Verbotenes Genussmittel

Die EU will nur noch den Verkauf von Energiespar-Duschköpfen zulassen

In der Seinfeld-Episode The Shower Head baut die Hausverwaltung in dem Gebäude, in dem Jerry Seinfeld, Kramer und Newman wohnen, neue energiesparende Duschköpfe ein. Die Folgen sieht man schnell an fettigen Haaren, die sich unter den Rinnsalen nicht mehr richtig waschen lassen. Daraufhin kaufen die drei heimlich neue Duschköpfe von einem Schwarzhändler aus dem ehemaligen Jugoslawien, der den "Real Stuff" aus einem Lastwagen heraus wie illegale Waffen feilbietet.

Was 1996, als die Folge gedreht wurde, noch grotesk wirkte, das könnte in den Zehner Jahren in den EU-Ländern Wirklichkeit werden: Nach dem Verbot von Glühbirnen und Elektrogeräten mit Stand-by-Funktion plant die EU-Kommission Verbote für andere "energiefressende" Gebrauchsgüter: Ab April soll sich die Ausleuchtung von Büros nicht mehr an den Wünschen der Unternehmen und ihrer Mitarbeiter orientieren, sondern an EU-Vorschriften. Im Juli greift ein Verkaufsverbot für Kühlschränke und Gefriertruhen, wenn sie den Brüsseler Energienormen nicht entsprechen. Danach plant man Verkaufsverbote für Fenster, Türen, Waschmittel und - Duschköpfe.

Foto: Steven Depolo. Lizenz: CC-BY 2.0

Basis für das Verbot soll eine erweiterte "Ökodesign-Richtlinie" sein, nach der die Kommission Energieverbrauchsstandards auch für Waren festsetzen darf, die nur indirekten Einfluss auf den Energieverbrauch haben. Mit dem Argument, dass auch bei der Herstellung und der Entsorgung Energie verbraucht wird, lässt sich die Erlaubnis sogar auf praktisch alle Güter ausdehnen. Bis 2011 läuft eine Konsultationsphase, in der Industrie- und Verbrauchervertreter aufgefordert sind, Stellungnahmen abzugeben. Bislang zeigte sich das Europäische Büro der Verbraucherorganisationen (BEUC) aber nicht nur ausgesprochen zufrieden mit den geplanten Verboten, sondern forderte sogar noch weitgehendere, die "Verbrauchern dabei helfen, nachhaltiger zu handeln".

Ob auch alle Verbraucher das so sehen, ist fraglich: Für Elektrogeräte mag die Einschätzung des BEUC wohl zutreffen - und die Vorschriften für Fenster und Türen könnten sogar helfen, bizarre deutsche Denkmalschutzvorschriften auszuhebeln - aber Duschköpfe unterscheiden sich in zwei entscheidenden Punkten von den anderen genannten Gütern.

Zum einen dienen sie in relativ unmittelbarer Weise der Erzeugung von Wohlbefinden: Nach einer vom Luxusarmaturenhersteller Hansgrohe (sicherlich nicht ohne geschäftliches Interesse in Auftrag gegebenen, aber trotzdem interessanten) repräsentativen Umfrage zum Après-Ski ziehen 58 Prozent der Deutschen eine heiße Dusche der "Hüttengaudi" oder dem Sofa vor. Dabei steht nur für weniger als 15 Prozent die Säuberung des Körpers im Vordergrund. Für den Rest ist es der Wunsch nach Entspannung, der sie duschen lässt. Ein Effekt von Energiespar-Duschköpfen, die zukünftig die einzigen legal erhältlichen sein sollen, ist jedoch, dass sie nur sehr wenig Wasser durchlassen und dem Benutzer zwar eine Säuberung erlauben, aber Vielen nicht das Wohlgefühl bringen, das sie empfinden, wenn viel warmes Wasser unter relativ großem Druck auf die Haut prasselt.

Ein zweiter Punkt, der wahrscheinlich dafür sorgen wird, dass ein Schwarzmarkt von aus dem Ausland importierten Duschköpfen entsteht, ist der deutlich höhere Zeitaufwand, der für eine Energiespardusche nötig ist. Da Zeit für viele Menschen ein noch weitaus kostbareres und knapperes Gut ist, als Energie, wird es möglicherweise nicht wenige geben, in deren persönlichen Kalkulationen sich der Kauf eines in EU-Ländern verbotenen Duschkopfes auch dann lohnt, wenn ein Schwarzhändler kräftig auf den Preis aufschlägt. (Peter Mühlbauer)