VDE warnt vor unsicheren Elektrogeräten

Bildquelle: VDE / Hannibal

Schnäppchenjägern bietet das Internet auf zahlreichen Online-Plattformen ein weites Feld für den Einkauf scheinbar preiswerter Produkte, die sich bei näherer Betrachtung oft nur als billig erweisen und vielfach nicht nur mit mangelhafter Haltbarkeit glänzen, sondern auch mit eingebauten Sicherheitsmängeln.

Der VDE Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik in Frankfurt warnt vor mangelhaften Bedienungsanleitungen sowie Konstruktions- und Fertigungsfehlern bei billigen Elektrogeräten, die über deutsche Internetplattformen verkauft werden. Experten des Offenbacher VDE-Instituts haben bei Stichproben von billigen Haushaltsklein- und Gartengeräten, die man auf deutschen Internetplattformen erworben hatte, zahlreiche Mängel festgestellt, die zu elektrischen, mechanischen und thermischen Gefährdungen führen können. Neben technischen Fehlern kritisiert man auch Bedienungsanleitungen die entweder gar nicht in deutscher Sprache vorliegen oder deren Übertragung in die deutsche Sprache ungenau oder gar fehlerhaft ist. Dies kann bei einer entsprechenden Nutzung durchaus zu Gefährdungen des Anwenders führen.

Nicht berücksichtigt wurden bei den erfolgten Untersuchungen Produkte, die direkt von fernöstlichen Herstellern über chinesische Plattformen angeboten und vertrieben wurden. Im Gegensatz zu den deutschen Online-Handelsplattformen besteht bei den ausländischen Anbietern zumeist auch keine Rücksendemöglichkeit mit anschließender Rückvergütung der Kosten innerhalb der in Deutschland geltenden 14-tägigen Rückgabefrist, die noch aus den Zeiten des klassischen Haustürgeschäfts stammt.

Die einfachste Möglichkeit, sich vor unsicherem Billigramsch zu schützen, besteht in der Möglichkeit, diesen erst gar nicht zu erwerben, auch wenn ein Schnäppchen zu locken scheint. Wer bei einem Händler einkauft, welcher ihm persönlich bekannt ist, wird schon durch den persönlichen Kontakt das Risiko reduzieren können, dass ihm unsichere oder gar gefährliche Produkte angedreht werden.

Wer sich nur auf einen bekannten Markennamen verlässt, muss dabei berücksichtigen, dass inzwischen zahlreiche bekannte Markennamen den Eigentümer gewechselt haben, weil der ursprüngliche, bekannte Hersteller seine Tätigkeit eingestellt hat und ein anderer Anbieter sich den Markennamen durch Neueintragung hat schützen lassen oder der Markenname beispielsweise infolge einer Insolvenz von einem Investor erworben wurde, der mit dem ursprünglichen Unternehmen und dessen Entwicklungs- und Fertigungskompetenz nichts gemein hat.

Abgesehen vom legalen Markenübergang gibt es jedoch auch zahlreiche Fälle, in welchen die Marke oder eine leicht verwechselbare Bezeichnung von Plagiatoren genutzt werden, die sich dabei oftmals sogar des EAN-Codes des Original-Herstellers bedienen, um ihre Produkte in die internationalen Lieferketten einzuschleusen. Sitzt der Anbieter im Ausland, wird es schwer, den Kauf rückabzuwickeln, weil dort deutsches Recht nicht gilt.

Prüforganisationen wie das VDE-Institut bieten über eine öffentlich zugängliche Produktdatenbank die Möglichkeit, vom VDE geprüfte Produkte ausfindig zu machen. Der TÜV Rheinland bietet mit seiner Datenbank Certipedia ein Verzeichnis der von ihm und seinen Partnerorganisationen geprüften Produkte an. Eine vergleichbare Datenbank bietet auch der Wettbewerber TÜV Süd an.

Erwirbt man ein dort aufgeführtes Produkt, kann man davon ausgehen, dass es den in Deutschland geltenden Prüfnormen sowie den einschlägigen EU-Vorschriften entspricht. Eine Unsicherheit besteht teilweise jedoch aufgrund der Tatsache, dass so mancher Hersteller für die Prüfung unterschiedliche Labors beauftragt oder erteilte Zertifikate freihändig und unzulässiger Weise auf modifizierte oder vollständig geänderte Produkte anwendet. Dies erfolgt dann gerne auf Nachfrage mit dem Hinweis, dass das neue Produkt ja nur verbessert sei, was jedoch so nicht zulässig ist und zum Entzug des Prüfzeichens führt. Um solchen missbräuchlichen Zeichennutzungen auf die Spur zu kommen, setzen die Zertifizierer offensichtlich auf unangekündigte Besuche bei ihren Kunden.

Das Online-Verzeichnis beim VDE bietet auch die Möglichkeit solche Produkte zu identifizieren, für welche die VDE-Zeichengenehmigung fristlos gekündigt wurde oder die gar keine gültige Zeichengenehmigung besitzen, diese missbräuchlich nutzen oder gefälschte Zertifikate einsetzen. Auch wenn die Mehrheit der hier aufgelisteten Hersteller ihren Sitz in der Volksrepublik China hat, finden sich in der Datenbank auch europäische und nordafrikanische Anbieter.

Auch die EU in Brüssel bietet auf ihrer ICSMS-Seite die Möglichkeit Produkte ausfindig zu machen, welche den europäischen Vorschriften nicht entsprechen. Die Nutzung dieser Datenbank hat sich in den letzten Jahren zwar deutlich verbessert und die Abfragen erfolgen inzwischen auch signifikant schneller. ICSMS scheint jedoch in erster Linie für die Anwendung im Bereich staatlicher Behörden konzipiert zu sein, für die auch Funktionen verfügbar sind, welche für den privaten Nutzer nicht freigeschaltet sind. (Christoph Jehle)

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