Ungarn: Soros-Universität sieht Existenz gefährdet

George Soros. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung. Lizenz: CC BY-SA 2.0

Der US-Milliardär gilt in Osteuropa als politischer Strippenzieher

In Ungarn plant Bildungsstaatssekretär László Palkovics eine Änderung des Hochschulgesetzes. Sie sieht unter anderem vor, dass Träger außerhalb der EU nur noch dann einen Universitätsbetrieb anbieten dürfen, wenn sie das auch in ihrer Heimat in vergleichbarem Umfang machen. Durch diese Änderung sieht sich die in Budapest vom US-Milliardär George Soros eingerichtete Central European University (CEU) in ihrer Existenz gefährdet. Die Hochschule bildete seit ihrer Gründung 1991 etwa 14.000 Postgraduierte aus zahlreichen osteuropäischen Ländern aus, die danach häufig Führungspositionen in ihren Heimatländern einnahmen.

Obwohl Soros aus Ungarn stammt, wurde er in der Vergangenheit nicht nur vom serbischen Ministerpräsidenten Aleksandar Vučić und vom mazedonischen Regierungschef Nikola Gruevski, sondern auch vom ungarischen Premierminister Viktor Orbán scharf angegriffen und beschuldigt, über seine Open-Society-Stiftung unter dem Deckmantel der Philanthropie politische Veränderungen zu betreiben, die seinen eigenen wirtschaftlichen Interessen nützen (vgl. Soros: Der Milliardär als Mäzen und Messias der Märkte).

Soros, der 1956 in die USA auswanderte und 1968 einen Hedgefonds in Curaçao übernahm, wurde zu einem Namen, den man auch außerhalb der Finanzwelt kennt, als er 1992 mit seinem Hedgefonds Quantum gegen das britische Pfund spekulierte und dabei - auch auf Kosten der britischen Volkswirtschaft - einen Milliardengewinn machte. Heute sieht ihn Bloomberg mit einem Vermögen von etwa 25 Milliarden Dollar an sechsundzwanzigster Stelle auf der Liste der reichsten Menschen der Welt.

Vier Jahre zuvor hatte der Spekulant, der Standorte wie die Niederländischen Antillen und die Jungferninseln schätzt, durch Insider-Informationen große Gewinne mit der französischen Société Générale gemacht, was ihm allerdings erst 2006 nachgewiesen werden konnte. Im Jahr darauf - unmittelbar vor Beginn der Finanzkrise - brachte sein Quantum Endowment Fund 32 Prozent Rendite und 2,9 Milliarden US-Dollar ein, was er sich als Manager des Fonds mit 1,1 Milliarden US-Dollar vergüten ließ.

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