Vom Massentransport zur Individualluftfahrt

Bild: Opener

Mit dem angekündigten Produktionsende des Airbus A380 zeigt sich das Ende der Entwicklung zu immer größeren Flugzeugen

Der Airbus A380 scheint zwar der Liebling der Passagiere zu sein, die mit ihm fliegen. Er ist jedoch offensichtlich in der Praxis zu groß, weil viele Fluggäste kleine Flugzeuge in der Praxis vorziehen, weil die es ermöglichen die jeweiligen Verbindungen mehrmals am Tage anzubieten. Zudem war der A380 auf Zuwachs geplant, der jedoch nie realisiert wurde. In der aktuellen Version ist er schlicht zu schwer und mit vier Triebwerken zu kraftstoffhungrig.

Die Tendenz zu kleineren Flugzeugen und einer individuelleren Mobilität zeigt sich auch bei der in letzter Zeit deutlich verstärkten Entwicklung von Flugtaxis und sogenannte Flying Cars. Wer auf der Straße im Stau steht und den vermeintlich leeren Luftraum über seinem Kopf wahrnimmt, ist für die Idee vom augenblicklichen Abheben und durch die Lüfte Entschwinden, mit Sicherheit zu begeistern. Im Zusammenhang mit der Consumer Electronics Show (CES) wurden Flying Car-Konzepte von Firmen wie NFT Inc. erwähnt, die als VTOL (vertical takeoff and landing) Systeme ohne Start- und Landebahn auskommen und so den Luftraum als Transportebene für den Individualverkehr nutzen sollen.

Diese bieten deutlich mehr Freiheiten, als dies vor Jahren im Rahmen einer im Auftrag der EU erstellten Studie über die Implementierung von 300 Start- und Landeplätzen zur Regionalisierung des Luftverkehrs angedacht war. Speziell in Deutschland kämpfen inzwischen 39 regionale Flugplätze ums Überleben und können vielfach nur dank staatlicher Förderung überleben, was die EU aber künftig weitestgehend verbieten will. Verkehrssysteme, die ohne kostenträchtige feste Infrastruktur auskommen, sind daher ganz im Sinne einer Individualmobilität, wie sie gerade in Deutschland nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Vermeidung von Geschwindigkeitslimits auf den Straßen auch aktuell wieder gefordert wird.

Das in Israel und den USA entwickelte Fahr-/Flug-Zeug von NFT soll um die 50.000 US-Dollar kosten und sowohl als PKW einsetzbar sein und jederzeit senkrecht starten, landen und im Luftraum von einem Autopilot gesteuert werden können. Um das Projekt möglichst schnell umzusetzen, will NFT keine eigene Fertigung aufbauen, wie dies Elon Musk für seine E-Mobile realisiert hat, sondern auf spezielle Dienstleister zurückgreifen, welche über die benötigte Fertigungsinfrastruktur verfügen. Dies gilt offensichtlich auch schon für den Prototypenbau.

Das elektrisch angetriebene Gerät von NFT soll Entfernungen von 500 Kilometern als Flugzeug und 100 Kilometer als Fahrzeug erreichen können. Bei NFT hofft man bis 2024 die Zulassung der US Federal Aviation Administration erhalten zu können.

Die Zahl der individuellen Lufttransportprojekte nimmt zu

Die Individualluftverkehrsmobile haben bislang gegenüber den automatisierten erdgebundenen Fahrzeugen den Vorteil, dass sie den allgemeinen unteren Luftraum abgabenfrei nutzen können und zudem im Luftraum nicht der Gefahr ausgesetzt sind, mit Fußgängern, konventionellen PKWs oder Zweiradfahrern zu kollidieren.

Da manche dieser Systeme auch als Zubringer zum konventionellen Luftverkehr geplant werden, wird das Kollisionsproblem jedoch zumindest in Flughafennähe auftreten, wo die dort auftretenden Verwirbelungen die Kleinstflieger durchaus in Probleme bringen können. Zudem fehlt zumindest in Deutschland bisher ganz offensichtlich der rechtliche Rahmen für diese Lufttaxis.

Wie nicht anders zu erwarten, arbeitet auch Uber nicht nur an einem autonomen Fahrzeug, sondern auch an einem entsprechenden Flugzeug. Google-Co-Founder Larry Page unterstützt daneben auch das BlackFly-Projekt von Opener, das jedoch offensichtlich keine Straßenverkehrszulassung bekommt und nur für den Transport einer einzigen Person gedacht ist, also eher mit den Ultraleichtfliegern konkurriert.

Aber auch die deutschen Fahrzeughersteller, denen man gerade vorwirft, die Entwicklung der E-Mobilität zu verschlafen, sind im Bereich des individuellen Lufttransports aktiv. So entwickelt ein Gemeinschaftsunternehmen von Audi und Airbus derzeit einen autonomen elektrischen Kleinwagen, der an ein Flugmodul mit vier Rotoren andocken kann. Wettbewerber Daimler hat sich am Start-up Volocopter beteiligt, das einen Elektro-Helikopter mit 18 Propellern entwickelt.

In Japan hat sich eine Gruppe namens Cartivator etabliert, um einen Flying Car namens Skydrive zu entwickeln. Das Crowdfunding-Projekt wird von Toyota unterstützt. Mit einem solchen Flugzeug soll schon im kommenden Jahr zur Eröffnung der Olympischen Spiele die olympische Flame in Tokio transportiert werden. Dass nicht jedes Projekt auch wirklich abhebt, zeigt das französische Modell Pegasus, um das es inzwischen wieder ruhig geworden ist.

Tür-zu-Tür-Lösungen

Mit den autonom fliegenden Geräten will man nicht zuletzt das Problem lösen, dass die Anreise zum Flughafen gerade bei Kurzstreckenflügen soviel Zeit in Anspruch nimmt wie der Flug selbst. Und so soll künftig mit diesen Mobilen die An- und Abreise von und zu den Flughäfen deutlich verkürzt werden. Ähnlich wie das für die mobilen erdgebundenen Fahrzeuge angedacht ist, sollen die Miniflugzeuge nur für den jeweiligen Einsatz gebucht werden können und somit eine möglichst große Auslastung im Tagesgang erreichen. (Christoph Jehle)