Unruhen im Gabun

Ali Bongo (Foto: Foreign and Commonwealth Office, Lizenz: CC BY 2.0) und Jean Ping (Foto: U.S. Air Force)

Moslem und Sohn eines Chinesen streiten um Wahlsieg - Parlament angezündet

Im zentralafrikanischen Staat Gabun hat die Republikanische Garde gestern das Hauptquartier der Oppositionspartei Union des Forces du Changement (UFC) erst von Hubschraubern aus beschossen und anschließend gestürmt. Zuvor brannten in der Hauptstadt Libreville das Wohnhaus des stellvertretenden Ministerpräsidenten Paul Biyoghé Mba und das Parlament, nachdem Anhänger der UFC in der Hauptstadt demonstrierten und randalierten, weil der amtierende Präsident Ali Bongo verlautbarte, er habe die Wahl am 27. August mit 49,8 zu 48,2 Prozent gewonnen und werde weitere sieben Jahre lang regieren. Sein Gegenkandidat Ping zweifelt das an, weil Bongo in seiner Heimatprovinz Haut-Ogooué, auf 99,93 Prozent Stimmenanteil kam und weil dort die Wahlbeteiligung mit 95,46 Prozent verdächtig hoch war. Einer eigenen Zählung der UFC nach gingen in Haut-Ogooué lediglich 47 Prozent zur Wahl und wählten zu 78 Prozent Bongo - damit wäre Ping Wahlsieger.

Langzeit-Familienherrschaft

Ali Bongo ist seit 2009 Staatspräsident von Gabun. Vor ihm regierte fast 42 Jahre lang sein Vater Omar Bongo, der das Land seit 1967 fest im Griff hatte, obwohl er nicht der sprachlichen Mehrheit der Fang angehörte, sondern aus der Minderheit der Bateke stammte. Die Bateke galten früher als Volk der Sklavenhändler und stellen heute etwa vier Prozent der Bevölkerung Gabuns. 1973 konvertierte der auf den Namen Albert-Bernard getaufte Präsident zum Islam, reiste nach Mekka und knüpfte - ähnlich wie Idi Amin in Uganda - enge Beziehungen zu den arabischen Ölscheichtümern. Moslems stellen allerdings nur etwa fünf Prozent der Bevölkerung der überwiegend katholischen ehemaligen französischen Kolonie.

Bis 1990 regierte Omar Bongo mit der Parti Démocratique Gabonais (PDG) als Einheitspartei - danach wurden immer wieder Vorwürfe der Wahlmanipulation laut. Er galt nicht nur als eines der am längsten regierenden, sondern auch als eines der reichsten Staatsoberhäupter der Welt und war unter anderem in den Elf-Aquitaine-Korruptionsskandal und in die Wahlkampffinanzierung von Jacques Chirac verwickelt.

Als sich Omar Bongos Sohn Ali 2009 erstmals zum Nachfolger seines verstorbenen Vaters wählen ließ, zweifelten seine Gegner schon damals, dass er die Wahl gewann: Sie randalierten und plünderten darauf hin in der Hafenstadt Port-Gentil Läden arabischer Händler. Daran, dass die Bongo-Familie an der Macht blieb, änderten diese Plünderungen nichts.

Ping hat gute Kontakte nach China

Ali Bongos aktueller Konkurrent Jean Ping gehört ebenfalls nicht zu den Fang, sondern stammt von einem aus China eingewanderten Händler ab, der eine Häuptlingstochter der Nkomi heiratete. Früher war er ein enger Verbündeter der Bongos und unter anderem Außenminister, Finanzminister, und Regierungssprecher. Außerdem pflegt er enge Kontakte zur UN, zur Weltbank und nach China.

Bei der Erstürmung der UFC-Parteizentrale war Ping gestern nicht anwesend. Ihm zufolge kamen dabei zwei Menschen durch Schüsse ums Leben, weitere 20 wurden verletzt. Nun patrouillieren Soldaten und Polizisten in den Straßen der Hauptstadt. Viele Läden haben geschlossen und der Zugang zum Internet funktioniert vielerorts nicht.

Gabun hat nur etwa zwei Millionen Einwohner, zählt aber zu rohstoffreichsten Staaten Afrikas: Vor und hinter seinen Küsten fördert man unter anderem Erdöl, Mangan, Uran und Gold. Außerdem exportiert das sehr dünn besiedelte Land Tropenholz, Kaffee, Kakao, Kautschuk und Palmöl. Die Gewinne daraus werden allerdings sehr ungleich verteilt - 90 Prozent des Bruttosozialprodukts fließen an nur zehn Prozent der Bevölkerung und der Human Development Index listet Gabun auf Platz 119 recht weit hinten. (Peter Mühlbauer)