Vereinigte Arabische Emirate: Abweichler aus der Anti-Iran-Front?

Aden. Bild: Brian Harrington Spier/CC BY-SA 2.0

Die Eroberung Adens durch Separatisten im Süden Jemens bekräftigt den Dissens zwischen Saudi-Arabien und den Emiraten

Die Milizen-Separatisten im Süden Jemens, die den Präsidentenpalast in Aden, den Sitz wichtiger Regierungsstellen, erobert und damit die Kontrolle über die Stadt übernommen haben, wollen sich nicht zurückziehen, wie der Sprecher des Südlichen Übergangsrates (Southern Transitional Council, STC) mitteilte.

Der Führer der Separatisten, Aydros Zubeidi (oft auch: Aidaroos Al-Zubaidi), stellte laut al-Masdar online in Aussicht, dass man noch mehr Gebiete, zum Beispiel im Hadramaut-Tal, aus der Kontrolle der Regierungstruppen, und Mukayris, aus der Kontrolle der Houthis, erobern wolle. Tatsächlich, so sagen Beobachter des Jemenkonflikts, haben die STC- Milizen bereits die faktische Kontrolle über größere Gebiete erlangt, nur dass darüber kaum berichtet wurde.

Dass der von Saudi-Arabien unterstützten Hadi-Regierung mit den Milizen des al-Majlis al-Āntaqālī l-Janūbiyy, des "Übergangsrats des Südens" (STC), neben den sogenannten "Houthi-Rebellen" ein weiterer Gegner erwachsen ist, darüber wurde schon Ende Januar an dieser Stelle berichtet. Damals schon hieß es, dass die südjemenitische Separatisten "halb Aden erobert" haben. Jetzt zeigen sich viele Berichte erstaunt über den "Coup", so die Bezeichnung der offiziellen Regierung, deren Chef, Abed Rabbo Mansur Hadi, schon seit längerem in Saudi-Arabien Zuflucht gefunden hat.

Nervosität innerhalb der Anti-Iran-Front

Der eigentliche "Coup" steckt darin, dass nun ein Dissens zwischen Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten deutlich sichtbar geworden ist. Die Emirate unterstützen den "Übergangsrat des Südens", der zwar auch gegen die Houthis vorgeht, aber doch ganz eigene Pläne verfolgt und wie es aussieht, passen diese Pläne besser zu den Interessen der Vereinigten Arabischen Emiraten als die Agenda Saudi-Arabiens im Jemen-Konflikt.

Schon als die Emirate vor ein paar Wochen ankündigten, dass sie sich aus der saudi-arabischen Koalition im Jemen zurückziehen, verbreitete dies einige Nervosität innerhalb der Anti-Iran-Front, wie dies in einem Kommentar der israelischen Zeitung Ha'aretz beschrieben wird: "Die Emirate haben den Krieg im Jemen aufgegeben, die saudi-arabischen Bemühungen sind gescheitert, der Jemen bleibt geteilt und in der Misere befangen und die Iraner haben Bemerkenswertes erreicht. Das sind schlechte Nachrichten für die Anti-Iran-Allianz."

Offenbar wird mit der Unterstützung des "Übergangsrates des Süden", dass die Vereinigten Arabischen Emirate einen erweiterten Ansatz zur Lösung der Konflikte im Jemen im Sinn haben. Sie scheren damit aus der bipolaren Front - für die Hadi-Regierung gegen die von Iran unterstützten Houthis - aus.

Gut möglich, dass sie mit ihrer Rückendeckung der Separatisten im Südjemen auf eine bundesstaatliche Lösung aus sind, die deren politischen Forderungen mehr Gewicht verleiht. Bei der Stockholmer Vereinbarung Ende letzten Jahres zu einer friedlichen Lösung des Konflikts im Jemen spielten die Forderungen der Separatisten überhaupt keine Rolle.

Die Handelswege

Jetzt zeigt sich, dass man mit den Kräften im Süden sehr wohl rechnen muss, wenn man denn eine Gesamtlösung ins Visier nehmen will. Die Verhältnisse im Jemen sind nun noch komplizierter geworden, darin zumindest besteht Einigkeit. Ein Überblicksartikel von al-Jazeera verweist auf eine Interessenslage der Vereinigten Arabischen Emirate, die mit den See- und Handelswegen zu tun hat.

Schon seit Längerem gab es im Hintergrund zur Berichterstattung, die große Aufmerksamkeit bekommt, Zeichen dafür, dass die Vereinigten Arabischen Emirate befürchteten, dass die harte Front gegen Iran, wie sie die USA, Saudi-Arabien und Israel propagieren, die Handelswege, die mit der Straße von Hormuz und dem Bab al-Mandab verbunden sind, Risiken aussetzen. Für die Emirate sind diese Handelswege von zentraler wirtschaftlicher Bedeutung, weswegen man offensichtlich nach alternativen Ausweichlösungen jenseits des "politischen Diktats" der saudi-arabisch- US-amerikanischen Front suchte.

Anscheinend waren die Emirate auch weniger von der Qualität der Regierung Hadi überzeugt, als dass sie diese durch die Anti-Iran-Front vorgegebene Lösung dauerhaft unterstützen wollten. Der Rückzug begann schleichend und ist mit den jüngsten Vorfällen unübersehbar. Für Saudi-Arabien wird die Lage schwieriger. Aden ist unter Kontrolle von gegnerischen Milizen, die "Nabelschnur" Hudaydah bleibt umkämpft, die Houthis kontrollieren wichtige Teile der Hafenstadt, die Hauptstadt Sanaa steht ganz unter ihrer Kontrolle.

"Verlängerung des Leidens für die Bevölkerung"

Rainer Herrmann, der Spezialist für den Nahen Osten bei der FAZ, ist nicht der einzige Kommentator, der angesichts der jüngsten Ereignisse eine neue Phase des Krieges erwartet, die für die Bevölkerung eine Verlängerung des Leidens bedeutet. Er weist in seinem Bericht darauf hin, dass der Rückzug der Emirate auch mit finanziellen Lasten zu tun hat. Zudem seien die Emirate im Südjemen "zunehmend als Besatzer wahrgenommen worden. Die Menschen gingen in den großen Städten und auf der Insel Sokotra, wo Abu Dhabi einen Militärstützpunkt errichten wollte, gegen die Emirate auf die Straße".

Bemerkenswert ist, dass Hermann davon ausgeht, dass die Vereinigten Arabischen Emirate "Ressourcen für den Konflikt mit Iran" bündeln wollen, weil dieser "eine höhere Priorität genießt als der Krieg im Jemen". Ob da nicht die Handelsverbindungen noch wichtiger sind, wird sich zeigen. Es heißt, dass auch Lösungsvorschläge zum Jemenkonflikt kursieren, die Iran mit an den Verhandlungstisch bringen wollen. Bislang ist das ein Tabu und angesichts der Maximaldruck-Strategie von Trump nicht vorstellbar. Aber im Nahen Osten sind Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Was die aktuelle Situation in Aden anbelangt, so ist noch unklar, was die Gespräche zwischen dem Kronprinz von Abu Dhabi, Mohammed bin Zayed Al-Nahyan, und dem saudi-arabischen König Salman und dessen Sohn und Kronprinzen, Mohammed bin Salman, ergeben haben. Laut Arab News betonte man, dass das Verhältnis zwischen den beiden "brüderlichen Ländern" stabil sei. Seit einiger Zeit ist jedoch unübersehbar, dass dem großen Bruder Saudi-Arabien durch den kleineren eine Konkurrenz erwachsen ist.