Verschwendungsökonomie

Bild: F.R.

Unsere Wirtschaft beruht schon lange auf Verschwendung und Luxus

Sowohl vom links-grünen wie vom konservativen Lager wird heute die exzessive Lebensmittelverschwendung (Wohin mit den Essensresten?) kritisiert - ein Drittel der gekauften Nahrungsmittel landet im Müll. Kritik gibt es natürlich auch bei dauerhaften Konsumgütern, die durch eingebauten technischen oder mit Marketing erzeugten psychologischen Verschleiß (Pseudoinnovationen, Moden, vgl. Geplante Obsolexzenz) viel zu kurzlebig geraten.

Tatsächlich wird durch Verschwendung und kurze Nutzungsdauer ein ordentliches Umwelt- und Ressourcenproblem geschaffen. Halbherzige Appelle zu mehr Nachhaltigkeit - unser Planet ist nun einmal begrenzt - sollen der Umwelt und gegen den drohenden Klimawandel helfen, sie werden aber nichts nützen.

Tatsächlich, Nachhaltigkeit bei der Produktion und beim Konsum, also Schonung der Ressourcen, eine Minimierung des Stoff- und Energieverbrauchs, das wäre ökologisch absolut notwendig. Allerdings gibt unser guter alter Kapitalismus so etwas nicht her. Verbesserungen, was Umweltbelastungen anlangt, gibt es zwar, keine Frage. Aber das sind nur Tropfen auf den heißen Stein, andauernd kommt Neues auf den Markt, viele möchten sich auch ein bisschen Luxus leisten.

Man kann unser Wirtschaftssystem nicht ökologisieren, denn der Kapitalismus ist in Wahrheit eine Verschwendungsökonomie. Zwar reden die Mainstream-Ökonomen noch immer von knappen Gütern, was allerdings eine alte Fiktion ist und ähnlich dogmatisch eingepeitscht wird wie das Universalprinzip Wirtschaftswachstum, dem alle - Ökonomen, Unternehmer, Gewerkschafter, Politiker und Medien - hinterherlaufen.

Wir leben längst nicht mehr in einer Welt, die von Knappheit und Mangel regiert wird, sondern sie wird vom Prinzip Verschwendung und Luxus angetrieben, das ist die treibende Kraft hinter den auf den Märkten bewegten und Billionen schweren Waren. Nicht für alle Menschen - die großen Mehrheiten in Afrika, Südamerika und Asien bleiben unter ihren korrupten kleptokratischen Eliten arm. Ebenso gibt es in Europa und Nordamerika im Halbdunkel viel zu viel Armut und diese Mittellosen können tatsächlich nur eingeschränkt verschwenderisch sein und am Luxus partizipieren.

Jedoch: Nahezu alle Menschen möchten ein möglichst gutes Leben führen, so wie es noch im entferntesten Winkel der Welt die Medien mit ihrer Berichterstattung, ihren Filmen, Fernsehserien und vor allem der Werbung vorführen. Nahezu alle, von ein paar abgeklärt Weisen, etlichen Einfältigen und Manchen, die resigniert haben, einmal abgesehen. Möglichst gut leben, ist auch keine Erfindung der Konsumgesellschaft, um das ging es immer schon, es ist der Motor von Fortschritt, Technik und Krieg.

Der bescheidene, asketische und friedliebende Mensch ist eine verklärte Verzerrung unserer Entwicklungsgeschichte. Menschen waren oft und gerne gewalttätig und vor allem an einem besseren Leben interessiert.

Die protestantische Ethik des Max Weber gab da ein idealisiertes Bild der Großbourgeoise, das man als Lebensmodell gerne den Kleinbürgern und später, auch von Seiten ihrer eigenen Parteien, den Proletariern aufgedrängt hat: bescheiden sein, nicht rauchen, nicht trinken, kein Luxus, bei den Ausgaben knausrig sein, Sport betreiben, brav wählen und bürgerliche Bildung nachbuchstabieren. Werner Sombart, der nahezu vergessene Historiker des Kapitalismus, hat hier ein ganz anderes und plausibleres Bild nachgezeichnet.

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