Unerwünschte Bilder

Ein Unbekannter hat Fotos auf eine Website gepostet, die zeigen, wie das US-Militär Gefangene in Flugzeugen transportiert - wie wilde Bestien

Seltsamerweise sind die vier Fotos, die villeicht ein amerikanischer Soldat heimlich auf eine Website gepostet hat, noch immer online. Sie zeigen offensichtlich, wie Gefangene aus Afghanistan vom amerikanischen Militär nach Kuba geflogen werden: angeschnallt am Boden und mit verbundenen Augen. Gerade als die US-Regierung es geschafft hat, die Mitglieder des Sicherheitsrats zu einer scharfen Resolution zu bewegen und so den nötigen Handlungsspielraum für eine militärische Aktion zu erhalten, könnte dies für eine unerwünschte Propaganda vor allem in den arabischen Ländern sorgen.

Dieses Foto wurde von CNN ausgewählt

Das Foto, das den abgezehrten amerikanischen Taliban John Walker Lindh mit verbundenen Augen und festgeschnallt zeigte, als wäre er eine wilde Bestie, hatte seiner Zeit für kritische Stimmung gegen das Pentagon gesorgt. Dann kamen die Bilder, die zeigten, wie die in Afghanistan Gefangenen in dem kubanischen Lager Guantanamo "gehalten" wurden. Auch sie verstärkten die Ablehnung gegenüber dem Pentagon und der Art, wie das Militär willkürlich mit den angeblich gefährlichen und mutmaßlichen Taliban- oder al-Qaida-Kämpfern umgeht. Die US-Regierung verweigert ihnen die Anerkennung als Kriegsgefangene (Das Recht auf Willkür im Krieg). Sie werden ohne jede rechtliche Möglichkeit und aufgrund eines beliebigen Verdachts auf beliebige Zeit festgehalten: in Guantanamo sind es über 600 Gefangene, wie viele in Afghanistan oder bei anderen "Freunden" untergebracht sind, ist nicht bekannt.

Die Fotos von Guantanamo wurden allerdings vom Pentagon selbst veröffentlicht, was man dort sehr bedauert hat, weswegen sie auch nicht mehr zu finden sind. Die ersten kürzlich, nach monatelanger Gefangenschaft wieder in ihre Heimat Entlassenen warfen auch kein allzu gutes Licht auf die Willkür des Pentagon. Zwei der afghanischen Terrorkämpfer waren Greise, ein Pakistani so um die 50. Der mit 35 Jahren jüngste afghanische Gefangene sagte, er sei von den Taliban gezwungen worden, für sie zu kämpfen.

Die neue Propaganda-Schlappe aber ist auf inoffiziellem Wegen erfolgt, könnte aber zeigen, dass auch im Militär selbst nicht alle damit einverstanden sind, wie das Pentagon agiert. Möglicherweise wollte der (noch) unbekannte Absender auch Kritik an den Kriegsplänen äußern, zumal er vielleicht mitmachen muss. Mehr als den Kommentar: "Photos taken inside a military C-130 transporting POW's" hat er jedenfalls nicht hinterlassen. Vielleicht waren die Bilder aber auch Teil der offiziellen Serie, von denen einige die Schleusen zur Öffentlichkeit zeitweise durchlaufen konnten, bis sie nach dem weltweiten Aufschrei der Kritik wieder von den Pentagon-Servern verschwanden.

Offenbar scheint das Pentagon nun den peinlichen Vorfall zu untersuchen. Die Fotos wurden nicht nur auf der Website gepostet, sondern auch einigen Medien wie CNN in einer Mail zugeschickt. Ein Pentagon-Sprecher hat gesagt, so CNN, dass sie echt erscheinen. CNN, ganz patriotisch, hat sich nur das harmloseste Foto ausgesucht und es klein auf die Website gestellt. Ein Link auf die Fotos wurde natürlich nicht gelegt. Wie nun die US-Medien mit diesen Fotos umgehen, könnte auch eine Art Lackmus-Test für ihre Unabhängigkeit sein. Bislang zumindest scheint man eher die Bilder nicht zeigen zu wollen und sich auf deren schriftliche Wiedergabe zu beschränken.CBS zeigt lediglich ein Bild des verschnürten Lindh (später wurden zwei Fotos hinzugefügt) , der San Francisco Chronicle oder ABC machen es ganz ohne Bild.

The images show men wearing hoods and headphone-type ear protection. The men are held to the floor of what appears to be an open interior area of a C-130 transport by chains, leg cuffs and other restraints. A large U.S. flag hangs from the ceiling.

The men are under heavy guard. In one shot, a military police officer is shown addressing a restrained and blindfolded man seated with his arms behind him. Other men in uniform are shown relaxed and seated along the sides of the cargo area.

Auffällig ist auf den ersten Blick die Unverhältnismäßigkeit der Sicherungsvorkehrungen. Die mit Bändern am Boden fixierten Gefangenen mit Handschellen, Kapuzen und Ohrenklappen sehen in Verbindung mit den schwerbewaffneten Soldaten so aus, als hätte man auf einer Safari wilde Tiere eingefangen, die jetzt in den Zoo transportiert werden.

Die Möglichkeit, auch solche Informationen über das Internet schnell einer globalen Öffentlichkeit zugänglich zu machen, zeigt allerdings auch, wie schwer kontrollierbar das Netz als Gegenöffentlichkeit (noch immer) ist. Mit diesem Medium können Einzelne, was bislang unvorstellbar war, innerhalb von wenigen Stunden und mit ein paar einfachen Vorgängen globale Wirkungen hervorrufen. (Florian Rötzer)

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