"Unser Standardkunde will Sex haben und danach Sportschau schauen und ein Bier trinken"

Liebespuppe von RS-Dolls. Bild: RS-Dolls

Deutschlands größter Sexpuppenhändler Manfred Scholand über intelligente Liebespuppen, Männer "ohne Zugang zu Sex" und Roboter, die zu real sind

Beim letzten Telepolis-Salon "Sexbots - neue Formen der Liebe?" ging es um Sexroboter und wie sie die Sexualität der Menschen verändern könnten. Um einen Einblick in den Stand der Dinge zu gewinnen und zu sehen, was die Menschen treibt, sich Ersatz für einen menschlichen Sexpartner zu suchen, sprach ich mit Manfred Scholand, dem dem Gründer von RS-Dolls.

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Der nächste Telepolis-Salon findet am Mittwoch, den 28.03.2018, zum Thema Klimaerwärmung unter dem Titel "Land unter" statt. Gäste sind Max Uthoff und Dietrich Krauß von der ZDF-Kabarettsendung Die Anstalt und Sven Plöger, Diplom-Meteorologe, Autor und Wettermoderator bei der ARD. Ab 19 Uhr wie immer im Lovelace Hotel München (LINK ZUR FACEBOOK VERANSTALTUNG) und auf unserer Facebook Seite als Live-Stream.

Herr Scholand, wir haben darüber geredet, dass intelligente KI-Roboter, die eine Persönlichkeit besitzen und gut reden können, wie sie heute angepriesen werden, eher ein Mythos sind. Was ist denn der technische Stand in dieser Richtung?
Manfred Scholand: Lebensechte Liebespuppen der neuen Generation haben in letzter Zeit eine enorme Entwicklung erlebt. Sie haben ein hochtechnologisches Metallskelett, das dem menschlichen sehr, sehr nahe ist und alle menschlichen Bewegungen nachahmen kann. Das TPE (Thermoplastische Elastomere) wurde ja bereits im Einspieler angesprochen.
Das Skelett ist aber nicht motorisch bewegt?
Manfred Scholand: Nein, es bewegt sich nicht selber. Es kann von außen bewegt werden und dann die Position halten, in die man es bringt. Die große Innovation war die Neuentwicklung des Materials, das TPE. Die Liebespuppen fühlen sich dadurch unheimlich hautecht an. In Verbindung mit dem Skelett wird ein humanoider Körper simuliert. TPE hat auch den Vorteil, dass sich die Preise für lebensechte Liebespuppen der neuen Generation drastisch nach unten entwickelt haben, weil sich TPE viel leichter verarbeiten lässt als Silikon.
Und es fühlt sich wirklich ähnlich an wie menschliche Haut?
Manfred Scholand: Ja, es kommt dem Gefühl menschlicher Haut sehr nahe, sowohl was die Weichheit angeht, als auch von der Haptik her.
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Auf Ihrer Internetseite habe ich beheizbare Puppen gesehen. Was ist da der Effekt? Wird der ganze Körper beheizt oder nur die Sexualorgane?
Manfred Scholand: Das sind vollwertige Heizungen. Die intelligenten Puppen haben Ganzkörperheizungen, die sich bei 37 Grad automatisch abstellen. Die Puppe hat also menschliche Körpertemperatur, sieht sehr menschenähnlich aus und ist wie ein Mensch bewegbar.
Aber "intelligent" würde ja auch heißen, sie könnten reden.
Manfred Scholand: Die intelligenten Liebespuppen können auch reden. Man kann da individuell Tonspuren aufspielen. Sie sind auch interaktiv, das heißt auf entsprechende Bewegungen können sie mit lebensechten Stöhnen reagieren. Verschiedene MP- Spuren können aufgespielt werden, so auch zum Beispiel das Szenario, dass man sich den Sex verdienen muss.
Aber es ist noch nicht so, dass man mit den Puppen wirklich reden kann? Es gibt ja diese Bilder, wie wir eben auch im Einspieler gesehen haben, auf denen Sexpuppen nicht nur zum Sex benutzt werden, sondern eher der Gemeinschaft dienen, zum Beispiel um gemeinsam vor dem Fernseher zu sitzen. Dass Menschen und Sexroboter einfach miteinander sprechen, ist noch nicht möglich?
Manfred Scholand: Grundsätzlich ist das technisch schon möglich, aber der Begriff "künstliche Intelligenz" wird oft leichtfertig in den Raum geworfen. Der Begriff meint ja eigentlich viel mehr und das können diese lebensechten Liebespuppen noch nicht, zumindest noch nicht in Serie. Es gibt noch keinen serienreifen Sexroboter, der einfach so im Handel serienmäßig gekauft werden könnte.
Würden sich das die Leute überhaupt wünschen? Mein Eindruck ist ja eher, dass Sexpuppen so etwas wie erweiterte Onanie sind. Das Phantasma, welches man bei der Masturbation pflegt, wird sozusagen als Sexpuppe realisiert, aber man will möglicherweise gar keine wirkliche Persönlichkeit, die eigenständig handelt. Das ist gar nicht erwünscht in diesem Szenario, oder doch?
Manfred Scholand: Ich will mal so sagen: Unser Standardkunde, der will Sex haben und danach Sportschau schauen und ein Bier trinken, möchte also eigentlich nicht so einen riesigen Aufwand betreiben, um Sex zu haben. Sie lachen! Das klingt jetzt vielleicht platt, ist aber in der Tat so. Eine Beziehung, die nur auf Sex basiert, die hat keine Zukunft, das wissen wir alle. Eine derartige Beziehung kann man am besten mit einer lebensechten Liebespuppe eingehen und führen. Da kann man dann ohne Stress Sex haben und genießen.
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