Von Masken und Welpen

Bayerische Coronaregel in Kraft: Wer kein Geld für täglich neue FFP2-Masken hat, soll sich doch ein gutes Backofenthermometer kaufen. Im Hause Söder menschelt es derweil

Bereits vergangene Woche informierte der Bayerische Rundfunk über die Wiederaufbereitung von FFP2-Masken, die eigentlich für den einmaligen Gebrauch bestimmt sind. Ein Backofenthermometer könnte demnach eine lohnende Investition in der Coronakrise sein - denn an diesem Montag ist im Freistaat die FFP2-Maskenpflicht für den öffentlichen Nahverkehr und die noch nicht geschlossenen Einzelhandelsgeschäfte in Kraft getreten. Nach einer Stunde bei 80 Grad im Backofen sollen sowohl Coronaviren als auch andere gefährliche Erreger vollständig abgetötet sein. Einen Energiekostenzuschuss gibt es dafür nicht. Allerdings hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) auf Drängen mehrerer Sozialverbände versprochen, dass insgesamt 2,5 Millionen FFP2-Masken für Bedürftige kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren gilt die FFP2-Maskenpflicht beim Einkaufen sowie in Bussen und Bahnen in Bayern nicht - für Beschäftigte im Einzelhandel bei der Arbeit auch nicht. Letzteres entspricht den Empfehlungen der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, denn demnach beträgt die maximale Tragezeit solcher Masken "grundsätzlich längstens zwei Stunden mit anschließender Mindesterholungsdauer von 30 Minuten".

Die 2,5 Millionen FFP2-Masken für offiziell Bedürftige sollen aus dem bayerischen Pandemiezentrallager vom Technischen Hilfswerk an die Kommunen geliefert und von dort verteilt werden, etwa an Bezieherinnen und Bezieher von Arbeitslosengeld II.

Münchner schon durch Mieten überlastet

Allerdings könnte die Regelung in der bayerischen Landeshauptstadt auch zahlreiche Menschen, die offiziell nicht als bedürftig gelten, finanziell an ihre Grenzen bringen - denn München ist auf dem Mietwohnungsmarkt mit Abstand die teuerste Großstadt Deutschlands.

Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) fordert kostenlose Masken für alle: "Wenn Fachleute FFP2-Masken nur zur Einmalnutzung zulassen und das Stück mindestens zwei Euro kostet, dann überfordert der Freistaat Bayern nicht nur Grundsicherungsempfänger und Menschen mit wenig Einkommen, sondern auch Familien und alle Arbeitnehmer, die täglich mit dem ÖPNV pendeln müssen", argumentierte der Landesvorsitzende der AWO, Thomas Beyer, vergangene Woche.

Auf Söders Facebook-Seite begann es am Freitag zu menscheln: "Schöne Nachricht in schwerer Zeit: Wir haben mit Molly 'Nachwuchs' bekommen", schrieben der CSU-Chef oder sein Social-Media-Team unter dem Bild eines schwarzen Welpen mit großen runden Augen. "Sie ist eine süße junge Hundedame. Da geht einem das Herz auf."

Am morgigen Dienstag will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erneut in einer Schaltkonferenz mit Söder und den anderen 15 Ministerpräsidenten der Länder über das weitere Vorgehen in der Coronakrise beraten. Nach Informationen des Redaktionsnetzwerks Deutschland stehen dabei auch bundesweite nächtliche Ausgangssperren zur Debatte.

Irritationen um RKI-Zahlen

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hatte zwar am frühen Montagmorgen die niedrigsten Fallzahlen seit drei Monaten gemeldet, wenig später hieß es jedoch, die Zahlen seien offenbar unvollständig.

Es werde nun geprüft, was der Grund für die wenigen Meldungen etwa aus Bayern oder Rheinland-Pfalz sei, zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung online eine Sprecherin des Instituts. Insgesamt hatte das RKI am Montag zunächst 7.141 Neuinfektionen binnen eines Tages auf seiner Internetseite gelistet – gut 5.000 weniger als eine Woche zuvor. Auffällig war unter anderem, dass Bayern demnach nur rund 269 Fälle gemeldet hatte, nachdem in der Vorwoche deutlich mehr als 2.000 gewesen waren. Aus Rheinland-Pfalz waren es an diesem Montag nur insgesamt zwei.

Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus innerhalb von 24 Stunden bundesweit wurde am Montagmorgen mit 214 angegeben. Der bisherige Höchststand war am Donnerstag vergangener Woche mit 1.244 verstorbenen Infizierten erreicht worden. (Claudia Wangerin)