Und nun die Gewinner der Corona-Krise ...

Während die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie-Maßnahmen noch nicht absehbar sind, haben manche Akteure beachtliche Summen verdient. Das wirft Fragen der Gerechtigkeit auf

In der Medizin sagt man, die Therapie darf nicht schädlicher sein als die Krankheit. Überträgt man dies auf die weltweiten Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus, müsste man wohl von einem der größten Kunstfehler der Geschichte sprechen. Die indirekten Kollateralschäden der Therapie stehen in keinem Verhältnis zu den Schäden durch das Virus selbst.

In meinem Buch "Schwarzbuch Corona. Zwischenbilanz der vermeidbaren Schäden und der tolerierten Opfer" zeige ich anhand zahlreicher Beispiele und Studien auf, welche Schäden die Corona-Politik verursacht hat und immer noch verursacht. Schäden, die so ungleich verteilt sind wie bei keiner Katastrophe zuvor, und die unsere Gesellschaften nachhaltig verändern werden. Ein Auszug.

Der Onlinehandel hat einen unvergleichlichen Siegeszug hingelegt und gehört zu den großen Gewinnern der Maßnahmen-Krise. Während der stationäre Einzelhandel langsam stirbt, konnte der Internet- und Versandhandel im Mai 2021 ein Umsatzplus von stolzen 42,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat vermelden. Und auch hier sind es vor allem die meist aus den USA kommenden Oligopolisten, die den Markt unter sich aufteilen.


Überall im Handel oder bei den Buchkomplizen: Jens Berger, "Schwarzbuch Corona. Zwischenbilanz der vermeidbaren Schäden und der tolerierten Opfer", Westend Verlag, 28.6.2021


So konnte der Marktführer Amazon seinen Umsatz um 44 Prozent steigern, im ersten Quartal 2021 einen Rekordumsatz von 108,5 Milliarden US-Dollar erzielen und dabei seinen Gewinn auf 8,1 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppeln.

Amazon-Chef Jeff Bezos sprach trotzdem von "der schwersten Zeit, die wir je hatten". Damit meinte er die Probleme, alle Bestellungen überhaupt zu bewältigen. Das ist Jammern auf verdammt hohem Niveau. Jeff Bezos selbst ist übrigens durch die Krise um ganze 76,3 Milliarden US-Dollar reicher geworden. Sein aktuelles Vermögen beträgt sagenhafte 189,3 Milliarden US-Dollar.

Mehr Geld als Smaug und Dagobert Duck

Ein kleiner Fun Fact am Rande: Das Magazin Forbes führt den Drachen Smaug, der in Tolkiens Hobbit-Saga einen ganzen Berg voll Gold bewacht, mit 51,4 Milliarden US-Dollar Privatvermögen als zweitreichsten fiktionalen Charakter – übrigens nur knapp hinter Dagobert Duck. Der Vermögenszuwachs von Jeff Bezos während der Pandemie ist also größer als der Wert der Tonnen Gold, auf denen Tolkiens Drache hockt. Manchmal helfen solche amüsanten, aber bildlichen Vergleiche, um sich vorzustellen, über welche Summen wir hier reden.

Aber Bezos ist nicht der einzige Krisengewinnler. Viele Großunternehmen und vor allem ihre Eigentümer haben im Gegensatz zu den kleinen und mittelständischen Unternehmen durch die Lockdown-Krise sogar in großem Umfang profitiert. Ein Blick auf die führenden Aktienindizes der Weltbörsen zeigt, in welchem Umfang die großen Konzerne und ihre Eigentümer an Wert gewonnen haben: Vom 18. März 2020 bis zum 12. April 2021 ist das Nettovermögen der US-Milliardäre um mehr als 1,6 Billionen US-Dollar von 2,95 Billionen US-Dollar auf 4.56 Billionen US-Dollar gestiegen.

Der Zuwachs während der Pandemie für sich genommen entspricht übrigens rund 2.000 Euro für jeden einzelnen Menschen auf unserem blauen Planeten – vom Säugling in Kigali bis zur Greisin in Osaka.

Auch in Deutschland gehören die Milliardäre zu den großen Krisengewinnlern. Nach Recherchen der Autorin Julia Friedrichs konnten die 190 deutschen Dollar-Milliardäre ihr Nettovermögen während der Pandemie noch einmal um fast 100 Milliarden US-Dollar steigern - also fast 500 Millionen US-Dollar pro deutschem Milliardär. Da müsste man eigentlich fragen: Krise? Welche Krise? Oder man könnte zynisch sagen: Das Geld ist nicht weg, es gehört jetzt nur jemand anderem.

Auf die naheliegende Idee, die Krisengewinnler für die Kosten der Krise heranzuziehen, die faktische Umverteilung von unten nach oben also ganz oder zum Teil rückabzuwickeln, kam "erstaunlicherweise" jedoch bislang kein namhafter Politiker.

Die 1,3-Billionen-Euro-Rechnung wird kommen

Nimmt man alle staatlichen Hilfsgelder und die meist für Großkonzerne zur Verfügung gestellten Garantien zusammen und addiert dazu noch die Einnahmeausfälle durch weniger Steuern und die nötigen Zuschüsse zu den durch Kurzarbeitergeld und Arbeitslosengeld geleerten Sozialkassen kommt man auf einen maximalen Finanzierungsrahmen von 1,3 Billionen Euro. Dies ergab eine kleine Anfrage der Linksfraktion beim Bundesfinanzministerium.

Selbst wenn man zweckoptimistisch ist und einmal annimmt, dass nur zehn Prozent der Garantien fällig werden, für die der Steuerzahler dann geradestehen muss, kommt man noch auf eine Summe von mehr als 550 Milliarden Euro, also 13.750 Euro pro Haushalt. Und da Finanzminister Olaf Scholz bereits angekündigt hat, ab dem Jahr 2024 wieder zur Politik der schwarzen Null zurückzukehren und die "Corona-Schulden" abzubauen, heißt dies auch, dass der Steuerzahler diese Summe in den nächsten Jahrzehnten zurückzahlen muss.

Ohne Steuererhöhungen bedeutet das konkret, dass dem Staat noch weniger Geld für Ausgaben und Investitionen zur Verfügung steht – noch weniger Geld für die Schulen und Krankenhäuser, noch weniger Geld für die Bildung und für Sozialausgaben. Auch dies werden indirekte Folgen der Maßnahmen sein, die während der Corona-Pandemie verhängt wurden. Und auch dies scheint den allermeisten Befürwortern der Lockdown-Politik noch gar nicht so richtig bewusst zu sein. (Jens Berger)