl. Das sagen 46 Prozent. Für eine Wiederholung der Großen Koalition können sich nur 20 Prozent erwärmen, einer Minderheitenregierung begrüßen nur 17 Prozent, ebenso viele wissen nicht, was sie wollen oder machten keine Angaben.

Unionsanhänger wissen nicht so recht, für welche der Optionen sie sich entscheiden wollen. Bei den SPD-Anhängern sind mehr als die Hälfte für Neuwahlen, unter den Linken-Anhängern sogar 62 Prozent. Selbst bei den Grünen-Anhängern würden 48 Prozent für Neuwahlen stimmen. Für die FDP werden keine Angaben gemacht. Man darf zweifeln, ob die FDP mit ihrem Rückzug aus den Verhandlungen taktisch gut agiert hat, sie könnte dadurch gut an Ansehen verloren haben, da sie sich vor Verantwortung gedrückt hat. Eiserne Liberale hingegen könnten besser an sie gebunden werden. Aber man muss davon ausgehen, dass nicht wenige FDP-Wähler dies deswegen gemacht haben, um die große Koalition zu beenden und die Union zu einer anderen Politik zu zwingen.

Interessant ist, dass die Menschen in Ostdeutschland mit 51 Prozent stärker auf Neuwahlen setzen als die in Westdeutschland, von denen dies nur 44 Prozent sagen. Die Jamaika-Koalition galt auch als Vertreterin einer westdeutschen Politik, daher ist der größere Wunsch nach Neuwahlen hier verständlich, wo Linke und AfD stärker sind und die Bindung an Parteien schwächer ist.

Schon beim letzten DeutschlandTrend von Infratest-Dimap hatten sich 75 Prozent der Befragten für Neuwahlen ausgesprochen, falls die Sondierungsgespräche scheitern sollten. Die Sympathien für eine Jamaika-Koalition waren bereits zurückgegangen, obgleich die meisten noch glaubten, sie werde zustande kommen, während wieder mehr eine große Koalition als möglich betrachteten.

Nach dem aktuellen DeutschlandTrend machen mit 32 Prozent die meisten Befragten die FDP für das Scheitern verantwortlich (Lindner verliert am stärksten an Ansehen), 18 Prozent die CSU und 15 Prozent die Grünen, denen die FDP die Schuld in die Schuhe schieben wollte. 57 Prozent bedauern das Scheitern der Jamaika-Koalition. Zwar sind mit 62 Prozent deutlich weniger für Neuwahlen, nachdem sie nun wahrscheinlich werden, aber es ist noch immer eine deutliche Mehrheit, die nun lieber die Karten neu mischen will.

Zwar steigt die Befürwortung einer Minderheitsregierung, aber mit 29 Prozent sind die meisten doch skeptisch, weil das in Deutschland noch nie erprobt wurde. Für eine Neuauflage der großen Koalition sprechen sich schon wieder 44 Prozent aus, noch ist die knappe Mehrheit mit 50 Prozent dafür, dass die SPD das lieber nicht machen sollte.

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Ob die Karten neu gemischt werden, kann allerdings bezweifelt werden. Bei der Sonntagsfrage würde die Union jetzt einen Punkt mehr erhalten und auf 32 Prozent kommen. Auch die SPD legt um einen Punkt zu und erzielt 22 Prozent. Die AfD verliert sogar einen Punkt und fälklt auf 11 Prozent zurück. Linke und Grüne bleiben gleich, die FDP büßt nur einen Punkt ein und kommt noch auf 10 Prozent. Damit bliebe nach dem Wähler nach dem erneuten MIschen alles beim Alten. (Florian Rötzer)

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