Umlaufimpuls-Vollgeld

Ein Bürgervorschlag zur Lösung der Eurokrise

Lösungsvorschläge für aktuelle politische und wirtschaftliche Probleme kommen im Zeitalter der Informationsfülle nicht nur aus der Politik und der Wirtschaftswissenschaft, sondern auch von Bürgern. Telepolis wird in unregelmäßigen Abständen einige davon zur Diskussion stellen. Der dritte stammt von Gunther Hullmann aus Osnabrück, der sich im Verein Friedensthaler engagiert.

Es ist Februar in einer kleinen Stadt an der Küste Griechenlands. Es regnet in Strömen und die ganze Stadt scheint verwaist zu sein. Die Krise ist mittlerweile Alltag auch an diesem Ort, alle haben Schulden und leben auf Pump.

Da erscheint ein Tourist und betritt das einzige kleine Hotel am Ort.

Er hätte gerne ein Zimmer. Er legt einen 100-Euro-Schein auf den Tresen der Rezeption und lässt sich die Zimmer zeigen und schaut sich danach die Gegend an.

Der Chef des Hotels greift nach dem Schein und läuft rüber zum Schlachter, um seine Schulden zu bezahlen.

Dieser nimmt den Schein und läuft geschwind zu dem Bauern, von dem er immer die Schweine bekommt.

Der Bauer wiederum eilt zur Mühle, die ihn mit Schweinefutter versorgt, um dort seine Schulden zu begleichen. Der Müller nun ergreift begierig den Schein und läuft schnell zu Maria, der Prostituierten, die er schon länger nicht bezahlt hat. In Krisenzeiten bietet sogar sie ihre Dienste auf Kredit an. Die Prostituierte geht mit dem 100-Euro-Schein zu dem kleinen Hotel, wo sie die letzten Male mit ihren Kunden gewesen ist und noch nicht bezahlt hat.

Sie überreicht dem Chef des Hotels die Banknote. Da kommt der Tourist von seinem Gang zurück. Er kann nicht bleiben. Er nimmt den Geldschein und geht.

Niemand hat einen Cent gewonnen.

Aber jetzt leben alle ohne Schulden und blicken hoffnungsvoll in die Zukunft.

Hat die kleine Stadt in Griechenland gelernt: Wenn das Geld zirkuliert, verschwindet die Krise!?

Mein Vorschlag

Wenn ich die Not der Griechen recht empfinde, geht es darum, wie Sie aus dem neoliberalen System herauskommen, aber noch im Euroraum bleiben können.

Die Lösung ist nicht die alte Drachme, sondern ein Geld zu schaffen, das im Lande bleibt und die nationalen Ressourcen und Initiativen von Menschen fördert. Und dieses Geld muss mit einem Umlaufimpuls ausgestattet werden, wodurch es nicht gehortet werden kann. Dieses Geld ist schon da. Es sind die durch die Geschäftsbanken geschöpften Sichteinlagen, also Euro, die durch den Bankenapparat, die Geschäftsbanken, aus dem Nichts geschöpft wurden.

Diese Banktätigkeit des Geldschöpfens muss aufhören. Damit würde der Ausstieg aus dem herrschenden Geld- und Wirtschaftssystem vollzogen. Stattdessen wird dies vorhandene Geld zu einem ausschließlich national schnell umlaufenden Geld. Es wird umgewidmet und bekommt zum Euro der EZB eine geringere Wertigkeit. Ob diese vorhandene nationale Währung Drachme heißt, spielt keine Rolle. Sie ist aus dem Euro-Geldkreis hervorgegangen und bleibt auch darinnen.

Die Geldnoten und das elektronische Geld wird durch die Nationalbank ausgegeben. Die vorhandenen Sichtguthaben werden zu einem Stichtag umgewidmet und sind dann nur noch im Landesinneren gültig. Kredite, die vom Bankenapparat auch verwaltet werden müssen, gibt es in dieser nationalen Währung so, dass derjenige Geldhalter von der Begleichung des Umlaufimpulses freigestellt ist, den nun der Kreditnehmer bezahlt. Dieser Kreditvorgang kann nur einmal vorgenommen werden. Wir haben es hier mit absolutem Vollgeld zu tun: Wo ein Guthaben existiert, gibt es im System nur einmal in der gleichen Höhe einen Kredit.

Der Bankenapparat finanziert seine Tätigkeit aus dem Umlaufimpuls und den Erträgen der sonstigen Tätigkeiten innerhalb des Euroraumes. Zinsen fallen für dieses Geld nicht an. Dieses Geld kann nicht gehortet werden, da es kontinuierlich durch den Umlaufimpuls an Wert verliert, der von dem Geldhalter bzw. Kreditnehmer zum Stichtag ausgeglichen werden muss. Dieses nationale Zahlungsmittel ist wertstabil. Das gesamte Volumen der umlaufenden Geldmenge ändert sich nämlich nicht: Da, wo der Umlaufimpuls beglichen wird, werden Bankmitarbeiter usw. bezahlt, die ihrerseits ihren Konsum national einkaufen.

Der Euro wird nach wie vor gültiges internationales Zahlungsmittel sein. Man wird mit ihm die nationale Währung auch erwerben können und auch umgekehrt. Scheiden werden sich die Verhältnisse da, wo die nationale Währung im Land verbleibt. (Gunther Hullmann)