Verursachen implantierte RFID-Chips Krebs?

Seit 2004 sind RFID-Chips von der Firma VeriChip in den USA für Menschen zugelassen, möglicherweise hat dabei ein Gesundheitsminister eine Rolle gespielt, der nach Zulassung zurückgetreten und zu VeriChip gewechselt ist

Seit einigen Jahren werden RFID-Microchips in Tieren wie Hunden oder Kühen implantiert. Freiwillig haben sich auch einige Menschen die winzigen Chips unter die Haut injizieren lassen. Manche finden das chic. In den USA hat VeriChip bereits 2004 die Zulassung von der U.S. Food and Drug Administration erlangt, dass die RFID-Chips auch in Menschen implantiert werden dürfen. Weltweit tragen seitdem etwa 2000 Menschen diese Microchips unter ihrer Haut herum. Vor allem wenden Krankenhäuser in den USA die RFID-Chips zur Identifizierung der Patienten an, beispielsweise bei verwirrten Alzheimer-Patienten, aber sie dienen beispielsweise auch zur Authentifizierung von Angestellten, wie dies beispielsweise bei Mitarbeitern eines Informationszentrums der mexikanischen Staatsanwaltschaft geschehen ist.

Wie die Nachrichtenagentur AP berichtet, weisen bereits Mitte der 90er Jahre Untersuchungen darauf hin, dass implantierte RFID-Chip bei Mäusen und Ratten Krebs auslösen können. Führende3 Krebsspezialisten hätten, so AP, die Untersuchungen überprüft und daraufhin Bedenken geäußert, auch wenn die Ergebnisse von Tests auf Tieren nicht notwendig auf Menschen übertragbar sind. Auf die Spur gebracht hatte AP Katherine Albrecht, die seit langem vor allem auf die Gefahren für den Datenschutz und die Privatsphäre aufmerksam macht, die von RFID-Chips ausgehen. Sie sieht die möglichen gesundheitlichen Gefährdungen natürlich als Unterstützung für ihren Kampf gegen die "Spychips": "Warum sollte jemand das Risiko eingehen, einen Krebschip in seinem Arm zu haben?"

VeriChip versichert, dass die Implantate sicher und von der FDA zugelassen seien. Man habe keine Kenntnis von Untersuchungen gehabt, die auf die Entwicklung von Krebs bei Mäusen und Ratten hinweisen. Man habe nach Bekanntwerden der Meldung jedoch zwei Untersuchungen entdeckt, nach denen es keinen Zusammenhang zwischen den Chips und Krebs bei den Tieren geben soll. Überdies seien während der letzten 15 Jahre in viele Millionen Hunden und Katzen Chips implantiert worden, wobei es keine oder nur wenige Berichte über negative Folgen dieses "lebensrettenden Produkts" gegeben habe. Zudem sei bekannt, dass sich bei Versuchen an Labormäusen und –ratten Tumore durch Injektionen jeder Art bilden können. Die Firma fordert alle Sachverständigen auf, die im AP-Artikel genannten Forschungsberichte zu überprüfen und zu bewerten. Vor kurzen erst hatte die Ärztevereinigung American Medical Association erklärt, dass sie keine Bedenken habe, RFID-Chips in Menschen zu implantieren.

1997 stellte sich in einer deutschen Studie heraus, dass bei einem Prozent der Mäuse mit einem Implantat Krebs entstand, die Wissenschaftler führten dies auf die Chips zurück. In einer Studie von 1998 entwickelten sich bei 10 Prozent der Mäuse, denen RFID-Chips implantiert wurden, Tumore. In einer französischen Studie wurde 2006 nebenbei festgestellt, dass von 1260 Mäusen, die gechippt wurden, 4,1 Prozent Tumore entwickelten. Die Tumore entwickelten sich um die Chips und waren manchmal so groß, dass sie diese ganz umgaben.

Experten warnen nun davor, RFID-Chips massenhaft in Menschen zu implantieren, bevor nicht sorgfältig mögliche gesundheitliche Folgen untersucht worden sind und ausgeschlossen werden können. Testergebnisse von Ratten und Mäusen können nicht notwendig auf Hunde oder Rinder und auch nicht auf Menschen übertragen werden. Allerdings, so einige Wissenschaftler, ist die Zeit noch zu kurz, seitdem mit der Einpflanzung von RFID-Chips begonnen wurde, um eine Gesundheitsgefährdung oder eben die Entstehung von Krebs ausschließen zu können.

Interessant ist auch, wie VeriChip die Zulassung für die Implantation in Menschen von der zuständigen Behörde FDA erlangt hat. Auf die wissenschaftlichen Untersuchungen hat VeriChip die Behörde nicht aufmerksam gemacht, obgleich sie das hätte tun müssen. Die Firma erklärt, sie habe von deren Existenz nicht gewusst. Die FDA hatte auch nur darauf hingewiesen, dass die Chips unter der Haut im Körper herumwandern können, wodurch es manchmal schwierig werden könne, sie wieder zu entfernen. Hingewiesen wurde auch, dass es beim Einsatz von Defibrillatoren Probleme geben könne und die Chips mit Magnetresonanztomographie inkompatibel seien. Zudem könne es zu Gewebereaktionen kommen.

Die Zulassung wurde zudem erwirkt, als Tommy Thompson Gesundheitsminister war, dem die FDA untersteht. Zwei Wochen nach der Zulassung durch die FDA ist Thompson Anfang Januar 2005 nach der Wiederwahl von Bush aus dem Kabinett zurückgetreten. Im Sommer wurde Thompson dann Vorstandsmitglied bei Applied Digital, dem Mutterkonzern von VeriChip. Im März 2007 verließ er das Unternehmen, weil er sich als Präsidentschaftsbewerber der Republikaner versuchen wollte, was freilich aussichtslos war, so dass er vor kurzem aus dem Rennen wieder ausgeschieden ist. Thompson hatte massiv für die RFID-Chips geworben und angekündigt, auch sich selbst einen solchen implantieren zu lassen, weil das ungeheure Vorteile für die medizinische Versorgung habe (Video), was er dann aber lieber doch nicht getan hat.

Thompson sagt, er habe VeriChip noch gar nicht gekannt, als die Zulassung erteilt wurde, und auch gar nichts damit zu tun gehabt. Von der Firma hat er jedenfalls als Vorstandsmitglied 166.667 Aktien und zusätzlich 100.000 Aktienoptionen bekommen und 2005 sowie 2006 jeweils 40.000 US-Dollar erhalten. Zudem ist Thompson Mitglied bei der Anwaltsfirma Akin Gump Strauss Hauer & Feld LLP, die 2005 und 2006 von VeriChip 1.2 Millionen Dollar an Honorar für Anwaltsdienste eingenommen hat.

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