Verkürzung der Haftzeit gegen Organspende

Der Senat von South Carolina hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, das Strafgefangenen vorzeitige Strafentlassung für das Spenden eines Organs anbietet

Noch ist die Forschung nicht so weit, menschliche Ersatzorgane aus Stammzellen oder in Tieren wachsen zu lassen und dann zur Transplantation zu ernten. Gleichzeitig sorgt der technische Fortschritt dafür, dass die Zahl der Menschen, die gerettet werden könnten, wenn sie Organimplantate erhalten würden, weiter wächst, während die Spender weniger und die verfügbaren Organe auf dem Markt seltener werden. Der Handel mit Organen ist verboten, da hier aber viel Geld fließen kann und die Wartelisten lang sind, geschieht einiges auf dem Schwarzmarkt (Der Handel mit menschlichen Ersatzteilen).

Senatoren des US-Bundesstaates South Carolina haben eine Idee entwickelt, wie man dem Mangel an Organspendern abhelfen könnte. In einem von einem Unterausschuss bereits angenommenen Gesetzesvorschlag des Demokraten Ralph Anderson will man nicht den Handel freigeben, sondern Gefangenen die Möglichkeit einräumen, gegen eine Organspende ihre Haftstrafe zu verkürzen.

Der ursprüngliche Gesetzesvorschlag, ganz offensichtlich auch als Test gedacht, um die rechtliche Situation und die öffentliche Meinung zu prüfen, beschränkte die "freiwilligen" Spenden noch auf Knochenmark und blutbildende Stammzellen. Gefordert wird die Ausarbeitung von Richtlinien, um die Gesundheit der Spender und Empfänger sicher zu stellen. Als Verkürzung der Haftdauer wurde ein zeitlicher Rahmen bis zu 60 Tagen vorgeschlagen. Nach Medienberichten entschied der Ausschuss jedoch am letzten Donnerstag, das Freiheit-gegen-Organ-Gesetz zu erweitern und auch Organe einzubeziehen. Dazu wird eine Verkürzung der Haftdauer bis 180 Tage eingeräumt.

Ob eine zweimonatige Haftverkürzung viele Strafgefangene locken würde, "freiwillig" Gewebe zu spenden, ist fraglich. Bei einem halben Jahr mag dies schon anders sein, auch wenn dafür eine Niere geopfert werden muss. Problematisch ist, dass es nicht wirklich um eine freiwillige Spende geht, sondern um einen Handel oder um ein Geschäft. Möglicherweise könnten irgendwann ja auch die bisher etwa wegen guter Führung bestehenden Möglichkeiten einer vorzeitigen Entlassung eingeschränkt werden, um den Druck zu erhöhen. Ein halbes Jahr Freiheit oder Gefängnis könnte gegen einiges an Geld aufgerechnet werden. Für Lawrence Gostin, der Jura am Georgetown University Law Center lehrt und Leiter des Komitees für Forschung an Menschen in Gefängnissen des Institute of Medicine ist, ist das Gesetz unmoralisch, möglicherweise auch illegal. "Wenn ein Gefangener einen Vorteil durch eine Organspende hat, dann verletzt dies jeden mir bekannten ethischen Wert."

Anderson sieht das ganz einfach. Der Mangel an Organspenden ist groß, viele Menschen müssen sterben, weil zu wenig Organe und Gewebe von lebenden oder toten Spendern vorhanden ist. In den USA warten über 95.000 Menschen auf Organe, vor allem auf eine Niere oder eine Leber. 2006 wurden 30.000 Implantationen durchgeführt, während es nur 14.000 Spender gab. Es ei sehr chwierig, so Anderson, jemanden zu finden, der Knochenmark oder Organe spendet. Gefangene könnten hier als Lieferanten der Ersatzteile dienen: "Ich glaube, das wäre eine neue Bevölkerungsschicht, die dafür in Frage kommen." Er gab sich auch zuversichtlich, dass viele Strafgefangene froh wären, wenn sie einen Beitrag zur Rettung von Leben leisten können.

Die medizinischen Kosten und Überstunden des Personals müssten die Empfänger oder Wohltätigkeitsorganisationen zahlen. Gedacht ist es wohl so, um den Eindruck eines Geschäfts zu vermeiden, dass die freiwilligen Spender beim United Network for Organ Sharing (UNOS gemeldet werden. Anderson meint, der Tausch Freiheit gegen Organe würde "Kosten sparen, die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern und eine Menge Leben retten". Für die Gefängnisse – die USA hat weltweit die größte Gefängnispopulation, bereits eine Menge privater Gefängnisse und eine boomende Gefängnisbranche – würde es auch eine Möglichkeit darstellen, die Gefangenen zu disziplinieren und die Überfüllung abzubauen. Große Chancen dürfte das Gesetz allerdings nicht haben, vor dem Obersten Gericht zu bestehen. Allerdings finden überall Überlegungen statt, wie man die restriktiven Gesetze so verändern kann, dass mehr Transplantationsorgane zur Verfügung stehen (Zählt ein Leben mehr als zwei?). Dabei wird es dann auch um Geschäfte gehen, die legalisiert werden. Eine Alternative könnten Tauschbörsen sein: Wie du mir, so ich dir.

Kommentare lesen (104 Beiträge)
Anzeige