Vom Überzieher bis zum mobilen Ladegerät

Mehr und teils auch weniger nützliches Ipod-Zubehör im Praxistest

Apples MP3-Spieler ist immer wieder Ziel der abstrusesten Zubehörartikel. Manches Zubehör ist jedoch tatsächlich von Nöten, weil das Gerät im Originalzustand einige sinnvolle Dinge vermissen lässt. Doch nicht alle Lösungen machen glücklich.

Der Apple Ipod wird – wie auch einige andere neuere mobile Geräte mit USB Port – über seinen USB-Anschluss geladen. Bis zum letzten Modell gehörte deshalb neben einem USB- und zuvor auch Firewire-Kabel auch noch ein USB-Netzteil zum Lieferumfang. Beim aktuellen Video-Ipod hat man dieses Netzteil jedoch eingespart; es ist nur noch als extra zu bezahlendes Zubehör erhältlich. Normal ist der MP3-Spieler nun über den USB-Port eines Computers zu laden.

Originalzubehör USB-Netz- und Ladeteil von Apple, ein Eurostecker ist natürlich noch dabei (Bild: Apple)

In der Praxis ist dieses ziemlich lästig: Ist man mit dem Ipod unterwegs und will ihn beispielsweise zum Zwischenlagern digitaler Fotos (Der Digital-Filmsafe für unterwegs) benutzen, dann ist der Sinn der Sache ja gerade, keinen Computer mehr mitnehmen zu müssen. Doch auch wer nur täglich mit dem Zug in die Arbeit fährt und seinen MP3-Spieler über Nacht wieder aufladen will, dürfte über diese Geiz-Lösung nicht besonders glücklich sein: er muss seinen Computer mit 100 Watt oder noch höherem Stromverbrauch die ganze Nacht durchlaufen lassen, nur um den kleinen Akku im Ipod wieder aufzuladen. Schaltet er den Rechner ab, oder schaltet dieser sich infolge entsprechender Energiespar-Einstellungen nach einigen Stunden selbsttätig ab, so tut dies der angeschlossene Ipod leider nicht: Er entlädt den gerade erst geladenen Akku nun sofort wieder und ist am nächsten Morgen möglicherweise schon wieder genauso leer, wie er am Abend zuvor war.

Ladeset „Netz“ und „Auto“ von Hama (Bild: W.D.Roth)

Das Original-USB-Netzteil von Apple ist ziemlich teuer, doch auch im normalen Versandhandel gibt es mittlerweile etliche Ipod-Netzteile anderer Hersteller – und auch Adapter für den Zigarettenanzünder, um den Ipod im Auto zu benutzen und aufzuladen – beispielsweise von Pearl und Hama, die deutlich kompakter sind als das Apple-Original und auch deutlich preiswerter. Gemeinsam haben sie jedoch den Nachteil, dass zusätzlich auch das USB-Kabel des Ipods hinten am Computer abzustecken und mitzunehmen ist – mit dem Netzteil alleine kann ja leider nicht geladen werden.

Das beste Netzteil ist wertlos, wenn man dieses Kabel zuhause vergessen hat… (Bild: Apple)

Für knapp 15 Euro finden sich in Ebay jedoch auch Angebote, die nicht nur zusätzlich den Zigarettenanzünder-Adapter enthalten, sondern auch das USB-Verbindungskabel. Diese kann man also gleich ins Reisegepäck packen, ohne deshalb zuhause die Dockingstation vom Computer trennen zu müssen. Andernfalls muss man noch ein Verbindungskabel zusätzlich kaufen, um das Netzteil vernünftig nutzen zu können, was dann – beispielsweise bei Gravis und auch wieder Hama – 15 Euro extra kostet, dafür allerdings in der Gravis-Version aufrollbar ist. Bei Apple selbst sind für das Zweitkabel sogar 20 Euro fällig.

Ein anderes Problem des schicken Taschenspielers ist seine ausgesprochen große Verkratzanfälligkeit. Insbesondere beim Ipod Nano und beim Video-Ipod fällt dies auch dem hartgesottensten Apple-Fan unangenehm auf. Und im Gegensatz zu früheren Modellen ist ein verkratztes Display nun nicht nur ein Schönheitsfehler, sondern macht ab einem gewissen Grad auch das Video-Betrachten unmöglich.

“Ipod-Kondom“ von Pearl mit zusätzlicher Schutzfolie für das Display. Man kann jedoch auch einfach den Ipod „jungfräulich“ lassen, sprich: die Original-Schutzfolie nicht herunterreißen. (Bild: W.D.Roth)

In Zubehörhandel gibt es etliche, in auffallenden Farben gehaltene, aus Latex oder Silikon-Gummi gefertigten Hüllen, respektlos meistens "Ipod-Kondom" genannt. Sie sind allerdings wesentlich dicker als die namensgebende Gummiware. Und deshalb auch nur für genau das vorgesehene Modell geeignet. Bei Pearl gab es die Überzieher nur für das 30-Gigabyte-Modell, jedoch nicht für die zum Test verwendete, etwas dickere 60-Gigabyte-Variante.

Die Folge: die Aussparungen für USB, Kopfhörer und Hold-Schalter sitzen nicht an den richtigen Stellen und blockieren die darunter liegenden Anschlüsse. Der teure Ipod wird außerdem stark mechanisch beansprucht und kann ausfallen. Außerdem reißt der so überbeanspruchte Gummi mit der Zeit. Während es beim lebenden Vorbild reine Angeberei ist, wenn jemand behauptet, er bräuchte für „seinen“ eine Übergröße, kann es hier tatsächlich passieren.

Doch selbst bei richtiger Passform schaut ein „Safer Ipod“ mit Überzieher ziemlich dubios aus: Auch wenn es sicherlich gegen Kratzer hilft, schick ist das nicht mehr. In die Dockingstation passt der so verunstaltete MP3-Spieler auch nicht mehr: das Verbindungskabel muss nun direkt eingesteckt werden und lässt sich nur bedingt komfortabel wieder entfernen, weil die dazu zu drückenden Halteklammern mit dem auftragenden Gummi nicht mehr so komfortabel zu erreichen sind.

In der Praxis ist es deshalb einfacher, den Ipod auch bei aktiver Benutzung in der mitgelieferten weißen Kunstlederhülle zu lassen, er lässt sich – genauso wie im Kondom – auch durch diese hindurch bedienen. Einziger Nachteil: Nach einigen Wochen wird die ehemals weiße Hülle ziemlich schmutzig ausschauen.

Ursprünglich als weihnachtlicher Präsent-Scherz gedacht, sind „Ipod-Socken“ zwar auch geeignet, den teuren Begleiter vor Kratzern zu schützen, dürften aber auch bei anderer Farbwahl als hier das Vorurteil „Apple-Käufer sind schwul“ befördern… (Bild: Apple)

Von Hama gibt es zumindest inzwischen auch für die neuesten Modelle passende Ipod-Taschen, die eher an klassische Handy-Taschen erinnern und dennoch nicht allzu sehr auftragen – es kann ja auch nicht der Sinn der Sache sein, dass der schlanke Festplattenspieler in der Schutztasche die Ausmaße eines 20 Jahre alten Kassettenwalkman annimmt. Der Preis ist allerdings höher als beim Gummi. Auch hier ist der Ipod zum Aufladen mit Musik oder Energie in der Dockingstation aus der Tasche zu nehmen, was im Gegensatz zum Überzieher jedoch verschleißfrei vor sich geht. (Wolf-Dieter Roth)

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