Viren als Verursacher von Bluthochdruck

US-Wissenschaftler konnten nachweisen, dass Cytomegalieviren, von denen die meisten Menschen latent infiziert sind, Bluthochdruck verstärken und Arteriosklerose fördern

Viren können auch dazu beitragen, dass der Blutdruck zu hoch ist und die Arterien verkalken, was wiederum das Risiko für Herzerkrankungen erhöht. Das scheint nicht nur bei Herpesviren HHV-8 und HIV-1der Fall zu sein, sondern auch bei Cytomegalieviren (CMV), ebenfalls einer Herpes-Virenart, von denen zwischen 60 und 99 Prozent aller Menschen weltweit infiziert sind, auch wenn bei den wenigsten Symptome auftreten. CMV verursacht die Zytomegalie und bleibt wie andere Herpesviren im einmal infizierten Körper latent vorhanden, wenn die Immunabwehr geschwächt ist, kann die Infektion erneut ausbrechen.

Bekannt war bereits, dass CMV zu Problemen bei Patienten führen kann, denen ein Herz implantiert wurde, und dass die Viren Arteriosklerose fördern. Ein Team von US-Wissenschaftlern aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen hat nun in einer Studie, veröffentlicht in der Open Access Zeitschrift PLoS Pathogens, gezeigt, dass eine CMV-Infektion den Blutdruck deutlich erhöhen kann.

Für ihre Studie haben die Forscher mit vier Mäusegruppen experimentiert. Zwei Gruppen wurden vier Wochen lang normal gefüttert, die anderen beiden erhielten eine Cholesterin-reiche Nahrung. Dann wurden die Mäuse aus jeweils einer der Gruppen mit CMV infiziert. Sechs Wochen später wurde mittels eines kleinen Katheters der Blutdruck aller Mäuse gemessen. In beiden Fällen hatten die Mäuse, die mit dem Virus infiziert worden waren, zusammen mit einer Gewichtszunahme auch einen höheren Blutdruck als die nicht-infizierten, Besonders deutlich war die Erhöhung allerdings bei den Mäusen mit der Cholesterin-reichen Ernährung. Von ihnen hatten 30 Prozent nicht nur einen höheren Blutdruck, sondern wiesen auch Zeichen einer sich entwickelnden Arteriosklerose auf. Da dies bei den infizierten Mäusen mit normaler Ernährung nicht festzustellen war, scheint die CMV-Infektion Arteriosklerose bei zu hohem Cholesterin zu fördern.

In Experimenten mit Kulturen menschlicher Zellen zeigte sich, dass durch eine CMV-Infektion vermehrt die entzündungserregenden Zytokine IL-6, TNF-a und MCP-1 gebildet werden, was zu Entzündungen in vaskulären Zellen und anderen Geweben führen kann. Bei einer CMV-Infektion von Zellen der Mäusenieren stieg die Produktion des Enzyms Renin an, das wiederum zu hohen Blutdruck führen kann. In einem dritten Experiment mit einer Zellkultur wurde deutlich, dass auch mehr Angiotensin II durch eine CMV-Infektion gebildet wird. Wenn der Virus durch ultraviolettes Licht inaktiviert wurde, stieg die Renin-Produktion nicht an, was darauf hindeutet, dass die virale Replikation die Ursache sein könnte,

Die Verbindung von Bluthochdruck und Arteriosklerose mit einer CMV-Infektion könnte, so Clyde Crumpacker von der Harvard Medical School und Mitautor, zu neuen Möglichkeiten der Behandlung von Bluthochdruck führen, bei der auch antivirale Medikamente eingesetzt werden. Da die meisten oder fast alle Menschen CMV-Wirte sind, ohne dies in aller Regel zu bemerken, und Bluthochdruck ebenfalls weit verbreitet ist, könnte die Entdeckung tatsächlich große Folgen haben, zumal wenn falsche Ernährung mit der Infektion den Bluthochdruck verstärkt. (Florian Rötzer)