Unattraktiv aussehende Menschen werden häufiger gemobbt

Auch Erwachsene gehen am Arbeitsplatz mit unattraktiven Kollegen rüde um

Viele Studien haben schon gezeigt, dass normalerweise Menschen, die in den Augen der Allgemeinheit gut aussehen, also ein attraktives Äußeres haben, auch mehr Erfolg haben. Man kommt ihnen freundlicher und zuvorkommender entgegen, schließt vom Aussehen auf den Erfolg, was die meisten Forscher auf evolutionspsychologische Faktoren, etwa auf erwartbaren Reproduktionserfolg, zurückführen (Schöne Gesichter setzen das Gehirn in Aufruhr, Der Anblick des Schönen wirkt wie Rauschgift). Umgekehrt geht es den "hässlich" aussehenden Menschen meist weniger gut.

Eine Untersuchung aus den USA kam 2006 gar zu den Schluss, dass hässliche Menschen eher in die Kriminalität getrieben werden, was die Autoren in Zusammenhang damit brachten, dass diese weniger gute Jobangebote bekommen. Schon während der Schule könnte ein weniger attraktives Aussehen zu mangelnder Anerkennung nicht nur von Mitschülern, sondern von den Lehrern führen.

Brent Scott von der Michigan State University und Timothy Judge von der University of Notre Dame wollen nun herausgefunden haben, wie sie in der Zeitschrift Human Performance schreiben, dass Menschen, die als unattraktiv angesehen werden, auch am Arbeitsplatz eher gehänselt und gemobbt werden. Nicht nur Kinder und Jugendliche, sondern auch Erwachsene sollen dieses Gruppenverhalten zeigen, das allein durch das Aussehen bestimmt wird und Opfer erzeugt.

Befragt hatten sie für ihre Untersuchung 114 Mitarbeiter eines Gesundheitszentrum s, wie oft sie von ihren Kollegen gehänselt oder lächerlich gemacht oder harsch behandelt wurden. Das wird auch "kontraproduktives Arbeitsverhalten" genannt. Die körperliche Attraktivität der Befragten wurde anhand von Fotos von ihnen eingeschätzt. Als unattraktiv eingeschätzte Mitarbeiter werden in der Tat häufiger schlecht behandelt als attraktivere, unabhängig von Alter, Geschlecht oder der Länge des Arbeitsverhältnisses. Es wird also anscheinend auch nicht besser, wenn sich die Menschen längere Zeit kennen und zusammen arbeiten.

Wenig verwunderlich ist, dass unfreundliche Mitarbeiter ebenfalls schlechter behandelt werden. Wie freundlich oder angenehm eine Person ist, wurde anhand von Fragebögen ermittelt, die deren Partner oder Freunde ausfüllten.

Fragt sich jetzt nur, wie ein Arbeitgeber eingreifen sollte, um Mitarbeiter, deren Persönlichkeit oder deren Aussehen sie zum Opfer macht, zu schützen oder sie zu unterstützen, wenn die Prävention fehlgeschlagen ist. Für die Wissenschaftler ist schon mal gut zu wissen, wer mögliche Ziele von aggressivem Verhalten werden könnte, um entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Die Arbeitgeber könnten natürlich auch einen anderen Schluss daraus ziehen: nämlich um das Betriebsklima aufrechtzuerhalten und sich Mitarbeiterprobleme zu ersparen, möglichst keine unattraktiven oder unfreundlichen Menschen einzustellen. (Florian Rötzer)