Verkaufsverbot für Tabakprodukte führt zu Protesten

Westminster in Massachusetts könnte Pionier für eine tabakfreie Stadt werden, aber es gibt Widerstand gegen das verordnete gesunde Leben

Westminster, eine kleine Stadt in Massachusetts, könnte zum Pionier werden. Der auf der Website nicht sehr mitteilungsfreudige Gesundheitsausschuss der Stadt mit etwas mehr als 7000 Einwohnern hat nämlich vorgeschlagen, im Stadtgebiet den Verkauf von Zigaretten, Zigarren, Kautabak und e-Zigaretten zu verbieten. Alles natürlich nur, um den Kindern Leid zu ersparen und sie vor ungesundem Verhalten zu schützen, das sie nachahmen könnten.

Seit Frühjahr wurde das Tabakverbot im Stadtrat bereits diskutiert. Das rief keine Reaktion hervor, bis der Gesundheitsausschuss die Händler informierte, dass womöglich ein Verkaufsverbot für Tabak kommen könnte. Andrea Crete, die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, erklärte: "Wenn wird verhindern können, dass Kinder Zugang zu Tabak und Nikotinprodukten haben und diesen ausgesetzt werden, und wenn wir die Wahrscheinlichkeit reduzieren können, diese zu rauchen oder zu benutzen, dann haben wir Leben gerettet."

Gut, Leben kann man auf vielerlei Weise retten. Man könnte auch Autos verbieten, Schusswaffen zu verbieten, wäre auch eine Möglichkeit. Auch zuckerhaltige Getränke, Junkfood, Alkohol, Sitzen, Chips oder was auch immer. Es gibt so viele Möglichkeiten, Leben zu retten. Anfangen könnte man mit Rauchen, tatsächlich ein Verhalten, das riskant und tödlich ist. Wie das mit eZigaretten ist, ist zwar ungeklärt, aber vermutlich könnten diejenigen, die sie rauchen eben auch auf Tabakprodukte umsteigen. Es fehlt neben dem Verbot, Tabakprodukte zu verkaufen, in der Konsequenz auch ein Verbot, im ganzen Stadtgebiet zu rauchen.

Aber selbst im amerikanischen Westminster meldet sich Widerstand gegen die gesundheitliche Normierung des Lebens, gegen die zunehmende Regelungswut für das gesunde Leben, gegen die vermeintliche Austreibung des Risikos durch Askese. Am vergangenen Mittwoch musste eine Aussprache nach 20 Minuten abgebrochen werden. Die Menschen riefen "America" und "Freedom Now", Crete wurde es offenbar unheimlich. Sie fürchtete, dass die Versammlung außer Kontrolle geraten könnte: "Wir wollen keine Aufstände." Sie und zwei weitere Mitglieder des Gesundheitsausschusses wurden von Polizei hinausbegleitet, während die Menschen "God bless America" sangen, dann löste sich die Versammlung auf. Bis zum 1. Dezember können die Bürger Eingaben machen, dann würde der Ausschuss entscheiden. Die Menschen fürchten, dass einem Tabakverbot weitere Verboten - gegen Zucker etwa oder gegen Fett - folgen könnten.

Der Kampf um den Tabak und die Freiheit, auch ungesund zu leben, hat auch die nationalen Medien erreicht. So berichtet die New York Times von einer Rebellion, die nicht nur die Minderheit von 1.700 Rauchern und die acht Besitzer von Geschäften, die Tabak verkaufen, ergriffen habe. Viele empfinden den Versuch, Tabak zu verbieten, als Angriff auf die persönliche Freiheit. "Sie nehmen einem die Freiheit Schritt für Schritt", wird ein Bürger zitiert: "Es geht nicht um den Tabak, es geht um die Kontrolle." Mehr als tausend Bürger der Stadt haben bereits eine Petition gegen das Verbot unterschrieben. Aber es ist ein Glaubenskrieg. In Massachusetts ist das Rauchen in Arbeitsräumen, inklusive Kneipen und Restaurants, bereits verboten. Verboten ist auch der Verkauf von Tabakprodukten an Jugendliche. Gemeinden haben auch das Rauchen auf öffentlichen Plätzen wie Parks verboten.

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