Venezuela: Der nächste Blackout

Bild: Netblocks

Die Regierung spricht wieder von einem Angriff, Kritiker führen die Probleme auf die marode Infrastruktur zurück

Die Maduro-Regierung kriegt die Stromversorgung nicht in den Griff. Seit Anfang März, als der erste landesweite Blackout geschah, den die Regierung auf einen Cyberangriff und die Opposition auf Misswirtschaft und Korruption zurückführte, kam es immer wieder zu Stromausfällen. Bislang waren es fünf Blackouts.

Nach und nach war die Stromversorgung seit Ende März wiederhergestellt worden. Nach Netblocks waren gerade wieder um die 90 Prozent erreicht worden, als der Strom in der Hauptstadt Caracas und mindestens 19 Bundesstaaten wieder ausfiel, nachdem die Regierung und die Opposition zuvor wieder zu Versammlungen aufgerufen hatten. Juan Guiadó hatte im Rahmen seiner von ihm verfolgten Operacion Libertad zum Protest gegen den Zusammenbruch der Versorgung mit Wasser und Strom für Mittwoch aufgerufen. Guaidó bat seine Anhänger, auch weiterhin auf die Straße zu gehen, um die "usurpatorische" Regierung von Maduro zu stürzen.

Die Regierung erklärt, der neue Stromausfall sei Folge einer "brutalen, von der rechten Opposition orchestrierten Angriffskette". Die Regierung überlegt, die Stromrationierung sicherheitshalber den Rest des Jahres beizubehalten, wie der Energieminister und Direktor des staatlichen Stromkonzerns Corpoelec, Igor Gavidia, sagte, der erst seit einigen Tagen im Amt ist. Er hat die Aufgabe, das Stromsystem (Sistema Eléctrico Nacional - SEN) zu stabilisieren und gegen die behaupteten Angriffe zu sichern. Dazu wurde ein Plan, der Estado Mayor Eléctrico de la Región Sur, von der Regierung ausgearbeitet

Kritiker werfen dem Wiederherstellungsplan der Regierung vor, dass er zu ungenau sei und offenbare, dass die Regierung "keine wirkliche Diagnose der Situation hat und nicht weiß, wie sie gelöst werden soll", so Alexis Rodríguez, Direktor der Gewerkschaft der elektrischen Industrie. Die Regierung habe weder auf die Angestellten noch auf Experten gehört, die seit 10 Jahren vor solchen Zusammenbrüchen gewarnt haben, weil die erforderlichen Modernisierungen nicht gemacht wurden. Das Hauptproblem ist, dass das Land mindestens zu 80 Prozent von dem riesigen Wasserkraftwerk Guri abhängt. Da keine anderen Kraftwerke bei einer Störung einspringen können, wie das bei einem dezentraleren Stromnetz der Fall ist, fällt dann immer der Strom fast für das ganze Land aus. (Florian Rötzer)

Anzeige