Umsiedelung eines ganzen Volkes

Millennium Island, Kiribati. Bild: Nasa

Der Präsident des durch die Klimaerwärmung gefährdeten Inselstaates Kiribati verhandelt mit Fidschi über den Kauf von Land

Aufgrund der Erderwärmung steigt der Wasserspiegel der Meere. Bedrohlich wird dies zuerst vor allem für die Inselstaaten in der Südsee. In Kiribati, wo das Land meist maximal drei Meter über dem Meeresspiegel liegt, beginnen die Menschen nun schon sicherheitshalber einmal, nach einem neuen Land zu suchen, falls sie ihre Heimat verlassen müssen. Begonnen wurde bereits mit Versuchen, den Inselstaat an die Klimaerwärmung anzupassen und beispielsweise Schutzwälle im Meer zu errichten, Mangrovenwälder anzubauen und Brunnen tiefer zu bohren sowie Anlagen zum Sammeln von Regenwasser zu bauen.

Kiribati, das sind drei Inselgruppen mit 32 Atollen und die allerdings kaum bewohnbare Vulkaninsel Banaba auf einer Meeresfläche von mehr als 3,5 Millionen Quadratkilometern. Mit einer Bevölkerung von etwa 110.000 Menschen, davon 50.000 in der Hauptstadt Bairiki auf dem 32 Quadratkilometer großen Atoll Tarawa, erscheint der mögliche Umzug auf den ersten Blick noch relativ einfach bewältigbar zu sein. Allerdings ist Kiribati eines der ärmsten Länder der Erde, so dass zum fehlenden Land auch nicht vorhandene Finanzen kommen.

Präsident Anote Tong hat letzte Woche angekündigt, ernsthafte Verhandlungen mit anderen Regierungen über den möglichen Auszug aufzunehmen: "Wenn die Wellen unsere Häuser und Dörfer erreicht haben, werden unsere Menschen gehen müssen." Es gäbe keine andere Möglichkeit. Schon jetzt sei die Klimaerwärmung ein täglicher Kampf für die Menschen und die Regierung. Schon länger ist klar, dass Kiribati einer der Staaten ist, die am frühesten nicht mehr bewohnbar sein werden. Man geht davon aus, dass in 40 oder 50 Jahren der Inselstaat praktisch unbewohnbar sein wird. Auch Tuvalu droht ein ähnliches Schicksal.

Noch letztes Jahr hatte Tong Futuristisches im Kopf. Anstatt in ein anderes Land auszuwandern, sollte die Bürger Kiribatis auf künstlichen Inseln angesiedelt werden. Gedacht wurde an "Inseln", die Ölplattformen gleichen. Aber eine solche Lösung wäre nicht nur für 100.000 Menschen verwegen, sondern für ein armes Land wie Kiribati viel zu teuer.

Tong sagte nun, er habe bereits mit anderen Regierungen über eine Ansiedlung gesprochen, zu Lösungen oder Initiativen sei es aber noch nicht gekommen. Die Umsiedelung des ganzen Volkes ist eine Strategie, eine andere und realistischere, ist, dass die Menschen allmählich auswandern und im Ausland Enklaven bilden, die dann weitere Auswanderer aufnehmen. Auch dann müssten die Aufnahmeländer willig sein, Einwanderer einzulassen. Tong sagt, es würde sich um geschulte und ausgebildete Menschen handeln, "die positive Beiträge für die sie aufnehmenden Gesellschaften machen". Kiribati hat bereits im Rahmen des Konzepts "Migration mit Würde" mit einem Ausbildungsprogramm begonnen, um den Menschen so bessere Chancen zu geben, von anderen Ländern aufgenommen zu werden. Junge Menschen aus Kiribati studieren bereits auf der Universität in der Hauptstadt von Fidschi, die 12 pazifischen Inselstaaten gehört.

Tong denkt daran, Land im Inselstaat Fischi zu erwerben, aber auch hier erst einmal mit der Umsiedlung von wenigen Menschen zu beginnen, weil man 100.000 auf einmal nicht umsiedeln könne, da sie sonst in Gefahr liefen, ausgegrenzt und Bürger zweiter Klasse zu werden. Fidschi besteht vor allem aus Vulkaninseln, die weniger vom ansteigenden Meerwasser bedroht sind. Offenbar hat man schon ein Gebiet von 1500-2000 Hektar auf der Insel Vanua Levu gefunden, das zum Kauf geeignet ist. Tong forderte die internationale Gemeinschaft auf, dieses Projekt finanziell zu unterstützen. In Fidschi klagt zwar die Regierung darüber, dass die Reisproduktion zurückgeht, weil viele, vor allem junge Menschen vom Land in die Städte abwandern und es daher in der Landwirtschaft an Arbeitskräften mangelt. Aber ob die Bevölkerung bereit ist, Zehntausende von Menschen aus Kiribati aufzunehmen, ist eine andere Frage. (Florian Rötzer)

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