Unionspolitiker genervt, weil Laschet nicht in Würde verlieren kann

Armin Laschet will die Niederlage noch nicht wahrhaben. Archivbild: © Olaf Kosinsky / CC-BY-SA-3.0-DE

In CDU und CSU gibt es Rücktrittsforderungen und jede Menge Kopfschütteln über die Idee einer "Jamaika-Koalition" mit Laschet als Kanzler. Alle Zeichen stehen auf "Ampel"

Manche der Unionspolitiker, die jetzt ihren Kanzlerkandidaten Armin Laschet ermahnen, ein guter Verlierer zu sein, waren von Anfang an dagegen, dass er für sie ins Rennen geht. Junge-Union-Chef Tilman Kuban (CDU) hätte sich den in Umfragen beliebteren CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidaten gewünscht.

Dass CDU-Chef Laschet sich nun immer noch im Rennen um die Kanzlerschaft sieht und eine "Jamaika-Koalition" mit FDP und Grünen bilden will, obwohl die Unionsparteien bei der Bundestagswahl am Sonntag nur zweitstärkste Kraft nach der SPD wurden, stößt Kuban sauer auf. "Wir haben die Wahl verloren. Punkt", sagte der JU-Vorsitzende am Montagabend in der ARD-Sendung "Hart aber fair". Der klare Auftrag liege nun bei SPD, Grünen und FDP.

"Es war Veränderung gewollt"

Niedersachsens CDU-Chef Bernd Althusmann ließ durchblicken, dass er Laschets Verhalten für würdelos hält: "Wir sollten jetzt demütig und respektvoll den Wählerwillen annehmen, mit Anstand und Haltung. Es war Veränderung gewollt", sagte Althusmann laut einem Bericht der ARD-tagesschau. Die Union habe "keinen Anspruch auf Regierungsverantwortung", unterstrich Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU).

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich im Machtkampf um die Kanzlerkandidatur im April für Söder stark gemacht und sagte nun der Rheinischen Post, es sei "nicht schön, wenn man am Ende sieht, dass die eigenen Befürchtungen von der Realität noch übertroffen wurden".

Die Unionsparteien hätten "eine krachende Niederlage erlitten" und viele Wechselwähler verloren. "Das muss dann auch unser weiteres Verhalten und unsere Aufstellung für die kommende Zeit bestimmen", sagte Altmaier und empfahl seiner Partei "eine Portion Demut". Jetzt müsse "zügig über die inhaltliche und personelle Aufstellung der CDU für die Zukunft" gesprochen werden.

"Ich wünschte, es gäbe eine Selbsterkenntnis"

Unterm Strich kann das als Aufforderung an den eigenen Parteichef verstanden werden, seinen Hut zu nehmen. Deutlicher wurde die rheinland-pfälzische CDU-Landtagsabgeordnete Ellen Demuth auf Twitter:

Ich wünschte, dieser Tweet wäre überflüssig. Ich wünschte, es gäbe eine Selbsterkenntnis. Nach der bedenklichen PK eben bleibt mir leider nur zu sagen: Armin Laschet, Sie haben verloren. Bitte haben Sie Einsicht. Wenden Sie weiteren Schaden von der CDU ab und treten Sie zurück.

Wenn Armin Laschet nicht schon vor der Wahl als in den eigenen Reihen historisch unbeliebter Kanzlerkandidat gelten musste, ist er es jetzt. Die nötige Autorität für das Amt des Bundeskanzlers an der Spitze einer "schwarz-grün-gelben" Koalition hat er sicher nicht. Söder hingegen dürfte die besten Chancen haben, im Jahr 2025 Kanzlerkandidat der Unionsparteien zu werden.

Für die nächsten vier Jahre ist eine eine "Ampel-Koalition" aus SPD, Grünen und FDP. SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz würde im Fall einer Neuauflage der Großen Koalition nicht nur Ärger mit der eigenen bockigen Parteijugend bekommen, die bereits gegen die letzte "Groko" mit einer "Tritt ein, sag Nein"-Kampagne mobil gemacht hatte, sondern er müsste auch noch dem bockigen Armin Laschet erklären, dass man als Juniorpartner in einer Koalition nicht den Kanzler stellt. (Claudia Wangerin)