Verboten, weil es Spaß macht?

Angelblogger Konstantin Matern zur Massenstrafanzeige der radikalen Tierschutzorganisation PETA

Herr Matern, im März hat die radikale Tierschutzorganisation PETA bekannt gegeben, dass sie ungefähr 3.000 Teilnehmer am Wettbewerb Angelmasters wegen Verstoßes gegen §17 Nummer 1 des Tierschutzgesetzes angezeigt hat. Der verbietet das Töten eines Wirbeltiers "ohne vernünftigen Grund". Was meinen Sie - findet sich ein Staatsanwalt, der Anklage erheben wird?
Konstantin Matern: Laut einem Artikel im Veganblog geht PETA von einem unzulässigem Wettfischen aus. Tatsächlich handelt es sich bei den Angelmasters um keine Veranstaltung an einem bestimmten Ort. Die Angler angeln das ganze Jahr über und senden im Nachhinein Fotos der gefangenen Fische. Von daher würde ich sagen, dass es sich um kein Wettfischen handelt (bei dem Angler an einem Ort zusammenkommen, um den größten Fisch oder die meisten Fische zu fangen). Außerdem ist es aus meiner Sicht anhand von Fotos schwer nachzuweisen, dass die Fische nach dem Fang nicht sinnvoll verwertet wurden.
Gibt es geangelte Fische, die nicht gegessen werden?
Konstantin Matern: Ich kann hier nur für unseren Angelverein sprechen. Wir haben eine Gewässerordnung, die jedes Jahr an die Mitglieder verteilt wird. In ihr ist geregelt, welche Fischarten wir fangen dürfen. Untermaßige Fische (je nach Fischart haben diese ein Mindestmaß), in der Schonzeit gefangene Fische und geschützte Fischarten dürfen nicht getötet und daher auch nicht gegessen werden. Als Angler werden wir geschult, sie schonend wieder zurückzusetzen. Sofern möglich, lösen wir den Haken im Wasser. Des weiteren gibt es auf bestimmte Fischarten Fangbeschränkungen: So darf jedes Mitglied z.B. je Kalendertag maximal 2 Hechte oder Zander und 4 Karpfen fangen.
Und die werden dann auch gegessen, verschenkt oder verkauft?
Konstantin Matern: Der Verkauf von Fischen ist bei uns in der Gewässerordnung generell verboten. Die Fische, die regelgerecht gefangen werden, werden bei uns auch gegessen. Übrigens: Dass man die maximal erlaubten Fische an einem Tag fängt, ist eher die Ausnahme. Von einigen Fischarten wie Lachse oder Meerforellen dürfen außerdem nur 10 Stück pro Jahr gefangen werden.
PETA kritisiert in der Pressemitteilung zur Anzeige, dass Angler Spaß am Angeln hätten, was man an den Fotos sehe, in denen sie Fische "lachend in die Kamera halten". Was sagen Sie dazu?
Konstantin Matern: Natürlich freut man sich als Angler, wenn man nach einem langen Ansitz einen Fisch fängt. Ich sehe das so: Solange jeder Angler den Fisch nach dem Fang unter Betäubung unter Vermeidung von Schmerzen fischwaidgerecht tötet (wie es im Tierschutzgesetz steht) und den Fisch auch verspeist, ist es in Ordnung, wenn zur Erinnerung ein Foto davon gemacht wird. Zum Töten der Fische: Dafür werden wir Angler geschult. Bevor ein Mitglied an einem Gewässer angeln darf, muss es an einem Lehrgang teilnehmen. Gesetzlich ist es meinem Wissen nach auch nicht verboten, ein Foto des gefangenen Fisches zu machen.
Spiegelkarpfen. Foto ©: Konstantin Matern.
Die Frage, inwieweit Fische Schmerzen empfinden können, ist in der Biologe umstritten. Haben Sie da einen Eindruck aus der Praxis?
Konstantin Matern: Meinen Informationen nach fehlen den Fischen notwendige Hirnstrukturen, um Schmerzen zu empfinden. Das sieht man alleine an der unterschiedlichen Reizwahrnehmung bei Menschen und Fischen. Ziehen Sie einem Menschen doch mal an einem Zugenpiercing: Jeder würde der Bewegung folgen. Ein natürliches Verhalten, um die Schmerzen zu vermeiden. Dagegen zieht ein Fisch entgegen der Rute und versucht mit aller Kraft zu fliehen - eine typische Fluchtreaktion.
PETA Deutschland mahnt Kritiker unter anderem mit Verweis auf ein "Persönlichkeitsrecht" des Vereins und der Begründung ab, dass Blogger nicht zwischen der Organisation in den USA und der in Deutschland unterschieden hätten. Sind davon auch Angler betroffen?
Konstantin Matern: Mit solchen Abmahnungen trifft PETA die Falschen. Wir Angler sind diejenigen, die jedes Jahr Müllsammelaktionen an Gewässern starten, die Fischbestände kontrollieren, Bäche und Flüsse erhalten, Vogelschutz- und Laichschutzzonen einrichten und die Wasserqualität kontrollieren. Ohne uns Angler würden die Gewässer und die darin lebenden Fische es deutlich schlechter haben.
Wenn Peta etwas Sinnvolles tun will, dann sollten sie sich darum kümmern, dass Wasserkraftwerke verschwinden. Zwar haben diese Fischtreppen, die die Fische nehmen sollen, allerdings schwimmen diese zuhauf direkt in die Turbinen.
Außerdem ist nicht der Angler das Problem: Fischfeind Nummer 1 ist der Kormoran. Sein Bestand hat sich in 40 Jahren von 30.000 auf 1,6 Millionen Tiere erhöht. Alleine in Westeuropa werden von dem Vogel 240.000 Fische pro Jahr gefressen - darunter auch bedrohte Fischarten wie der Aal und die Äsche. Ein einziger Kormoran frisst Fische mehr als 20 Angler! Angler müssen Schonzeiten einhalten - der Kormoran nicht.
Fürchten Sie nach der Aufmerksamkeit durch die Anzeigen nun Anschläge durch Tierschützer, die noch radikaler sind als die von PETA?
Konstantin Matern: Nein.
Wie die Anzeigen der PETA bei den Menschen ankommen, haben wir an den Kommentaren im Veganblog gesehen. Mittlerweile wurde die Kommentarfunktion abgeschaltet und alle Kommentare sind nicht mehr öffentlich einsehbar.
Was waren das für Kommentare?
Konstantin Matern: Viele der Kommentatoren waren Angler, die PETA für die Anzeigen kritisiert haben. Aber es waren nach eigenen Angaben auch einige dabei, die PETA zuvor mit Spendengeldern aktiv unterstützt haben. Sie gaben an, zukünftig die Gelder anderen Tierschutzorganisationen zukommen zu lassen.

Das Angelblog von Konstantin Matern finden Sie unter Petriangeln.de

(Peter Mühlbauer)