Verschwunden

Geheime Gefängnisse der CIA: Von über 30 "Geistergefangenen" fehlt jede Spur

Letzte Woche wurde noch spekuliert wurde, ob die „Top-Terroristen“ Khalid Sheikh Mohammed und Abu Zubaydah von der CIA auf der Insel Diego Garcia, die zu Großbritannien gehört, festgehalten wurden. Heute berichtet die Washington Post von dreißig weniger prominenten Terroristen, so genannte „Geister-Gefangene“ der CIA, von denen jede Spur fehlt.

Zwar habe der amerikanische Präsident Bush am 6. September dieses Jahres verkündet, dass sich kein Gefangener mehr in geheimen Gefängnisse der CIA im Ausland befände und 14 Personen aus der Al-Qaida-Führung nach Guantanamo verbracht worden sind, doch seither, so die amerikanische Zeitung, fehle jede offizielle Spur, gebe es keinen Bericht darüber, was mit 30 anderen „Ghost Prisoners“ passiert sei. Zuvor sollen sie nach Informationen der Zeitung längere Zeit von der CIA inhaftiert gewesen sein.

Einige sollen heimlich in ihre Heimatländer zurück gebracht worden sein, wo sie nach Auskunft von Regierungsvertretern verschiedener Länder, Menschenrechtsorganisationen und Anwälten, in den meisten Fällen in Haft bleiben. Der Verbleib anderer ehemaliger CIA-Gefangener ist völlig unbekannt.

Die meisten der Gefangenen wurden nach dem amerikanischen Einmarsch in Afghanistan in Pakistan aufgegriffen und festgenommen. Dort wurden beinahe alle arabischen Al-Qaida-Mitglieder an die CIA übergeben, sagen pakistanische Sicherheitsbeamte aus.

Unter den Verschwundenen ist z.B. Mustafa Setmariam Nasar, syrischer und spanischer Staatsbürger, der als einflußreicher al-Qaida-Ideologe galt. Als „Goldmine für wichtige Informationen“ wird er von Fachleuten aus dem norwegischen Verteidigungsministerium eingestuft. Spanien soll bereits mehrere Anfragen, Nasar betreffend, an die pakistanische Regierung gestellt haben. Ohne Erfolg.

Ebenso im Dunkeln bleiben soll das Schicksal von mehreren pakistanischen Al-Qaida-Mitgliedern. Auch in ihren Fällen weigert sich die pakistanische Regierung, Informationen preiszugeben. Sogar gerichtliche Klagen von Angehörigen wurden ignoriert. Auch der Verbleib libyscher Kämpfer, die von der CIA an Tripolis ausgeliefert wurden, ist unklar. Nach Angaben von politischen Exilanten sollen sie sich in Isolationshaft befinden, ohne jede Aussicht auf eine öffentliche Verhandlung.

Nach Angaben des Internationalen Kommitees des Roten Kreuzes fehlen die Supren von einem Dutzend Personen, die in CIA-Gefängnissen gewesen sein sollten, entsprechende Suchanfragen würden aber von der amerikanischen Regierung abgelehnt.

Auch von halbprominenten Qaida-Mitgliedern wie Hassan Ghul und Ibn al-Sheikh al-Libi ist unbekannt, wo sie derzeit festgehalten werden. Ghul galt als Top-Emissär, der Botschaften zwischen der pakistanischen Kommadozelle der Qaida und irakischen Verbündeten austauschte. Al-Libi war durch seine – später von ihm widerrufene – Behauptung bekannt geworden, wonach der Irak Al-Qaida-Mitglieder im Kampf mit Giftgas ausbilde, eine Aussage, welche die US-Regierung in der Phase der Vorbereitungen auf den Einmarsch in den Irak öffentlich nutze. Libi war, wie die CIA selbst zugibt, ihr Gefangener. Was aus ihm geworden ist, darüber gibt man keine Auskunft.

Details der Geheimgefängnisse bleiben weiter unter Verschluss. Es gebe, laut Washington Post, nur vage Andeutungen von US-Offiziellen. In einer Rede hatte CIA-Chef Michael V. Hayden im September gesagt, dass „weniger als hundert Personen“ von der CIA in ausländischen Gefängnissen festgehalten worden waren. Begonnen mit diesem Programm habe man Anfang 2002.

CIA-Mitarbeiter bewahren ihr Schweigen gegenüber Nachfragen. Die Regel sei, dass man keine öffentlichen Kommentare zu Listen von Leuten abgebe, die angeblich in unserem Gewahrsam waren, so wird CIA-Sprecher Paul Gimigliano zitiert. Die fraglichen Listen würden ohnehin meist voller Fehler stecken.

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