Verbrauchernahe und flexible Stromerzeugung unerwünscht?

Wasserkraftanlage Sandfang in Freiburg. Bild: Christoph Jehle

Wenn die linke Hand will, was der rechten Hand gar nicht gefällt, gerät die Energiewende ins Stolpern

Eine erfolgreiche Energiewende, die sich in beträchtlichem Umfang auf Energiequellen stützt, deren Verfügbarkeit rund um die Uhr nicht gesichert werden kann, benötigt zusätzliche Speicher und Flexibilitäten sowie erneuerbare Energien mit deren Hilfe eine möglichst konstinuierliche Stromerzeugung möglich ist. Die Nutzung kleiner dezentraler Wasserkraftanlagen in Verbrauchernähe könnte hier zwar nicht die Lösung, aber einen Beitrag liefern. Wenn da nicht Vorschriften, Zuständigkeiten und der vielgerühmte Bürgerwillen in die Quere kämen.

Nachdem die frühere Antiatomkraft-Bewegung nach Fukushima von der Partei der Kanzlerin absorbiert wurde, AKWs zur Abschaltung bis in fünf Jahren verurteilt wurden, wendet sich die öffentliche Meinung von der Frage der Stromerzeugung weitgehend ab und der Nörgelei über die sichtbaren Umstände von Stromerzeugung und Stromtransport zu.

Strom soll für die Mehrheit offensichtlich als ubiquitäre Dienstleistung wieder vornehmlich aus der Steckdose kommen. Zumindest soll der Endverbraucher sich der optischen Belästigung durch Stromerzeugungsanlagen und Stromleitungen entziehen können. Wirft man den Windkraftanlagen zu Lande eine Verspargelung der Kulturlandschaft vor und will gleichzeitig aber auch den Bau von Hochspannungsfernleitungen nicht akzeptieren, so wird inzwischen auch wieder verstärkt gegen den Bau von Wasserkraftanlagen opponiert (vgl. Irgendjemand ist immer dagegen).

Im Falle des Pumpspeicherkraftwerks Johanneszeche haben die Bürger von Lam in einem Bürgerentscheid mit 85 Prozent bei einer Beteiligung von 78 Prozent entschieden, dass sie kein Pumpspeicherkraftwerk in ihrer Gemeinde wollen. In der Folge hat dann auch das katholische Bistum Regensburg als lokaler Grundeigentümer seine Liebe für die nicht mehr ganz so unberührte Natur im ehemaligen Bergbaurevier entdeckt und sich aus der Projektidee verabschiedet. Nach Aussage der christ-sozialen bayerischen Regierungspartei sollte mit der Ablehnung des Wasserkraftwerks jetzt in Lam wieder Ruhe einkehren.

Über den Status von Pilotprojekten sind die Batteriespeicher nur in PV-nahen Hausinstallationen meist privater Betreiber hinausgekommen. Der als Anschub von Seiten der Staatsregierung angedachte Nachnutzung ausgelutschter E-Mobil-Akkus war jedoch auch nicht der erwünschte Erfolg beschieden. Dies dürfte nicht zuletzt der Tatsache geschuldet sein, dass mit einer Restkapazität von 80 Prozent ausrangierte Fahrzeug-Akkus als technisch am Ende ihrer Lebensdauer angekommen angesehen werden.

Somit gilt ein Einsatz zum Zwecke der Reservestromversorgung eher als unlizenziertes Glücksspiel, denn als gesicherter Betrieb. Ein weiteres Hemmnis für den Einsatz der Batteriespeicher liegt in den Entsorgungskosten, die bei etwa 1.000 Euro je Tonne liegen. Ein Recycling ist nur zu etwa 40 Prozent möglich, der Rest wird verbrannt, was meist als energetisches Recycling bezeichnet wird, damit man rechnerisch auf eine hohe Gesamtquote kommt.

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