Unionisten in Moldau fordern Vereinigung mit Rumänien

Cornel Captrai mit seinen beiden Pässen. Bild: Simon Erhardt

Die Ereignisse in der Ostukraine machen nicht nur den Ukrainern Sorgen, sondern auch ihren Nachbarn in Moldau

In Moldau wächst die Popularität der Unionisten, einer nationalistischen Gruppe, die sich mit Rumänien vereinigen will. Ob das klappt?

"Ich besitze die Staatsbürgerschaft der Republik Moldau und Rumäniens. Die kommunistische Ära ist vorbei und wir müssen uns mit unseren Brüdern vereinigen. So gelangen wir auch in die Europäische Union." Der Apotheker Cornel Captari aus der moldauischen Hauptstadt Chisinau wünscht sich, dass sein Land Rumänien zugeschlagen wird. "Damit würden wir auch der Einflusssphäre Russlands entkommen", erklärt Captari.

Doch der Forderung steht die eigene Geschichte im Weg. Der Zusammenbruch der Sowjetunion hat viele Krisenherde hinterlassen, einer davon ist der eingefrorene Konflikt zwischen Moldau und der Teilrepublik Transnistrien im Osten.

Aus Angst vor einer wachsenden Rumänisierung erklärte sich Transnistrien 1992 für unabhängig - in der kleinen Republik spricht die Mehrheit der Bevölkerung Russisch. Moldauische Truppen wurden ins Krisengebiet geschickt. Mehr als 1000 Menschen starben infolge kriegerischer Auseinandersetzungen. Der Frieden wurde mithilfe der einmarschierten russischen Armee sichergestellt.

Seitdem bleiben russische, transnistrische und ukrainische Soldaten als Garanten des Waffenstillstandes in der Region stationiert. Nach 22 Jahren wird die Anerkennung der Unabhängigkeit Transnistriens durch die Weltgemeinschaft abgelehnt. Schon 2006 haben über 96 Prozent aller Transnistrier im Zuge eines Referendums über den Beitritt zu Russland abgestimmt. Seitdem liegt das Dokument im Kreml. Nach acht Jahren hat die offizielle Regierung Transnistriens noch keine Antwort erhalten. Das sorgt für Verwirrung im Land.

Tatjana K. ist Lehrerin und hat für den Beitritt zu Russland abgestimmt. Putins Schweigen sorge für Verwirrung, meint Tatjana. "Warum genießt die Krim alle Privilegien? Wir Transnistrier haben schon längst über unser Schicksal entschieden, aber uns will ja keiner hören." Sie sagt, dass ihre Landsleute nun auf eine schnellere Reaktion aus Moskau hoffen, da sie Angst vor "den Faschisten in Kiew und ihren Anhängern in Moldau" haben.

Für die Unionisten ist Transnistrien hingegen ein untrennbarer Teil Moldaus. Die dort stationierten russischen Soldaten werden als "Okkupanten" bezeichnet. Vor kurzem haben die Unionisten das Porträt des russischen Präsidenten verbrannt - als Protest gegen seine Auslandspolitik. Die Wiederholung des Krim-Szenarios für Transnistrien halten sie für "sehr wahrscheinlich".

John Onoje bei einer Unionistendemo in Chisinau. Bild: Simon Erhardt

"Wir haben keinen Frieden in der Republik Moldau", sagt John Onoje. Der gebürtige Sierra Leoner ist vor 15 Jahren als Flüchtling nach Moldau gekommen. Nun kämpft der politische Aktivist und Popsänger Onoje für die Vereinigung seiner neuen Heimat mit Rumänien. "Wir sind nicht frei, da die russischen Truppen in Transnistrien stehen", sagt John Onoje.

Auch Viorel P. sympathisiert mit den Unionisten. "Hitler und Stalin haben diese Region geteilt. Wir sind Rumänen, wir sprechen dieselbe Sprache und Putin versucht weiter unser Land für sich zu beanspruchen."

In Rumänien selbst werden solche Stimmungen gern gesehen. Sogar der rumänische Präsident ist einer der größten Befürworter der sogenannten Unire. Seit langem fordert Traian Basescu die Vereinigung der beiden Staaten.

Moldau und Transnistrien. Bild: CIA

Im November 2013 paraphierte die pro-westliche Regierung Moldaus das Assoziierungsabkommen mit der EU. Der rumänische Staatschef begrüßte damals die Annäherung Moldaus an Europa und an Rumänien. "Blut ist dicker als Wasser", sagte Basescu, fügte aber hinzu, dass der Eingliederungsprozess etwas Zeit in Anspruch nehmen würde. Ob die Moldauer das wirklich wollen? Letzten Umfragen zufolge bleiben die Meisten eher verhalten. Die Situation kann sich jedoch ändern.

Für Traian Basescu ist die Krim-Krise von Vorteil. Putin rechtfertigte seine Handlungen auf der Krim als Schutz russischer Bürger. Diesem Vorbild könnte auch Basescu folgen. Laut offiziellen Quellen besitzen bereits 300.000 Moldauer die rumänische Staatsbürgschaft. Doppelt so viele haben schon einen Antrag in Bukarest gestellt. Für Moldauer ist der EU-Pass ein Ticket in die sichere Zukunft, für Basescu eine Chance für die Wiedervereinigung.

Experten rechnen, dass die Zahl der Doppelstaatsbürgerschaften in zwei Jahren bei etwa einer Million liegen würde. Das ist dann ein Drittel der Gesamtbevölkerung der kleinen Republik Moldau. Wie werden diese Bürger in den Meinungsbefragungen erfasst? Als Moldauer oder Rumänen? Wie sie für das Schicksal des Landes abstimmen werden, sollte es zu einem Referendum kommen, bleibt offen. (Alisa Bauchina)

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