Verschwendungsökonomie

Etwas Multikulti-Luxus

Bei links-grünen Nachwuchskünstlern ist es schick geworden, neben der Wohnung in Berlin oder Wien eine zweite Wohnung in London oder noch besser in New York zu haben. Da muss man zwar viel fliegen, aber das kostet ja fast nichts mehr und ist vor allem schön gelebtes Multikulti, bringt überdies allseits einen Prestigebonus, mehr als die alljährliche Fernreise.

Dabei ist es affiger Luxus, tollkühne Verschwendung von Ressourcen und statt diese Selbstgefälligkeit und das verlorene Augenmaß mit nassen Fetzen zu bestrafen, applaudiert das Publikum mit anerkennendem, dann neidvollem Blick.

Luxus hat viele schichtspezifische Formen und verändert seine Wertigkeit im Lauf der Zeit. Der einstige All Inclusive-Spanienurlaub der oberen Mittelschicht etwa ist mittlerweile eine Proll-Angelegenheit geworden, die den teuren Markennamen herausbrüllende Sportbekleidung ein Must-have der sozial Deklassierten für den kleinen Sohn.

Bobos trinken heute Craft Beer oder Orange und Natural Wines, nur nichts Gewöhnliches aus Neuseeland, und natürlich dürfen linke oder grüne Prominente gelegentlich Foie gras (Gänsestopfleber) essen, man muss ja schließlich wissen, gegen was man tierschutzmäßig kämpft.

Das große Wirtschaftstrauma: weniger Verschwendung

Politik, Wirtschaft und Medien wissen natürlich, dass sich die Verbraucher von der gelegentlichen medialen Berichterstattung über die Verschwendungskultur kaum beeinflussen lassen. Denn wäre das tatsächlich der Fall, würden diese Verbraucher wirklich vernünftiger und ökologischer, dann träte ein Desaster ungeahnten Ausmaßes ein.

Keine Verschwendung mehr bei Nahrungsmitteln = Umsatzeinbrüche um ein Drittel bei den Herstellern und Händlern; längere Nutzung von Haushaltsgeräten, Einrichtungsgegenständen oder Autos = Umsatzeinbrüche in den jeweiligen Industrien und Handelssparten. In der Folge plumpste das heilige Bruttoinlandsprodukt nach unten, eine schwere Rezession fiele über das Land, Arbeitskräfte würden entlassen, Gewerkschafter stiegen auf Barrikaden, die Regierungen rauften sich die Haare und beschlössen schnurstracks neue Konsumankurbelungsprogramme, etwa Prämien für die Anschaffung neuer Geräte (hatten wir schon, etwa bei Autos), im Interesse der Volksgesundheit würden Haltbarkeitsfristen bei Lebensmittel drastisch gekürzt und anderes mehr.

Auch die asiatischen Industrien sähen ziemlich rasch ihr Wirtschaftswachstum und ihre Arbeitsplätze in Gefahr. Plötzlich wäre dann der Weltfrieden, soweit es diesen überhaupt noch gibt, bedroht, notfalls müsste man - so könnten die politischen Eliten denken - neue Kriege anzetteln, um einen Ersatzmotor für die lahmende Wirtschaft zu finden.

Aber - keine Sorge. Die Mehrheit der Verbraucher denkt gar nicht daran, am gelegentlichen Luxus und der allgemeinen Verschwendung zu sparen. Werbung funktioniert nach wie vor prächtig und die Politik rührt auch keinen Finger, um die Lebensdauer von Gütern zu verlängern oder gar eine authentische ökologische Spargesinnung, also Suffizienz (= Einsparen) zu propagieren und zu fördern. Naja, ein bisschen unverbindlicher Appell zu mehr Umweltfreundlichkeit darf schon sein, denn das macht sich immer gut.

(Karl Kollmann)