Universität Düsseldorf weist Kritik der Allianz der Wissenschaftsorganisationen zurück

Die großen, vom Wissenschaftsministerium finanzierten Organisationen wollten mit einer Erklärung Schavan im Plagiatsverfahren zur Seite springen

Der Philosophische Fakultätentag der Universität Düsseldorf hat sich dem Druck nicht gebeugt und hat heute noch einmal das Verfahren zur Überprüfung der Plagiatsvorwürfe gegen die Wissenschaftsministerin Annette Schavan bekräftigt. Das Vorgehen sei "rechtlich korrekt" und genüge "allen in der Wissenschaft geltenden Standards vollständig", heißt es in einer Mitteilung der Universität. Heute nachmittag entscheidet der Fakultätsrat, ob ein Verfahren offiziell eröffnet wird. Schavan gibt sich unbeeindruckt: Schavan: "Das bin ich der Wissenschaft schuldig".

Unter Beschuss geriet die Philosophische Fakultät zuletzt durch die Allianz der Wissenschaftsorganisationen, zu der die Alexander von Humboldt-Stiftung, die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina - Nationale Akademie der Wissenschaften, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Fraunhofer-Gesellschaft, die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren, die Hochschulrektorenkonferenz, die Leibniz-Gemeinschaft, die Max-Planck-Gesellschaft und der Wissenschaftsrat gehören. Alle sind finanziell vom Bundeswissenschaftsministerium abhängig, was den Verdacht erweckt, dass die Parteinahme für Schavan nicht uneigennützig erfolgt oder auf sie auch Druck ausgeübt wurde.

Andreas Keller, der Leiter des Vorstandsbereichs Hochschule und Forschung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), glaubt, dass die Allianz Schavan mit ihrer Einmischung "einen Bärendienst" erwiesen habe. Falls die Universität die Plagiatsvorwürfe nicht bestätigt, werde der Eindruck entstehen, dies sei auf den Druck der Allianz zurückzuführen. "Und in Zukunft", so Keller gegenüber dem Deutschlandfunk, "wird bei allen Entscheidungen, die die Allianz betreffen, also die Finanzierung der Hochschulen, der Forschungseinrichtungen betreffen, wo ja Milliarden vom Bund hineinfließen, (…) dann immer die Frage auftauchen: Hat das womöglich damit zu tun, dass die ihr damals geholfen haben?"

Gestern hat sich der Präsident des Deutschen Hochschulverbandes (DHV), Professor Dr. Bernhard Kempen, hinter die Universität Düsseldorf und gegen die Kritik der Allianz der Wissenschaftsorganisationen gestellt: "Die Berufsvertretung der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat volles Vertrauen, dass die Universität Düsseldorf im Plagiatsfall Schavan ein rechtmäßiges und ordnungsgemäßes Verfahren durchführt. Dies hat auch das Gutachten des Kollegen Gärditz eindrucksvoll bestätigt." Kempen rügt das Einschreiten der Wissenschaftsorganisationen scharf: "Hochrangige Vertreter der Wissenschaft erweisen der Wissenschaft einen Bärendienst, wenn sie den fatalen Eindruck entstehen lassen, politisch wünschenswerte Ergebnisse könnten öffentlich herbeigeredet werden."

In einer Gemeinsamen Erklärung hatte die Allianz letzte Woche moniert, es dürfe nicht nur darum gehen, dass es keine "rechtlich relevanten Verfahrensfehler" bei der Überprüfung gibt, wie ein Rechtsgutachten der Universität bestätigte. "Verfahrensrechtliche Korrektheit" sei zwar notwendig, aber nicht hinreichend. Ein Verfahren zur Aberkennung des Doktorgrads "setzt vielmehr auch in der Wissenschaft übliche Verfahrenselemente wie das Mehraugen-Prinzip, die Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden sowie eine angemessene Berücksichtigung des Entstehungskontextes voraus, dessen inhaltliche Bewertung nur auf der Basis einschlägiger fachwissenschaftlicher Expertise vorgenommen werden kann."

Der Philosophische Fakultätentag der Universität Düsseldorf, der schon zuvor die Vorwürfe in einer Presseerklärung zurückgewiesen hat, bezeichnet die Kritik der Allianz als "unangemessene" und sieht darin die Intention, die Universität unter Druck zu setzen. Man könne schon allein die Regeln, auf die die Allianz verwies, nicht auf förmliche Verwaltungsverfahren wie das gegen Schavan übertragen, weil sie nur Empfehlungen für "interne, nicht rechtsförmlich geregelte Verfahren zur Aufklärung von Fehlverhalten" seien. Der Forderung nach einem Mehraugen-Prinzip wird ironisch ausgehebelt, da die Entscheidung im Fakultätsrat "nach dem 30-Augen-Prinzip" gefällt werde. Eine strikte "Trennung von Begutachten, Bewerten und Entscheiden" sei in der Promotionsordnung nicht vorgesehen, weil der "Fakultätsrat, der über die Entziehung eines Titels entscheidet, auch selbst den Sachverhalt verantwortlich aufklären und zu einer Entscheidung gelangen" müsse. Die geforderte "angemessene Berücksichtigung des Entstehungskontextes" stehe hingegen "im Fokus der Beratungen des Promotionsausschusses". Entweder also seien die Forderungen "unbegründet" oder sie werden sowieso erfüllt, so der Philosophische Fakultätentag gegenüber der sicher ungeschickten, wenn nicht peinlichen Kritik der Allianz. (Florian Rötzer)