Verkehr verursacht fast ein Viertel der weltweiten CO2-Emissionen

Die Energie- und Klimawochenschau: Von der dringend nötigen Energiewende im Transportsektor, der britischen Version des Kohleausstiegs und der weiterhin subventionierten Atomkraft

Damit die Welt die Grenze einer maximalen Klimaerwärmung um zwei Grad Celsius einhalten kann, sollte neben der Stromerzeugung der Verkehrssektor stärker in den Blick geraten. Das verdeutlichen zwei Veröffentlichungen der vergangenen Woche.

Schon heute gehen 23 % des globalen CO2-Ausstoßes auf den Transport von Personen und Gütern zurück, der Weltklimarat rechnet hier mit einer Verdopplung der Emissionen bis 2050. Es wäre aber auch möglich, den Ausstoß von Treibhausgasen im selben Zeitraum um die Hälfte zu reduzieren, argumentieren die Autoren der im Fachmagazin Science besprochenen Studie "Transport: A roadblock to climate change mitigation?". Bei einer Fortsetzung des derzeitigen Trends könnte sich die Anzahl der PKW weltweit verdoppeln, besonders China, Indien und Südostasien wären davon betroffen. Auch der Güterverkehr sowie der internationale Flugverkehr befinden sich weiter auf dem Wachstumspfad.

Bild: AnRo0002/gemeinfrei

Effizienzverbesserungen im Verbrauch, die Förderung des öffentlichen Nahverkehrs sowie des nicht-motorisierten Verkehrs und der großangelegte Wechsel zu Elektroautos könnten diesen Trend umkehren, so die Autoren vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) und Karlsruher Institut für Technologie (KIT). "Elektromobilität im großen Stil könnte entscheidend dafür sein, dass die CO2-Emissionen im Transportsektor bis 2050 halbiert werden", meint der Leitautor Felix Creutzig vom MCC.

Unter Elektromobilität sind nicht nur elektrisch betriebene PKW zu verstehen sondern auch Fahrräder und Bahnen. Der Umstieg auf Elektroautos stehe nun unter besseren Vorzeichen als noch vor einigen Jahren, da die Batteriepreise zwischen 2007 und 2014 um die Hälfte gesunken seien. Bis 2030 prognostizieren die Wissenschaftler einen weiteren Preisverfall auf 200 US-Dollar pro Kilowattstunde.

Die globale Verkehrswende bleibt aber neben den technischen Voraussetzungen eine politische Aufgabe, denn es müsste in die richtige Infrastruktur wie etwa Bahngleise und Fahrradwege investiert werden. Fossile Brennstoffe müssten teurer werden, um Rebound-Effekte eines effizienteren Verkehrssektors zu vermeiden. Die Politik zeige bislang aber wenig Ambitionen, im Rahmen der Klimaverhandlungen über den Verkehrssektor zu diskutieren.

In Deutschland taucht in regelmäßigen Abständen die Kaufprämie für Elektroautos wieder in der politischen Gerüchteküche auf. Das Ziel der Bundesregierung von einer Million Elektroautos auf den Straßen bis zum Jahr 2020 scheint bislang äußerst unrealistisch, momentan sind rund 19.000 zugelassen. Die Fachzeitschrift "Sonne Wind und Wärme" will kürzlich von einer geplanten Kaufprämie von 5000 Euro für Elektroautos sowie einer Quote von 30 % batteriebetriebenen Fahrzeugen in öffentlichen Fuhrparks erfahren haben.

Mit dem Treibhausgasausstoß des deutschen Verkehrssektors beschäftigt sich eine Metaanalyse der Agentur für Erneuerbare Energien (AEE). Mehrere der betrachteten Studien gingen von einem Anstieg der Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2020 aus, hauptverantwortlich dafür wären der Güter- und der Luftverkehr. "Dabei ist der internationale Luft- und Schiffsverkehr in der amtlichen Statistik sowie den meisten Studien nicht enthalten", so die AEE.

Ähnlich den Ergebnissen des MCC und KIT führt auch diese Auswertung zu dem Schluss, dass eine Abkehr von fossilen Brennstoffen und ein Ausbau des öffentlichen Personenverkehrs dringend notwendig sind. Politisch lenkend könnten hier höhere Mineralölsteuern oder Mautsysteme wirken. Die zukünftige Rolle von Biokraftstoffen bleibt umstritten, wohingegen Elektrifizierung gemeinhin als effizienteste Alternative zu fossilen Brennstoffen gilt.

"Der Stromverbrauch im Verkehrssektor entfällt bisher im Wesentlichen auf den Schienenverkehr. Er zeigt seit Jahren eine leicht rückläufige Tendenz und belief sich im Jahr 2014 auf 12 TWh bzw. weniger als 2 % des gesamten Endenergieverbrauchs im Verkehr. Um den Anteil Erneuerbarer Energien im Verkehr zu erhöhen, gilt die verstärkte Nutzung von Strom jedoch als zentrale Stellschraube", heißt es.

Eine Elektrifizierung des Verkehrs könne durch eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene, Elektroautos und -fahrräder sowie Oberleitungs-LKW erzielt werden, die entsprechenden politischen und technischen Rahmenbedingungen vorausgesetzt. Das Öko-Institut hält unter diesen Umständen sogar eine vollständige Elektrifizierung des Verkehrs für möglich, woraus sich im Jahr 2050 ein Strombedarf von 144 TWh ergäbe, was wiederum einen stärkeren Ausbau der Erneuerbaren Energien erfordern würde.

Allerdings kommt die AEE zu dem Schluss, dass sich bislang kaum politischer Wille erkennen lässt, eine Energiewende im Verkehrssektor zu erwirken: "Die Metaanalyse verdeutlicht, dass Klimaschutz und Energiewende im Verkehr bisher vernachlässigt sind. Die kurzfristigen Ziele der Bundesregierung zu Einsparungen beim Energieverbrauch und den Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor erscheinen aus heutiger Sicht kaum noch erreichbar."

Elementares Kohlenstoffpulver entsteht neben Wasserstoff beim Cracken von Methan mit dem neuen Verfahren. Bild: KIT

Energie aus fossilen Quellen zu gewinnen, ohne dabei Treibhausgase auszustoßen, verspricht eine Technologie, die von Forschern des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam und des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entwickelt wird. Beim sogenannten Cracken soll Methan in Wasserstoff und Kohlenstoff aufgespalten werden, ohne dass dabei Kohlendioxid frei wird.

Allerdings sind dafür hohe Temperaturen von über 750 Grad Celsius notwendig, d.h. der Energieeinsatz ist nicht unbeträchtlich. Experimentiert wird mit dem Cracken von Methan seit 20 Jahren, die Umwandlungsraten waren aber immer gering. Die Forscher von IASS und KIT wollen nun mit einem neuen Reaktor in größerem Maßstab Wasserstoff und Kohlenstoff erzeugen. Vorläufige Kostenschätzungen beziffern den Preis des so hergestellten Wasserstoffs auf 1,9 bis 3,3 Euro pro Kilo. Derzeit liegt der Endpreis für ein Kilo Wasserstoff an der Tankstelle bei rund 10 Euro.

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