Unwetter kostet Menschenleben auf der Insel Euböa

Bild: Wassilis Aswestopoulos

Chronik einer angekündigten, hausgemachten Katastrophe

Das Sturmtief "Thalia" hat in der Nacht von Samstag Sonntag auf der Insel Euböa mindestens sieben Menschenleben gekostet. 2.500 bis 3.000 Wohnhäuser wurden ersten Angaben gemäß ganz oder teilweise zerstört.

Die Menschen wurden buchstäblich im Schlaf von reißenden Wassermassen überrascht. Brücken brachen ein, Straßen wurden überflutet, Autos und Möbel weggespült. Weite Teile der Insel sind ohne Versorgung mit elektrischem Strom und Wasser.

Massive Schäden in der Infrastruktur

Es ist charakteristisch für das Ausmaß der Katastrophe, dass am Festland gegenüber der Inselhauptstadt Chalkida, rund um den Ort Dilesi, Tonnen von Möbeln, Abfall, Sperrgut, Abfallcontainer, tote Tiere, aber auch lebendige Schlangen angespült wurden. Der gesamte Strand von Dilesi, eigentlich einer der saubersten Badestrände, gleicht einer schwimmenden Abfallhalde.

Bis in die Nachtstunden des Sonntags sind die Räumungsarbeiten und das Abpumpen des Wassers aus den überfluteten Gebäuden nicht abgeschlossen. Einige Orte auf der Insel sind weiterhin von der Außenwelt abgeschlossen.

Bei Vasiliko, bei Fylla und Afrati sind die Brücken über den Lilanta-Fluss eingestürzt. Damit ist der südliche Teil der Insel Euböa vom mittleren Teil faktisch abgeschnitten. Es gibt zwar eine schwer befahrbare Bergstraße die am Delta des Lilantas vorbei führt. Diese ist jedoch bedeutend länger und führt durch Orte, in denen es Todesopfer wegen des Unwetters gab. Die Polizei kann keinerlei Informationen über die Befahrbarkeit dieser Strecke geben. Laut Angaben der Regionalregierung ist das zu dieser Strecke gehörende Teilstück zwischen Pournos und Mistros nicht befahrbar. Somit ist die Nationalstraße zur Inselhauptstadt Chalkida, von wo es Brücken zum Festland gibt, für die Menschen um Süden der Insel nicht erreichbar.

Unwetter kostet Menschenleben auf der Insel Euböa (6 Bilder)

Bild: Wassilis Aswestopoulos

Ergo waren zahlreiche Wochenendurlauber im Süden der Insel "gefangen". Ihr einziger Ausweg sind die Fähren von Eretria, und Styra. Die Rückreisenden, die eigentlich eine Fahrtstrecke von knapp 140 km eingeplant hatten, fanden sich in kilometerlangen Staus wieder. Die durchschnittliche Wartezeit für die Fähre betrug vier Stunden. Die Fährbetriebe legten nach offiziellem Fahrplanende Extraschichten ein, um die Urlauber sicher von der Insel zu bringen.

Dramatische Rettungsaktionen

Die Feuerwehr rettete 82 Personen vor dem Ertrinken im eigenen Haus. 54 davon konnten über Land oder mit Schlauchbooten gerettet werden, 28 wurden per Helikopter von den Dächern ihrer Häuser gerettet. Zusätzlich dazu rettete auch der Katastrophenschutz 15 Personen, von denen zwei mit dem Hubschrauber aus ihrer misslichen Lage befreit werden mussten.

Zwei Greisinnen im Alter von 94 und 90 Jahren gelang die Rettung auf abenteuerliche Weise. Die eine, wegen altersbedingter Bettlägerigkeit ans Bett gefesselt, konnte auf ihrer Dekubitus-Matratze im Wasser treibend gerettet werden. Die andere hatte sich drei Stunden lang unter Anfeuerung und Ermutigung durch ihre Nachbarn mitten im reißenden Strom der Flut an einem Zementstein festgehalten. Eine weitere Seniorin wurde auf einer Kommode treibend lebend im Wasser gefunden.

Weniger Glück hatten zwei 85-Jährige im Ort Politika. Eine allein lebende, gehbehinderte Frau wurde in ihrer Parterrewohnung im Schlaf von den Wassermassen erstickt. Einem gleichaltrigen Mann widerfuhr das gleiche Schicksal.

In einer weiteren Parterrewohnung, in der ein Ehepaar mit Kindern zum Urlaub weilte, wurden die Erwachsenen durch den Lärm der Flut geweckt. Der Vater öffnete die Tür, um zu sehen was los war, und Wassermassen drangen ein, welche den acht Monate alten Säugling der Familie mitrissen. Das Kind konnte nach mehreren Stunden nur tot geborgen werden.