"Virtuelle Schlacht über das Image von Israel"

Mit einem Programm, das auf Artikel und Umfragen hinweist, wollen israelische Aktivisten, unterstützt vom Außenministerium, die öffentliche Meinung zugunsten von Israel beeinflussen

Kriege werden nicht nur mit Waffen auf dem Schlachtfeld geschlagen, sondern auch in den Medien und über Propaganda. Neben die herkömmlichen Massenmedien ist mittlerweile das Web getreten, in dem die Internetnutzer der ganzen Welt gewissermaßen von unten ihre Meinung bilden und ausprägen, aber natürlich auch um Deutungshoheit und Wahrheit kämpfen. Das israelische Außenministerium versucht den in der öffentlichen Weltmeinung umstrittenen Krieg, den das Militär gegen die Hisbollah im Libanon führt, durch eine Web-Kampagne zu unterstützen, die dank vieler Mithelfer als Radar für unerwünschte Meinungstrends fungieren und durch aktive Partizipation an Diskussionen im Web die Meinung zugunsten der Politik der israelischen Regierung beeinflussen soll.

Das israelische Außenministerium hat Angestellte beauftragt, Webseiten und Internetforen zu beobachten, um Gruppen mit jüdischen Aktivisten in den USA und Europa Hinweise zu geben, wo sie Mitteilungen zur Unterstützung der israelischen Politik machen können. In einem Brief an pro-israelische Organisationen von Amir Gissin, dem Leiter der Öffentlichkeitsabteilung im Außenministerium, wurden diese auf „die Bedeutung des Internet als neues Kampfgebiet für das Image Israels“ hingewiesen. Es sei jetzt notwendig, die Online-Aktivitäten besser zu machen und sie zu koordinieren. Empfohlen wird, das von einer israelischen Firma entwickelte „kostenlose, sichere und nützliche“ Programm „Internet Megaphone“ von der Website giyus.org herunterzuladen und zu installieren: „We need 100,000 Megaphone users to make a difference. So, please distribute this mail to all Israel's supporters.“

GIYUS (Give Israel Your United Support) wurde von der World Union of Jewish Students (WUJS) entwickelt und seit dem 19. Juli verbreitet, um der anti-israelischen Stimmung, die sich seit dem Krieg im Libanon verbreitet, entgegenzuwirken. Mittlerweile haben sich dem Projekt auch viele andere Organisationen angeschlossen. „Während Israel um seine Zukunft kämpft“, so heißt auf der Webseite, „ist eine virtuelle Schlacht über das Image von Israel im Internet ausgebrochen.“ Der „Kampf um die öffentliche Meinung im Internet“ sei der „härteste Kampf“. Das Programm weist auf von einem Team von Studenten in Jerusalem ausgewählte Nachrichten in verschiedenen Sprachen im Web hin, auf die reagiert werden soll, aber auch auf Umfragen auf Webseiten, um dort die Meinung zugunsten von Israel zu beeinflussen. So heißt es beispielsweise: „Vote for Israel - PBS poll. Vote against demanding an immediate ceasefire as long as no long term resolution is established.” Überdies sollen wichtige Artikel und Umfragen gemeldet werden.

Ob solche Kampagnen allerdings erfolgreich sind oder einen gegenteiligen Effekt haben, wird man abwarten müssen. Auf einen Erfolg wird im Giyus-Blog am 25. Juli hingewiesen. Man sei auf eine Umfrage auf der arabischen Website Al Bawaba gestoßen. Hier wurde gefragt: „Do you think that the current violence in Lebanon is an Israeli provocation?” Man habe es geschafft, wird stolz berichtet, dass die Mehrheit mit Nein abstimmte. Mittlerweile freilich hat sich das Ergebnis wieder verändert: Über 82 Prozent stimmten für Ja. Auch bei einer anderen Erfolgsmeldung vom 26. Juli im Hinblick auf eine Umfrage von Yahoo UK & Ireland konnten die Aktivisten das Ergebnis kurzfristig zu Israels Gunsten verändern. Auf die Frage: „Should the UK government call for an immediate ceasefire in Lebanon?” hatten zunächst nur 28% - offenbar die richtige Antwort für Israel-Unterstützer – mit Nein geantwortet, so 12 Stunden später bereits 50%. Jetzt liegt die Mehrheit wieder bei Nein.

30. JUli: Seltsamerweise wurden die Einträge im GIYUS-Blog, die die ERfolge meldeten, offenbar inzwischen gelöscht.

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