Verlorenes Ackerland - Boden unter Beton

Wachsender Widerstand unter Bauern

Im Sommer ist ein von Naturschützern angestrebtes Volksbegehren, das eine gesetzliche Begrenzung des Flächenverbrauchs einfordert, vom Bayerischen Verfassungsgerichtshof abgewiesen worden.

Begründung: Die pauschale Vorgabe einer Höchstgrenze von fünf Hektar pro Tag schränke die kommunale Planungshoheit zu stark ein. Ungeachtet dessen kämpfen Grüne und Naturschutzverbände weiter für eine Reduktion des Flächenfraßes.

Zwar wird die kürzlich erfundene bayerische "Entsiegelungsprämie", bei der jeder entsiegelte Quadratmeter finanziell gefördert werden soll, den Bebauungswahnsinn nicht aufhalten können. Dennoch nimmt in den ländlichen Regionen der Widerstand zu.

So gab es seit Jahresbeginn zahlreiche Proteste gegen die Ausweisung neuer Gewerbegebiete. Auch im Fichtelgebirge weigerten sich Bauern zu Beginn dieses Jahres, ihr Land für den Bau einer Papierfabrik herzugeben.

Nicht zuletzt müssen auch wir Konsumenten uns fragen, ob wir wirklich jedes Buch im Internet bestellen müssen. Denn gerade auch der blühende Online-Handel verlangt nach immer mehr Logistikhallen. Die im Netz bestellten Produkte müssen schließlich quer durchs Land gekarrt und irgendwo zwischengelagert werden.

Wenn schon unbedingt neu gebaut werden muss, warum nicht mehr in die Höhe, statt in die Breite? Warum nicht Tiefgaragen einfügen, anstatt immer größere und breitere Parkplätze anzulegen? Und warum werden vorhandene Gewerbehallen und Industriebrachen, die in vielen Kommunen leer herumstehen, nicht einfach besser ausgelastet?

Nach Ansicht von Rüdiger Glaser von der Uni Freiburg werden hierzulande so viele Gewerbeflächen ausgewiesen, dass man die nächsten 30 Jahre keine zusätzlichen Flächen für Gewerbe mehr ausweisen müsste. Allzu oft siedelt sich auf diesen "Gewerbegebieten" dann eben doch kein Gewerbe an.

Wir bezahlen unseren Landschaftsverbrauch gleich doppelt, weiß der Geograf. Zum einen verursacht der Bau von Straßen usw. monetäre Kosten, zum anderen verlieren wir dafür Landschaft. Landschaft aber ist Natur und die hat ihren Eigenwert. Und der ist genau genommen mit Geld gar nicht zu bezahlen. (Susanne Aigner)