Viel zu warm

Die US-Wetter- und Klimabehörde wählte dieses Bild zur Veranschaulichung der Erwärmung. Bild: NOAA

Die Energie- und Klimawochenschau: Von globalen Temperaturrekorden, einer kälteempfindlichen Atomstromversorgung in Frankreich, Kohleausstiegsplänen in Deutschland, Quecksilber in Energiesparlampen und chinesischen Kraftwerksruinen

Nun bestätigen es auch die US-Wissenschaftsbehörden NASA und NOAA sowie die Weltmeteorologieorganisation WMO, dass 2016 das bisher wärmste Jahr in der Geschichte der Temperaturaufzeichnungen war.

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Wie kürzlich berichtet sind europäische Wissenschaftler mit anderen Datensätzen zum gleichen Schluss gekommen. Die WMO geht davon aus, dass 2016 bereits um 1,1 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau lag.

In den Daten des Goddard Institut for Space Studies der NASA ist 2016 das dritte Jahr in Folge, das einen neuen Temperaturrekord aufstellt. Das ist in der bis 1880 zurückreichenden Zeitreihe eine bisher einmalige Häufung von Rekorden. Dabei waren auch die Marken, um die die vorherigen Rekorde übertroffen worden sowohl 2015 als auch 2016 in der Summe besonders hoch.

Die globale Mitteltemperatur lag 2016 immerhin um eine Viertel Grad Celsius über der von 2014, die ihrerseits bis dahin ein Rekord gewesen war.

Bild: NOAA

Doch fürs erste wird aller Voraussicht nach Schluss mit den Rekorden sein. Im Rahmen der natürlichen Varianz schwankt die über den ganzen Planeten und das ganze Jahr gemittelte Temperatur (gemessen in zwei Metern über dem Boden) für gewöhnlich in einer Größenordnung von einem bis zwei Zehntel Grad. Und da das quasi-periodisch auftretende El-Niño-Phänomen, das die letzten beiden Jahre besonders warm gemacht hat, vorüber ist, wird es nun vermutlich wieder etwas kühler.

Allerdings heißt das nicht, dass die globale Erwärmung damit anhält. Sie muss vielmehr als längerfristiger Trend gesehen werden, der von den natürlichen Schwankungen überlagert wird. In der obigen Darstellung der globalen Temperatur als Anomalie, das heißt als Abweichung vom Mittelwert der Jahre 1951 bis 1980, ist das recht anschaulich nachzuvollziehen.

Vermutlich wird der Temperaturverlauf in den nächsten Jahren ganz ähnlich wie der nach dem Peak 1998 verlaufen, der ebenfalls durch ein außergewöhnlich starkes El-Niño-Ereignis ausgelöst wurde.

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Der Winter in Mittel- und Westeuropa treibt derweil die Strompreise nach oben, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg. Das Problem ist vor allem die französische Mischung aus übergroßer Abhängigkeit von Atomkraftwerken und den verbreiteten Elektroheizungen.

Letztere sorgen dafür, dass der Bedarf um so größer wird, desto weiter das Außenthermometer fällt. Und das wird es in den nächsten Tagen tun, wie die Wettervorhersagen zeigen. Selbst in weiten Teilen Spaniens und in Nordwestafrika wird es zum Teil starken Nachtfrost geben, während Skandinavien und Teile Osteuropas auf vergleichsweise mildes Wetter hoffen können.

Dem hohen Strombedarf stehen in Frankreich zum einen schlecht gefüllte Stauseen nach einem sehr trockenen Dezember und zum anderen derzeit sechs Ausfälle bei den Atommeilern gegenüber (siehe auch Atom: Frankreich hängt am europäischen Strom-Tropf). Selbst in Deutschland, so die Agentur, seien Anfang letzter Woche die kurzfristigen Strompreise auf 90,5 Euro pro Megawattstunde (9,05 Cent pro Kilowattstunde) hochgeschnellt.

Seit 2008 seien an der Leipziger Börse nicht mehr so hohe Preise erzielt worden. Allerdings mussten Unternehmen, die sich zu Zeiten des Spitzenbedarfs an der Börse eindecken wollten, in früheren Jahren gelegentlich ein Euro und mehr pro Kilowattstunde ausgeben.

Verglichen damit waren selbst diese Spitzen noch äußerst moderat. Im Tagesdurchschnitt blieben die Preise in allen Kategorien unter sechs Cent pro Kilowattstunde. Davon abgesehen zeigen die vom Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme veröffentlichten Preisdaten (Interaktive Grafik), dass es seit dem Sommer letzten Jahres einen aufwärts gerichteten Trend gibt.

Strom ist im Großhandel noch immer extrem günstig aber nicht mehr ganz so billig wie im Frühjahr 2016, in dem die Preise ihren historischen Tiefstand erreichten.

Ein solcher Trend - sollte er weiter anhalten - wäre unter anderem eine gute Nachricht für die Kleinverbraucher. Die von diesen gezahlte EEG-Umlage gleicht nämlich den Verlust der Übertragungsnetzbetreiber aus, die den Strom aus geförderten Solar-, Biogas- und Windkraftanlagen zu festen, gesetzlich fixierten Vergütungen abnehmen und ihn an der Börse zu Niedrigpreisen verkaufen.

Je niedriger der Börsenstrompreis, desto höher die Umlage, die somit nicht nur der Förderung der erneuerbaren Energieträger dient, sondern auch eine versteckte Subventionierung der im großen Stil an der Börse Strom einkaufenden Unternehmen darstellt.

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