Verschwendungsökonomie

Verschwendung heute

Stars und Celebrities frönen nach wie vor einem oft abenteuerlichen Luxuskonsum, das ist Unterhaltungsstoff für Medien, viele schlichte Leute und beunruhigt niemanden, daran hat man sich gewöhnt.

Vor allem jedoch ist heute von der abenteuerlichen Verschwendung der privaten Haushalte bzw. der Verbraucher bei eingekauften Lebensmitteln die Rede. Annähernd ein Drittel dieser Lebensmittel wird, obschon noch konsumierfähig, einfach weggeworfen. Natürlich erscheint das mikro- wie makroökonomisch und jedenfalls ökologisch alles andere als sinnvoll. Aber es entspricht den psychischen Befindlichkeiten vieler Verbraucher: Es ist einfach ein schönes, erhebendes Gefühl von Freizügigkeit und "Selbstbestimmung", nicht mehr die gestern zu viel gekauften Lebensmittel - und man muss ja immer reichlich zuhause haben, falls der große Hunger kommt - am nächsten Tag erneut essen zu müssen. Oder gezwungen zu sein, das überschüssige Obst aufzubrauchen, obwohl man keinen Appetit drauf hat und einen - Abwechslung ist ja ganz wichtig - momentan ein komplett anderer Gusto überfällt. Wegwerfen wird hier zum Ausdruck von persönlicher Autonomie, von Freiheit.

Diese scheinbare Eigenständigkeit im eigenen Verhalten ist zwar ein billiger Abklatsch gegenüber allen Ideen von Freiheit, aber es ist ein zeitgenössisches Kondensat der Wahlfreiheit, die kulturell und medial ununterbrochen als ganz zentral für freie Konsumentscheidungen dargestellt wird. Es verschafft einfach Lust, nicht von den eigenen überdimensionierten Einkäufen, den Vorräten, dem Geschmack, oder der Laune von gestern abhängig zu sein.

Nicht viel anders ist es bei der Bekleidung. Überfluss und Verschwendung wurden in den letzten Jahren ebenfalls für wirtschaftlich schwache Schichten, dank Textildiscounter und asiatischer Billigproduktion, möglich. "Frauen besitzen im Durchschnitt mit 118 Kleidungsstücke [ohne Unterwäsche und Socken] deutlich mehr als Männer (73 Teile)" (Greenpeace). Ein Fünftel der eingekauften Kleider wird nie getragen, und repariert werden sie, wie es ebenso bei Schuhen ist, praktisch nicht mehr, sondern weggeworfen.

Wachstum und Verschwendung gibt es natürlich ebenso in nahezu allen anderen Bereichen, etwa im kommerziellen Sport. Die europäischen Fußball-Ligen kommen 2015/16 auf einen Umsatz von 13,4 Milliarden Euro, während es 1995/96 erst 2,5 Milliarden waren. Für einen Fußballer werden mittlerweile bis zu 105 Millionen Euro an Ablöse (Klubwechsel) bezahlt. Sport ist vollständig von Geschäftsinteressen durchsetzt, nicht nur das kommerzielle Feld, auch der Laiensport, Korruption blüht mehr denn je. Und die Öffentliche Hand - also die jeweiligen Landesbürger als Steuerzahler - finanziert hier kräftigst mit. Die Olympischen Spiele in London 2012 kosteten etwa 13,5 Milliarden Euro.

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