Vodafone Talk & Web

UMTS und Telefonflatrate für zuhause mit kleinen Fußangeln

Meinen Zweitwohnsitz schmückt seit Weihnachten ein flaches schwarzes Kästchen mit rotem Gürtel und klobiger Antenne: der Vodafone Talk & Web-Router, den ich kurzerhand Olaf getauft habe, weil es neuerdings wohl Mode ist, Routern menschliche Namen wie Fritz oder Horst zu geben. Was auf den ersten Blick nach einer cleveren Lösung aussieht, birgt einige nicht zu unterschätzende Einschränkungen.

Nachdem O2 schon seit ewigen Zeiten die "Homezone" im Programm hat und mit "O2 Surf@home" inzwischen auch einen UMTS-Router, zog Vodafone im 3. Quartal 2005 endlich nach und brachte die "Talk & Web"-Box auf den Markt. Die Auswahl des Providers wurde dadurch erleichtert, dass "O2 Surf@home" an meinem Standort nicht unterstützt wird. Da ich kurzfristig eine installationsfreie und umzugsfreundliche Lösung suchte, die sowohl den Betrieb mehrerer Rechner an einem Router mit Firewall-Funktion als auch den Anschluss eines Telefons ermöglicht, kam das Vodafone-Angebot gerade recht.

Olivias „Neuer“ – Olaf, der Vodafone Talk & Web-Router (Bild: Olivia Adler)

Vodafone Talk & Web gibt es nur im Bundle von Sprach- und Datenkarte, wobei die Mindestlaufzeit für den Datentarif 24 Monate beträgt, während man sich bei der Sprachkarte nur für 3 Monate bindet, wie mir auf telefonische Anfrage bei Vodafone mehrfach bestätigt wurde. Die Gesamtkosten betragen bei bereits bestehendem Vodafone-Kundenvertrag knapp 60-65 Euro brutto pro Monat (zusätzlich zu den monatlichen Kosten für den bestehenden Handyvertrag), wobei 5 GB Datentransfervolumen und 1000 Telefonminuten für Anrufe ins nationale Festnetz inklusive sind. Zusätzlich werden einmalig EUR 99,90 für die Box fällig. Jede Karte hat ihre eigene Vodafone-Telefonnummer, wobei die Sprachkarte zusätzlich eine Festnetznummer mit Vorwahl aus dem Zuhause-Bereich zugeordnet bekommt.

Dank der eingebauten WLAN-Funktionialität inklusive Verschlüsselung (WEP und TKIP) lässt sich die Box auch kabellos ins Netzwerk integrieren, die Konfiguration ist unproblematisch, auch wenn sie nach dem ersten Einrichten aus unerfindlichen Gründen mehrere Rechner-Reboots erforderte.

Nachdem man mir im Vodafone-Shop bereits die Karten eingebaut hatte (und bei der Gelegenheit leider auch die Zettel mit den PINs verschlampte, die Hotline nannte mir auf Anfrage dann aber die Super-PINs), musste ich zuhause nur noch die Antenne anschrauben und den Router ans Stromnetz anschließen.

Olaf bietet neben einem Ethernet- und WLAN-Anschluss für den PC noch Buchsen für Telefon, Fax, externen Anrufbeantworter und einen Drucker. Alternativ kann man die Sprach-SIM in jedes handelsübliche Handy einlegen, allerdings gibt es anders als beim O2-Häuschen keine Anzeige, ob man sich im Zuhause-Bereich befindet oder nicht. Außerdem sind dann die Anschlüsse für Fax und externen Anrufbeantworter an der Talk & Web-Box ohne Funktion, wobei als Anrufbeantworter ohnehin wie bei jedem Handyvertrag eine Voicebox zur Verfügung steht.

Die zweite Diode von links leuchtet konstant rot. Das ist ein gutes Zeichen, bedeutet es doch, dass Olaf in UMTS-Geschwindkeit funkt. Eigentlich sollte sie orange leuchten, weil die Empfangsqualität an meiner Adresse nur schlecht ist, aber das "orange" ist absolut identisch mit dem blinkenden Rot ein paar Dioden nebenan, das signalisiert, dass keine Sprachkarte im anderen Slot ist, weil ich die in ein Handy eingesetzt habe. Blinkt sie grün (was gelegentlich leider auch vorkommt), hat Olaf nur GPRS-Empfang und erfreut mit der Performance eines 56K-Modems.

Nicht ganz wie DSL, aber immerhin…

Die Einwahl erfolgt über Browser und erfordert die Aktivierung von Javascript, weil Olaf auf einem Popup besteht. Sie läuft auch unter Windows 98, man darf sich da nicht von den Betriebssystemanforderungen auf der Packung abschrecken lassen, die ME/2000/XP oder Apple Mac OS X fordern. In diesem Popup-Fenster muss man sich zunächst einloggen und dann per Mausklick eine Verbindung zum Vodafone-Netzwerk herstellen. Die dafür notwendigen Daten sind bereits vorkonfiguriert. Im gleichen Menü kann man sich unter "Nutzung" die aufgelaufene Onlinezeit und übertragene Datenmenge anzeigen lassen. Die Anzeige ist statisch – um die aktuellen Daten zu erhalten, muss man einen Aktualisierungs-Button anklicken. Nach erfolgreichem Verbindungsaufbau kann man das Konfig-Fenster schließen und eine neue Browsersitzung starten.

Der erste Eindruck: passable Geschwindkeit, beim Download-Test 42,9 KB/Sek. (geschätzte Downloadzeit für knapp 70 MB Daten knapp 30 Minuten): im Vergleich zu 131 KB/Sek. bei DSL1000 (ca. 9 min für 70 MB), also ungefähr ein Drittel der Geschwindigkeit, die man von DSL gewohnt ist, was beim normalen Browsen allerdings kaum auffällt, es sei denn, man rutscht zwischendrin von UMTS in GPRS zurück, wobei es dann auch zu Verbindungsabbrüchen kommen kann.

Die erste große Irritation kam dann bei einem Besuch von flickr.com: gruselig komprimierte JPEGs und ein ungewohnter Tooltip, wenn man mit der Maus auf eines dieser unscharfen, ausblutenden Bilder zeigte: "Shift+R improves the quality of this image. CTRL+F5 reloads the whole page". Erst dachte ich, das sei ein neues, unwillkommenes Feature von Flickr, aber als ich dann auf Google ein graugrundiges Titel-GIF in stark reduzierter Farbpalette sah, schwante mir Böses.

Merkwürdige neue „Tooltips“ auf Englisch auf Shopblogger.de…

Eine Netzrecherche ergab dann neben Kuriositäten wie einer vermuteten Backdoor die einfache Erklärung, dass Bilder auf dem Vodafone-Proxy vorkomprimiert werden, in der grundsätzlich löblichen Absicht, den Datenverkehr möglichst niedrig zu halten. Dabei wird die besuchte HTML-Seite umgeschrieben und ein Javascript-Code eingefügt, der die erwähnte Meldung produziert und die Bilder erst mit Shift+R (bildbezogener Reload) oder Strg+F5 (Komplett-Reload) in gewohnter Qualität anzeigt. Leider lässt sich das nicht ausschalten und funktioniert auch nicht immer zuverlässig bzw. erfordert eingeschaltetes JavaScript.

Abhilfe soll das sogenannte "Dashboard" leisten, eine Software, die mit der UMTS-PCMCIA-Datenkarte geliefert wird und unter anderem ermöglicht, die Komprimierung auf Null zu stellen. Dass Olaf diese Software nicht im Lieferumfang hatte, hat seinen guten Grund – entgegen der Empfehlung der Vodafone-Hotline wird er nämlich von der Software nicht erkannt und damit auch nicht unterstützt.

Nur gut, dass man dann auf vielen Umwegen über Foren zu einer Software findet, die pikanterweise der Wettbewerber O2 im Angebot hat: der Speed Optimizer Client von bytemobile. Immerhin, auch auf vodafone.com (nicht aber auf vodafone.de) findet man die Software nach einigem Suchen, aber der Hotline war sie zumindest bei meinen Anrufen nicht bekannt.

Geschwindigkeits- bzw. Bildqualitäts-Optimierungssoftware

Im Test ließ sich die Software auch auf einem Windows 98-Rechner problemlos installieren (obwohl sie angeblich erst ab Win 2K/XP läuft) und muss nach der Einwahl gestartet werden. Hier lässt sich dann die gewünschte Bildkomprimierung einstellen, bei 0% Komprimierung erhält man die Bilder wieder in gewohnter Qualität.

Sollte man den Router mal außerhalb des Zuhause-Bereichs betreiben, wird es teuer, bei 1,86 EUR pro übertragenem MB. Wenn man das Dashboard hätte, würde einen das per SMS informieren, sobald man sich außerhalb des Zuhause-Bereichs aufhält – wenn es dumm läuft, aber erst, wenn man schon ein paar MB übertragen hat. Aber das Dashboard funktioniert mit Olaf ja sowieso nicht, sicherer ist es dann, sich den Zuhause-Status per Web anzeigen zu lassen: hier kann man nachsehen, ob man sich im Zuhause-Bereich befindet.

Beim Telefon ist es noch einfacher: sobald man sich damit aus dem Zuhause-Bereich entfernt, meldet es beim Versuch, eine Verbindung aufzubauen, dass Gespräche vom aktuellen Standort aus nicht möglich sind. Anrufer von außen erhalten die Meldung, dass der Teilnehmer zur Zeit nicht erreichbar ist. Ärgerlich: wenn man das Telefon daraufhin ausschaltet, kommt die Meldung weiterhin, Anrufer gelangen also nicht auf die Voicebox, erst wieder, wenn man sich wieder erfolgreich im Zuhause-Bereich eingebucht hat.

Durch Komprimierung verstümmelte Google-Logos

Das Telefonpaket ist nur für diejenigen günstig, die hauptsächlich ins deutsche Festnetz telefonieren. Wer häufig in deutsche Mobilfunknetze oder ins Ausland telefoniert, zahlt gegenüber einem Festnetzanschluss deutlich drauf, weil geldsparende Vorwahlnummern nicht funktionieren – auch wenn Vodafone Zuhause als Festnetzalternative angepriesen wird und man zusätzlich zur Mobilnummer eine Festnetznummer erhält, ist es trotzdem nach wie vor ein Mobilfunkanschluss.

Einmal pro Monat kann man den Zuhause-Bereich wechseln: das erfordert einen Anruf bei der Hotline und kostet EUR 4,95. Das bietet sich also auch an, wenn man z. B. für ein paar Wochen eine Ferienwohnung bezieht und den Internet- und Telefonanschluss dorthin mitnehmen will. Der Nachteil: man bekommt eine neue Festnetznummer zugeordnet und verliert damit die vorherige.

Fazit: Keine Alternative zu DSL, das deutlich mehr Komfort und Leistung fürs Geld bietet, aber überlegenswert für diejenigen, deren Wohngebiet noch nicht für DSL erschlossen ist oder die eine flexible Lösung suchen, die auch für häufige Ortswechsel oder für Untermieter ohne eigenen Festnetzanschluss geeignet ist.

Mehr als wünschenswert wäre außerdem, wenn man über die Bildkomprimierung informiert werden würde bzw. sie selbst aus- und einschalten könnte und sich den Workaround nicht mühsam selbst zusammensuchen müsste. Das faktische Umschreiben des HTML-Codes durch den Vodafone-Proxy dürfte den Normaluser nicht stören, kann aber für Entwickler oder CMS-User eine schmerzhafte bis unerträgliche Einschränkung bedeuten. (Olivia Adler)

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