Verschmutztes Wasser - trübe Aussichten

Binnenalster. Bild: Alexander Blecher / CC-BY-SA-4.0

Eine aktuelle Gewässerstudie des BUND verweist auf den schlechten Zustand der Flüsse und Seen in Deutschland. Einzelne Fließgewässer sollen nun renaturiert werden

Etwa 92 Prozent der rund 15.000 Flüsse und mehr als 12.000 Seen sind hierzulande in einem denkbar schlechten Zustand, kritisiert der BUND in seinem Gewässerreport vom Mai 2018. In mehr als 93 Prozent von insgesamt 9000 Flüssen finden sich nicht mehr die Gemeinschaften aus Fischen, Pflanzen und Kleintieren, die dort eigentlich leben müssten, heisst es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen vom März 2018.

Gemessen an den vorgegebenen EU-Kriterien werden gerade mal 6,6 Prozent der bewerteten Fließgewässer als ökologisch bedenkenlos eingestuft. Ausbau, Uferbebauung aber auch die Unterbrechung durch Wehre haben nahezu 80 Prozent der Fließgewässer in ihrer Struktur deutlich verändert. Es gibt kaum noch mäandernde Flüsse, kritisiert Laura von Vitorelli, Gewässer-Expertin beim BUND in einem Interview mit 3sat.

Zum Beispiel die Elbe: Um den Fluss für Schiffe durchgängig passierbar zu machen, wurde das Bett der mittleren und oberen Elbe derart mit Buhnen, Deck- und Leitwerken ausgebaut, dass eine natürliche Seitenerosion nicht mehr möglich ist. Nicht nur die Fließgeschwindigkeit erhöht sich mit zunehmender Begradigung, auch die Flussufer werden immer monotoner. Außerdem liegt das Flussbett nun um bis zu zwei Meter tiefer. Mit dem Wasserspiegel sinkt das Grundwasser in der Flussaue.

Die Ausbaggerung der Elbe hat zur Folge, dass das UNESCO-Welterbe Dessau-Wörlitzer Gartenreich weiter austrocknet. Zudem werden überall dort, wo Flüsse durch Schleusen unterbrochen sind, die Wanderwege von Fischen und anderen Wassertieren zerstört.

Auch in der Weser führten Flussvertiefungen nicht nur zu höheren Fließgeschwindigkeiten, sondern auch zu kürzeren Laufzeiten der Sturmfluten von der Nordsee bis nach Bremen sowie zur Verschlickung von Nebenarmen.

Nur zwischen Bremen und Bremerhaven blieben einige naturnahe Bereiche erhalten, die jedoch durch eine erneute Vertiefung der Weser gefährdet sind. Die salzigen Brackwasserzonen verschieben sich immer weiter flussaufwärts. Darunter leiden nicht nur natürliche Lebensräume von Tieren und Pflanzen, sondern auch Deichschutz, Landwirtschaft und Fischerei.

Dazu kommt, dass in den Städten die Häuser viel zu dicht an Seen und Flüsse gebaut werden, so dass an Gewässern lebenden Arten, wie zum Beispiel Teichrohrsänger und der Sumpfrohrsänger, immer weniger Lebensraum zur Verfügung steht.

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Vermüllung von Wäldern und Seen, beispielsweise in Brandenburg. Große und kleine Plastikteile, die hier entsorgt werden, gelangen über Fließgewässer ins Meer. Die zunehmende Vermüllung dringt allmählich ins öffentliche Bewusstsein, so dass sich immer mehr junge Menschen engagieren und in gemeinschaftlichen Sammelaktionen Wälder und Gewässer von Plastikmüll reinigen.

Ein echtes Problem für die Umwelt ist die zunehmende Versalzung durch den Abbau von Salz, wie sie durch die K+S KALI GmbH für Düngemittel an Werra und Weser geschieht. Beim Abbau von Kali fällt Salzlauge an, die in den Fluss geleitet oder in den Boden verpresst wird.

Der Abraum türmt sich zu künstlichen Bergen in der Landschaft auf. So umfasst die Abraumhalde "Monte Kali" bei Heringen 150 Millionen Tonnen Salz.

Der Regen spült das Salz ins Erdreich, und von da aus gelangt es in den Fluss. Der BUND kritisiert die Salzeinleitungen und klagte gemeinsam mit der Gemeinde Gerstungen gegen die Verpressung von Salzlauge.

Auf Grund der Verpressung von Kali in die Erde als auch über die Einleitung in den Fluss verschlechtert sich die Wasserqualität zusehends. Etliche Fischarten reagierten auf die hohen Salzkonzentrationen mit Krankheiten. Viele im Fluss lebende Tier- und Pflanzenarten verschwinden, während sich die salztoleranten Arten durchsetzen. Nur zwei Prozent der Werra befinden sich in einem guten ökologischen Zustand.

Alle Chemikalien und Giftstoffe, die über Dünger, Gülle oder Jauche auf die Äcker gelangen, einschließlich Ammoniakgasen und tierpathogener Krankheitserreger, werden in die Böden ausgewaschen und früher oder später in die Flüsse und schließlich ins Meer geschwemmt.

Die Nährstoffeinträge aus der Intensivlandwirtschaft sind somit für die sauerstofffreien "Todeszonen" in der Nord- und Ostsee verantwortlich. Hinzu kommen die giftigen Reste aus Tagebauten. So steigt die Sulfatbelastung des Grundwassers in Regionen mit Kohletagebauten.

Ein weiteres Problem ist aufsteigendes Grubenwasser, das mit Chloriden, Nitrat, Sulfat und Eisen kontaminiert in Fließgewässer gelangt. Ein bekanntes Beispiel für erhöhten Eisenoxidgehalt ist die Spree nahe des Vattenfall-Tagebaus Welzow-Süd in Brandenburg.

Hochgiftiger Sondermüll, der in den 1990er Jahren durch den Kohlekonzern RAG tief unter der Erde eingelagert wurde, erweist sich nun als eine in den Schächten tickende Zeitbombe.

Das ausgehärtete Gemisch zerfalle allmählich unter Einwirkung des stark salzhaltigen Grubenwassers, so dass die Gifte langsam freigesetzt werden, erklärt BUND-Mitarbeiter Dirk Jansen in einem Interwiev mit dem Spiegel.

Konkret handelt es sich um Schwermetalle wie Quecksilber und Arsen sowie Furane und Dioxine - Stoffe, die normalerweise auf eine Sondermülldeponie hätten entsorgt werden müssen und nun über das Grubenwasser in die Fließgewässer Nordrhein-Westfalens gespült werden. In vielen Flüsse wurde damals krebserregendes PCB nachgewiesen, wie Messergebnisse des Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Verbraucherschutz in NRW zeigen.

Der BUND hatte deswegen ein Ermittlungsverfahren gegen die RAG eingeleitet, welches jedoch Ende 2016 vorschnell eingestellt worden war.

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