Umweltfreundlicher Weltraumtourismus?

Virgin Galactic möchte möglichst grün sein, nach Berechnungen von US-Wissenschaftlern wird der Weltraumtourismus aber die Klimaerwärmung beschleunigen

Noch rechtzeitig vor dem Startschuss des Weltraumtourismus, macht nun eine Studie klar, dass das Vergnügen der Reichen, für kurze Zeit die Schwerelosigkeit auf 100 km Höhe erleben zu können, die Umwelt schädigt. Schuld sind weniger die CO2-Emissionen, sondern die in der Troposphäre freigesetzten Rußpartikel.

Das hat man eigentlich schon lange erahnen können, schon 2007, als man noch mitten im Fieber war, hatte Thomas Mayer einmal versucht abzuschätzen, welche Umweltbelastungen die Raketen von Virgin Galactic verursachen könnten (Scotty, Energie! (und CO2)).

SpaceShipOne beim Start. Bild: Virgin Galactic

Virgin Galactic, ein Unternehmen des britischen Milliardärs Branson, hat immer mit der vergleichsweisen Umweltfreundlichkeit seiner Technik und seiner Aktivitäten als "cleantech project" geworben. Der Treibstoff sei ungiftig, die wieder verwendbaren Flugzeuge, bestehend aus Kohlestoffverbindungen, seien deutlicher leichter, zur Landung werde kein Treibstoff benötigt, im Vergleich zu anderen Techniken sei alles umweltfreundlich, heißt es bei Virgin Galactics. 0,8 Tonnen CO2-Emissionen würde jeder Passagier verursachen, was weniger als ein einfacher Flug von London nach New York sei (allerdings muss man ja auch irgendwie zum "Spaceport America" gelangen). Nicht zuletzt ließ man den Stararchitekten Norman Foster einen Öko-Flughafen bauen, um den grünen Anstrich und Anspruch noch einmal zu verdeutlichen.

Vor ein paar Tagen wurde schon einmal die Startbahn eingeweiht. 2012 soll es dann losgehen, nachdem das Datum immer mal wieder nach hinten verschoben wurde. Der Preis für die ersten Flüge soll immer noch bei 200.000 US-Dollar pro Fahrgast liegen, 6 können bei einem Flug mitfahren.

Mit dem Trägerflugzeug "WhiteKnightTwo", angetrieben von einem N2O/HTPB-Hybridraketenantrieb, wird das Weltraumfahrzeug SpaceShipOne mit den Passagieren in eine Höhe von etwa 16 km gebracht. Dort zündet dann der Raketenantrieb von SpaceShipOne mit demselben Treibstoff, um das Raumschiff auf eine Höhe von 11 km zu heben, danach gleitet es wieder zur Erde zurück. 70 Prozent der CO2-Emissionen soll vom Trägerflugzeug ausgestoßen werden. Thomas Mayer hatte bereits darauf hingewiesen, dass der von Virgin Galactic verwendete Anrieb "Hydroxylterminiertes Polybutadien ("Gummi") mit Lachgas als Oxidationsmittel (verbrennt), wobei bei sauberer Verbrennung Stickstoff, Kohlenstoffdioxid und Wasser freigesetzt werden. Da eine saubere Verbrennung jedoch nicht garantiert ist, treten auch andere Stoffe auf, darunter auch der Ausgangsstoff Lachgas selbst, der ebenfalls ein Treibhausgas ist. "

Martin Ross von der Aerospace Corporation, Michael Mills vom National Center for Atmospheric Research und Darin Toohey von University of Colorado at Boulder sind für ihre Schätzung, die in den Geophysical Research Letters erscheinen wird (Potential Climate Impact of Black Carbon Emitted by Rockets), von jährlich tausend Flügen ausgegangen. Für sie geht die größte Belastung von den Rußpartikeln aus, die in der Stratosphäre von den Hybrid-Triebwerken freigesetzt würden. Für die tausend Flüge gingen sie von 600 Tonnen Rußpartikel aus, die für Jahre in der Stratosphäre zurückbleiben, wobei sich der durch sie gebildete Schleier über große Gebiete der nördlichen Halbkugel ausbreiten würde.

Die Auswirkungen würden merklich und global trotz der relativ geringen Mengen sein. Die Rußpartikel würden in den großen Höhen lange verbleiben, die atmosphärische Zirkulation sowie die Ozon-Verteilung verändern, so gibt Nature die Berechnungen wieder. Nach ihren Simulationen könnte sich allein durch tausend Virgin-Galactic-Flüge die polare Oberflächentemperatur um 0,2- 1 Grad Celsius erhöhen, wobei sich die Eisfläche um 5-15 Prozent verdünnen könnte. In den tropischen und subtropischen Regionen würde die Temperatur dagegen um 0,4 Prozent fallen können.

Sollte der Weltraumtourismus als Massenveranstaltung tatsächlich starten, dann dürften die Folgen für das globale Klima nach diesen Simulationen bedenklich sein. Der Preis für ein paar Minuten Schwerelosigkeit für Einzelne müssten alle teuer bezahlen, wenn die Technik nicht radikal verändert würde. (Florian Rötzer)