Von fragwürdigen und fehlinterpretierten Corona-Zahlen

Eine Kritik am Umgang mit der Corona-Pandemie (Teil 3 und Ende)

Ab dem 16. Dezember wurde von den Regierungen ein "harter Lockdown" verhängt, der zunächst bis zum 10. Januar gelten soll. In einer Serie von drei Artikeln werden die wissenschaftlichen Begründungen genauer beleuchtet. Im ersten Artikel wurden die fehlenden wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit von Lockdowns thematisiert.

Im zweiten Artikel wurden die in den Stellungnahmen der Fachgesellschaften und den Regierungserklärungen ignorierten Kollateralschäden von Lockdowns beschrieben, welche inzwischen durch zahlreichen Studien belegt sind.

Im dritten Artikel wird anhand einer kritischen Diskussion der vom Robert-Koch Institut veröffentlichten Corona-Fallzahlen beleuchtet, inwiefern eine Angst in der Größenordnung, wie sie von den Regierungen, den Medien und manchen Wissenschaftlern vermittelt wird, wirklich gerechtfertigt ist.

Am 16. Dezember wurde das öffentliche Leben in Deutschland erneut drastisch heruntergefahren. Der Einzelhandel mit Ausnahme der Geschäfte für den täglichen Bedarf musste schließen, Schulen und Kindergärten wurden geschlossen, weiterhin gelten strikte Kontaktbeschränkungen. Begründet wird dies damit, dass dies aufgrund der extrem dramatischen aktuellen Corona-Lage unbedingt notwendig sei. So sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der Pressekonferenz zur Verhängung des "harten Lockdowns" am 13. Dezember:

Ausgangspunkt und Notwendigkeit ergibt sich daraus, dass die Maßnahmen, die wir am 2. November begonnen hatten, nicht gereicht haben. Nachdem wir eine Zeit lang das exponentielle Wachstum stoppen konnten und eine Seitwärtsbewegung hatten, haben wir seit einigen Tagen wieder steigende Fallzahlen und ein exponentielles Wachstum. Und das bedeutet, dass wir auch sehr viele Tote zu beklagen haben, sie verfolgen die Statistik ja alle. Und wir wissen, dass auch das Gesundheitssystem schon sehr stark belastet ist, und unser Auftrag oder unser Vorhaben war ja immer eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Deshalb besteht dringender Handlungsbedarf und daraus resultieren die Beschlüsse, die heute gefasst wurden.

Noch dramatischer wird die Situation in einem Kommentar von Rainald Becker vom SWR in den Tagesthemen am 16. Dezember dargestellt. Er sagt dort:

952 Tote, 952 Menschen, Freunde, Bekannte und Verwandte. Rein rechnerisch stirbt damit etwa alle 1,5 Minuten ein Corona-positiver Mensch. Diese Rekordzahl am ersten Tag des bundesweiten Lockdown ist der beste Beleg für dessen Sinnhaftigkeit. Die Bilder aus der Uniklinik Freiburg, die dramatischen Zahlen aus Sachsen, wir haben es gerade gesehen, zeigen, es ist schon fünf nach zwölf. Wir stehen vor einem medizinischen Notstand.

Aber ist eine Angst in der Größenordnung, wie sie von der Regierung, vielen Medien und manchen Wissenschaftlern vermittelt wird, überhaupt der aktuellen Sachlage angemessen? Oder müssen wir vielleicht gar nicht solche extremen Ängste haben?

Dieser Frage soll im dritten Artikel dieser Serie zu den fragwürdigen Begründungen der Verordnung eines harten Lockdowns nachgegangen werden. Wie eine genauere Analyse der vom Robert-Koch Institut veröffentlichten Zahlen zu den Neuinfektionen, den Todesfällen und den belegten Intensivbetten zeigen wird, basieren solche panikmachenden Aussagen auf Fehlinterpretationen der Corona-Zahlen. In Wirklichkeit ist die aktuelle Lage deutlich weniger dramatisch, als es die veröffentlichten Zahlen und die Interpretation der Zahlen in Politik und Medien nahelegen.

Der Verlauf der Neuinfektionen

In der Pressekonferenz zur Verhängung des harten Lockdowns bezieht sich Angela Merkel bei der Interpretation der Gefahrenlage in Bezug auf das Infektionsgeschehen auf die tagtäglich vom RKI berichteten Neuinfektionen. In der folgenden Abbildung ist die entsprechende Graphik aus dem Dashboard des RKI abgebildet (Stand 21.12.):

In der Tat scheint es auf den ersten Blick so zu sein, dass die Zahl der Neuinfektionen seit mehr als drei Wochen wieder deutlich steigt. Ein genauerer Blick hinter die Zahlen lässt aber Zweifel aufkommen. Ein erster eigenartiger Aspekt ist der Verlauf der Wachstumskurve der Neuinfektionen: Obwohl der Zuwachs bis Mitte November immer mehr abgenommen hat und die Zahlen bereits sogar leicht zu sinken begonnen hatten (typischer "Wellenverlauf"), gab es plötzlich Ende November einen erneuten Anstieg.

Die Wachstumskurve bis Ende November entspricht dem Verlauf, wie Virusausbreitungen natürlicherweise verlaufen: Weil es in einer begrenzten Population zunehmend weniger Personen gibt, welche sich anstecken können, da sie das Virus bereits hatten, muss die Wachstumsrate - also die Zunahme bzw. Abnahme der Neuinfektionen im Vergleich zum Vortag - beginnend vom Startwert aus mit der Zeit immer mehr abnehmen.

Aus diesem Grund werden Wachstumskurven zur Virusausbreitung eigentlich bekanntermaßen nicht mit Exponentialfunktionen beschrieben, welche eine konstante Wachstumsrate annehmen. Stattdessen werden logistische Funktionen oder Gompertz-Funktionen verwendet, welche eine abnehmende Wachstumsrate annehmen. So heißt es beispielsweise in einem entsprechenden Artikel im Ärzteblatt aus dem Jahr 1982:

Für jedes Problem lässt sich nachweisen, dass die Annahme eines exponentiellen Wachstums immer und meistens sehr schnell zur Katastrophe oder zu unsinnigen Konsequenzen führt. Keine reale und schon gar keine biologische Größe kann unbegrenzt wachsen ("Die Bäume wachsen nicht in den Himmel"). Die Annahme einer konstanten Wachstumsrate ist also keine mit der Wirklichkeit gut übereinstimmende Annahme. In den meisten Fällen beobachtet man ein Wachstum, bei dem y [die Anzahl der Fälle] sich immer langsamer einem Grenzwert nähert. Diese Tatsache muss in der Annahme über den Verlauf der spezifischen Wachstumsrate ihren Niederschlag finden. Die Wachstumsrate kann nicht konstant sein, sondern sie muss abnehmen.

Der Kurvenverlauf bis Ende November stünde also an sich perfekt im Einklang damit, dass sich die Virusausbreitung bereits von selbst wieder gebremst hat - unabhängig von den Maßnahmen, welche, wie im ersten Artikel der Serie herausgearbeitet, nach dem aktuellen Stand der Forschung die Virusausbreitung offenbar kaum beeinflussen. Aus dieser Perspektive heraus ist es ein Rätsel, warum die Fallzahlen nicht weiter dem für Virusausbreitungen eigentlich typischen Kurvenverlauf folgen und weiter sinken, sondern plötzlich wieder zu steigen beginnen.

Es muss also Faktoren geben, welche plötzlich hinzukommen und zu einer erneuten Steigung der Fallzahlen führen. Eine erste Möglichkeit ist, dass der Anfang November verordnete "Lockdown light" in Wirklichkeit kontraproduktiv war. Interessanterweise fängt die Anzahl an Neuinfektionen kurz nach dem Zeitpunkt wieder an zu steigen, an dem sich laut RKI frühestens ein Effekt des "Lockdown light" zeigen kann (frühestens zwei Wochen nach Beginn der Maßnahme).

Es gibt womöglich tatsächlich Grund zur Annahme, dass der "Lockdown light" entgegen der eigentlichen Intention womöglich zu einer Zunahme der Neuinfektionen geführt hat. Laut der Kontaktnachverfolgung von infizierten Personen ist einer der zentralen Ansteckungsorte der private Haushalt, während an Orten, welche im Zuge des "Lockdown light" geschlossen wurden (Gaststätten, Hotels, Sportstätten), kaum Infektionen zu verzeichnen sind (siehe RKI Lageberichte am Dienstag).

Der "Lockdown light" könnte also dazu geführt haben, dass sich Menschen mehr an Orten aufgehalten haben, an welchen ein stärkeres Ansteckungsrisiko herrscht, was die plötzliche erneute Zunahme der Neuinfektionen erklären könnte. Allerdings ist nur bei etwa einem Sechstel der insgesamt gemeldeten Neuinfektionen der Ansteckungsort bekannt, so dass diese Erklärung nicht solide überprüft werden kann.

Es gibt noch eine weitere mögliche Erklärung für den plötzlichen erneuten Anstieg der vom RKI berichtete Neuinfektionen. Um diese Erklärung zu sehen, muss man zunächst die Anzahl der Neuinfektionen getrennt für die Fälle betrachten, bei denen der Symptombeginn bekannt versus nicht bekannt ist. Dazu gibt es eine weitere Graphik im Dashboard des RKI, in der getrennt voneinander die Fälle, bei denen der Beginn der Krankheitssymptome bekannt ist (blaue Balken, das Datum entspricht dort dem Symptombeginn), und die Fälle, bei denen der Beginn der Krankheitssymptome nicht bekannt ist (gelbe Balken, das Datum entspricht dort dem Meldedatum der Infektion), dargestellt sind (Stand 21.12.):

Es zeigt sich ein interessanter Befund: Sowohl der starke Anstieg im Oktober als auch der erneute Anstieg seit Ende November geht - anders als im Frühjahr - schwerpunktmäßig auf Personen mit positiven SARS-CoV-2-Testergebnissen zurück, bei denen der Beginn von Krankheitssymptomen nicht bekannt ist. Anzumerken ist noch, dass bei den gemeldeten Neuinfektionen der letzten Tage oft noch ein Symptombeginn nachgemeldet wird. Ob die Anzahl der Fälle mit bekanntem Symptombeginn also tatsächlich aktuell sinkt, so wie es in der Graphik den Anschein hat, ist noch unklar, hier muss man noch die Nachmeldungen der nächsten Tage abwarten.

Eine spannende Frage ist, warum eigentlich bei manchen Personen der Symptombeginn nicht bekannt ist. Eine naheliegende Möglichkeit ist, dass der Symptombeginn deswegen oft nicht bekannt ist, weil die Personen einfach gar keine COVID-19-spezifischen Symptome hatten. Wäre dem aber so, dann würde der Anstieg im Zuge der zweiten Welle schwerpunktmäßig auf Fälle zurückgehen, bei welchen zwar Virusmaterial nachgewiesen wurde, welche aber in Wirklichkeit gar nicht erkrankt sind. Das würde die Bewertung der Gefahrenlage grundlegend ändern: In Wirklichkeit gäbe es weit weniger Erkrankungsfälle - also Fälle, die überhaupt Krankheitssymptome entwickeln - als die täglich vom RKI gemeldete Anzahl an Neuinfektionen den Anschein erweckt.

Hier ist noch ein Hinweis auf eine irreführende Darstellung in den Lageberichten des RKI wichtig. Am Dienstag wird dort immer der Prozentsatz berichtet, wie viele der Personen mit positiven SARS-CoV-2-Testergebnissen COVID-19-spezifische Symptome aufweisen. Der vom RKI berichtete Wert ist aber - ohne dass das RKI das wirklich kenntlich machen würde - irreführend, denn der berichtete Prozentsatz bezieht sich nur auf den Anteil der gemeldeten Fälle, bei denen man überhaupt etwas über deren Symptome weiß. Da man aber bei einem Großteil der Fälle nichts über den Symptombeginn weiß - und damit vermutlich auch nichts über deren Symptome - überschätzt der vom RKI berichtete Prozentsatz den wahren Wert in vermutlich sehr hohem Ausmaß.

In der Tat gibt es Grund zur Annahme, dass bei der zweiten Welle im Vergleich zur ersten Welle viel mehr Personen unter den gemeldeten Neuinfektionen sind, bei denen zwar Virusmaterial nachgewiesen wurde, welche aber in Wirklichkeit gar nicht erkrankt sind. Ein erster Grund ist die substantielle Erhöhung der Testanzahl. Dadurch werden aktuell im Vergleich zum Frühjahr weitaus mehr der zwar infizierten aber aufgrund fehlender Krankheitssymptome nicht getesteten Personen entdeckt.

Tatsächlich kann damit auch der plötzliche erneute Anstieg in den Fallzahlen zum Teil erklärt werden. Parallel zum erneuten Anstieg in den Fallzahlen Ende November hat sich auch die Anzahl der Tests wieder um 15 Prozent erhöht. Der erneute Anstieg in den berichteten Zahlen überschätzt also den wahren Anstieg, weil ein Teil des Anstiegs nur darauf zurückgeht, dass plötzlich wieder mehr getestet wurde.

Es gibt noch einen weiteren Grund, warum zunehmend mehr Personen unter den gemeldeten Neuinfektionen sind, bei denen zwar Virusmaterial nachgewiesen wurde, welche aber in Wirklichkeit gar nicht erkrankt sind: Das RKI hat Anfang November den Einsatz von Antigen-Schnelltests zugelassen hat. So heißt es im Lagebericht des RKI:

Des Weiteren wurden Antigen-Point-of-Care-Tests (AG-POCT) in bestimmten Settings eingeführt. Dies kann zur Folge haben, dass die Grundgesamtheit der getesteten Personen sich von der der Vorwochen unterscheidet und daher die Positivquoten der Vorwochen nicht direkt mit den Positivquoten ab KW 46 vergleichbar sind.

Bei einem positiven Antigen-Schnelltest-Testergebnis muss zwar laut RKI-Richtlinie mit einem PCR-Test nachgetestet werden, weil die Falsch-Positiv Rate bei solchen Tests höher ist. Aber dadurch verschiebt sich die Grundgesamtheit der getesteten Personen: Durch die zunehmend höhere Anzahl an Schnelltests kommen zunehmend mehr Personen hinzu, welche normalerweise aufgrund fehlender Krankheitssymptome nicht mit einem PCR-Test getestet worden wären, aber mittels eines positiven Antigen-Schnelltest detektiert wurden. Die Größenordnung der inzwischen durchgeführten Antigen-Schnelltests ist dabei wirklich enorm. So heißt es beispielsweise in einer Presseerklärung des Berliner Senats vom 4. November:

Noch im Jahr 2020 werden insgesamt 6 Millionen Schnelltests für rund 33 Millionen Euro, sowie weitere 6,5 Millionen Tests im Jahr 2021 für ca. 37 Millionen Euro beschafft. Die ersten 260.000 Tests sind bereits in der Verteilung an stationäre Pflegeinrichtungen und an die Obdachlosenhilfe.

Der steigende Einsatz von Antigen-Schnelltests könnte also dazu führen, dass die Dunkelziffer von zwar infizierten aber aufgrund von fehlenden Krankheitssymptomen bisher nicht detektierten Personen seit der Einführung der Antigen-Schnelltests zunehmend kleiner wird, was den plötzlichen erneuten Anstieg in den Neuinfektionen erklären könnte.

Zusammenfassend lässt sich also festhalten, dass aufgrund der erneuten Erhöhung der Testanzahl und der veränderten Teststrategie der erneute Anstieg in der Zahl der Neuinfektionen vermutlich vor allem darauf beruht, dass zunehmend mehr Personen detektiert werden, bei denen zwar Virusmaterial nachgewiesen wurde, die aber in Wirklichkeit gar nicht erkrankt sind. Die Anzahl der Personen, welche tatsächlich COVID-19-Symptome zeigen, hat dagegen nur vergleichsweise gering zugenommen und könnte womöglich sogar aktuell sinken.

Der Verlauf der "COVID-19-Todesfälle"

Sowohl Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung als auch der Journalist Rainald Becker vom SWR in seinem eingangs erwähnten angstschürenden Tagesthemen-Kommentar beziehen sich bei der Interpretation der Gefahrenlage hinsichtlich der Todesfälle auf die vom RKI täglich "neu" gemeldeten und so bezeichneten "COVID-19-Todesfälle". In der folgenden Abbildung ist die entsprechende Graphik abgebildet (Stand 21.12; Quelle: WHO.

In der Tat scheint es auf den ersten Blick so zu sein, dass aktuell eine sehr hohe Anzahl von COVID-19-Todesfällen zu verzeichnen ist. Ein genauerer Blick hinter die Zahlen zeichnet aber ein anderes Bild. Hierzu ist es wichtig zu wissen, dass es bei den Todesfällen einen großen Meldeverzug von bis zu drei Wochen und mehr gibt. Zudem gibt es - wie die WHO-Graphik illustriert - starke Wochenendeffekte: viele der in Wirklichkeit am Sonntag oder Montag verstorbenen Sterbefälle werden erst Mitte der Woche nachgemeldet.

Die Konsequenz ist, dass die vom RKI berichteten Spitzenwerte die tatsächlich an einem Tag verstorbenen Personen stark überschätzen. Man kann das anhand der ersten SARS-CoV-2-Welle im Frühjahr veranschaulichen. In der folgenden Abbildung ist auf der linken Seite der Verlauf der vom RKI an einem Tag neu gemeldeten Todesfälle dargestellt (Quelle: ourworldindata) und auf der rechten Seite der Verlauf der tatsächlich an einem Tag verstorbenen Todesfälle (Quelle: RKI Lagebericht von 15. Mai). Die Kurve zum Verlauf der täglich vom RKI neu gemeldeten Todesfälle überschätzt das tatsächliche Maximum der im Frühjahr aufgetretenen Todesfälle um 25 Prozent und stellt den tatsächlichen Rückgang der Todesfälle mit einer Zeitverzögerung von acht Tagen dar.

Leider wird das tatsächliche Sterbedatum vom RKI aus Datenschutzgründen nicht herausgegeben. Der vom RKI verfügbar gemachte Datensatz enthält aber eine Information dazu, wann sich eine verstorbene Person zuvor infiziert hat (Meldedatum der Infektion eines Todesfalls). Damit kann man abschätzen, wie stark die vom RKI aktuell berichte Anzahl an täglichen "neuen" Todesfällen das tatsächliche SARS-CoV-2-bedingte Sterbegeschehen überschätzt.

Die folgende Abbildung zeigt beispielhaft für die 960 neu gemeldeten Todesfälle vom 16. Dezember, wann das Meldedatum der Infektion war (die Diskrepanz zu den im RKI-Lagebericht genannten 952 Todesfällen kommt dadurch zustande, dass an diesem Tag gleichzeitig acht ältere "COVID-19-Todesfälle" gestrichen wurden, welche fehlerhaft eingetragen worden waren; Datenquelle: RKI):

Die vom RKI am letzten Freitag als "neu" gemeldeten 960 Todesfälle hatten sich also nicht - wie man vielleicht erwartet hätte - in einem engeren Zeitraum zuvor infiziert. Stattdessen verteilen sich die Infektionszeitpunkte über einen sehr großen Zeitraum von in etwa zwei Monaten, bei einer Person lag die Infektion vier Monate zurück, bei einer Person sogar neun Monate. Damit wird ein Problem offenbar, auf das weiter unten noch eingegangen wird: Manche der vom RKI als "COVID-19-Todesfälle" geführten Sterbefälle können gar nicht am Virus SARS-CoV-2 verstorben sein, weil zu viel Zeit zwischen Infektion und Tod vergangen ist, als dass das Virus tatsächlich für den Tod ursächlich gewesen sein könnte.

Bestimmt man nun für jeden Infektionstag (Meldedatum der Infektion) die Anzahl der Todesfälle, die bisher irgendwann später verstorben ist, zeigt sich folgendes Bild (Stand 21.12; Datenquelle: RKI Daten):

Wichtig ist zunächst die Anmerkung, dass insbesondere die Balken der drei letzten Wochen noch stark wachsen werden, weil bei diesen Infektionen der Krankheitsausgang noch nicht bei allen klar ist und es einen Meldeverzug bei den Todesfällen gibt. Aber man kann einen wichtigen Punkt eindrücklich erkennen: Viele der aktuell an einem Tag "neu" gemeldeten Todesfälle hatten sich bereits vor längerer Zeit infiziert.

Bemerkenswert ist vor allem, dass die maximale Anzahl der an einem bestimmten Tag gemeldeten und später verstorbenen Personen nur bei 450 liegt. Dieser Wert ist noch immer durch Wochenendeffekte nach oben verzerrt, welche es auch beim Meldedatum der Infektionen gibt. Rechnet man Wochenendeffekte mittels eines gleitenden 7-Tage-Durschschnitts heraus, liegt der Maximalwert sogar nur bei 357.

Das zeigt, dass die Zahl von 960 Todesfällen, welche am 16. Dezember vom RKI "neu" gemeldet wurden, um fast das Dreifache über der Anzahl der bisher tatsächlich pro Infektionstag verstorbenen Personen liegt. Geht man davon aus, dass das Sterbegeschehen in etwa dem Infektionsgeschehen folgt, würden demnach die aktuell vom RKI berichteten hohen Todesfallzahlen die Anzahl der tatsächlich pro Tag verstorbenen Personen um in etwa das Dreifache überschätzen.

Die Verlaufskurve der pro Infektionstag (Meldedatum der Infektion) versterbenden Personen zeigt noch etwas interessantes: die Kurve ist bereits vor vier Wochen abgeflacht. Das heißt, das Maximum der pro Infektionstag versterbenden Personen könnte im Zuge der zweiten Welle sogar bereits schon erreicht worden sein. In Wirklichkeit würde die Anzahl der aktuell pro Tag tatsächlich versterbenden Personen - anders als die vom RKI täglich gemeldeten Zahlen den Anschein erwecken - dann bereits schon wieder sinken. Allerdings gilt es hier noch die Nachmeldungen der nächsten Tage abzuwarten.

Fast noch interessanter ist eine weitere Beobachtung: Ähnlich wie oben bei den Neuinfektionen, kann man auch bei den vom RKI als "COVID-19-Todesfälle" bezeichneten Sterbefällen analysieren, bei wie vielen Sterbefällen der Erkrankungsbeginn bekannt versus nicht bekannt ist. Die folgende Abbildung zeigt, was passiert, wenn man die Balken in der vorherigen Graphik zu den Todesfällen unterteilt nach "Todesfälle mit bekanntem Symptombeginn" (blaue Balken) und "Todesfälle mit unbekanntem Symptombeginn" (gelbe Balken):

Wie die Abbildung zeigt, sind in Bezug auf die Todesfälle mit bekanntem Symptombeginn im Zuge der ersten Welle in der Spitze deutlich mehr Personen pro Infektionstag verstorben als im Zuge der zweiten Welle. Der starke Anstieg im Rahmen der zweiten Welle geht also schwerpunktmäßig auf Todesfälle zurück, bei denen der Symptombeginn nicht bekannt ist. Sollte der Symptombeginn bei diesen Todesfällen deswegen nicht bekannt sein, weil sie keine COVID-19-spezifischen Symptome hatten, hieße das: Die aktuell vom RKI gemeldeten hohen Zahlen an "COVID-19-Todesfällen" gehen darauf zurück, dass zahlreiche der eigentlich an anderen Todesursachen verstorbenen Personen vom RKI fälschlicherweise als "COVID-19-Todesfälle" gezählt werden.

Dass diese Möglichkeit besteht, liegt an der eigenartigen Art der Diagnostik des RKI, nach welcher ein Sterbefall selbst dann als "COVID-19-Todesfall" gezählt wird, wenn eine Person in Wirklichkeit an anderen Todesursachen verstorben ist und nur zusätzlich ein positives SARS-CoV-2-Testergebnis vorliegt. So sagte der RKI-Präsident Lothar Wieler auf einer Pressekonferenz am 23. März zur Art der Zählung des RKI:

Also in Deutschland ist es so, dass alle Menschen, bei denen COVID-19 diagnostiziert wurde, und wenn sie dann sterben, dann sind das COVID-19-Fälle. Das heißt, wir zählen einfach. Das Entscheidende ist das Ergebnis des Tests COVID-19. Da wird nicht unterschieden, ob sie dann Grundkrankheiten hatten oder nicht, sondern im Nachhinein erhalten wir dann die Informationen, ob die Menschen, die verstorben sind, Grundkrankheiten hatten oder nicht. Wir melden alle Fälle, die COVID-19-positiv sind und gestorben sind als COVID-19-Sterbefälle.

Wie die obige Abbildung zum Infektionsdatum der am 16. Dezember vom RKI neu gemeldeten Todesfälle sichtbar macht, werden vom RKI Sterbefälle selbst dann als "COVID-19-Todesfälle" gezählt, wenn das Meldedatum des positiven Testergebnisses mehrere Monate zurückliegt und die Person eigentlich als vom Coronavirus genesen galt (für eine ausführliche Diskussion siehe: "Coronavirus-Todesfälle: Über die fragwürdige Diagnostik und die irreführende Darstellung in Regierungserklärungen"). Wie ein offizielles Schreiben des Gesundheitsamtes der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern an alle Praxen des Landkreises Aichach-Friedberg von Anfang Dezember zeigt, wird zudem aktuell das Testen von Verstorbenen nach deren Tod auch noch intensiviert. So heißt es in den Schreiben (Quelle: Twitter):

Des Weiteren bittet das Gesundheitsamt darum, bei verstorbenen Heimpatienten, die bisher negativ auf COVID-19 getestet waren, im Rahmen der Leichenschau einen erneuten PCR-Abstrich durchzuführen.

Die Absurdität einer solchen Diagnostik wird sogar von RKI-Präsident Lothar Wieler selbst auf den Punkt gebracht - allerdings nicht in Bezug auf die Diagnostik von Covid-19-Todesfällen, sondern in Bezug auf die Diagnostik auf mögliche Todesfälle im Zusammenhang mit der bevorstehenden Impfung der Hochrisikogruppen. Er sagte dazu auf der Pressekonferenz am 3. Dezember:

Über eines müssen wir uns auch klar sein. In Deutschland sterben ja im Schnitt so rund 2.500-2.700 Menschen jeden Tag. Das ist die normale Todesrate. In Deutschland sterben im Jahr so ca. 900.000 Menschen. Und das heißt also, es wird unter anderem ja auch vorkommen, das ist einfach mit einer statistischen Wahrscheinlichkeit verbunden, dass auch Menschen zeitlich im Zusammenhang mit der Impfung versterben werden. Und dann ist es natürlich extrem wichtig herauszufinden, ob der Grund die Impfung war oder eben eine andere zugrundeliegende Krankheit. Denn wir werden ja auch am Anfang gerade die Hochrisikogruppen impfen, und das sind ja gerade auch die alten und hochalten Menschen, die ja natürlich ebenfalls ein höheres Risiko haben zu versterben, ganz einfach, weil so schon ein hohes Alter erreicht haben.

Es ist äußerst schwer zu verstehen, warum hier vom RKI mit zweierlei Maß gemessen wird: Bei Verstorbenen, die im zeitlichen Zusammenhang mit einem positiven SARS-CoV-2-Testergebnis versterben, wird jede Person als "COVID-19-Todesfall" gezählt, egal an welcher Todesursache eine Person tatsächlich verstorben ist. Bei Verstorbenen, die im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung versterben, es plötzlich extrem wichtig zu klären, woran eine Person tatsächlich verstorben ist.

Die hohe Anzahl an aktuell berichteten "COVID-19-Todesfällen" könnte also daran liegen, dass Personen, die eigentlich an anderen Todesursachen verstorben sind, fälschlicherweise vom RKI als "COVID-19-Todesfälle" gezählt werden. In der Tat gibt es mehrere empirische Hinweise darauf, dass dem so sein könnte. Ein erster Hinweis stammt aus der vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Sonderauswertung zu den Sterbefallzahlen 2020.

Die folgende Abbildung zeigt noch einmal die bereits im vorherigen Artikel zu den Kollateralschäden von Lockdowns gezeigten Graphik zur Übersterblichkeit im Jahr 2020 verglichen mit den Jahren 2016-2019 (blaue Balken: Anzahl der Todesfälle 2020 über bzw. unter dem Durchschnitt der Jahre 2016-2019) und die Anzahl der mit und am SARS-CoV-2-Virus verstorbenen Personen (rote Balken):

Während die Übersterblichkeit im Zuge der ersten Welle recht genau Hand in Hand mit der Anzahl der mit und am Coronavirus verstorbenen Personen geht, ist das im Zuge der zweiten Welle nicht der Fall: Da ist die Übersterblichkeit schon seit der 32. Kalenderwoche relativ durchgängig auf einem höheren Niveau, während die Anzahl der mit und am Coronavirus verstorbenen Personen unabhängig davon erst ab etwa der 40. Kalenderwoche zu steigen beginnt.

Die Zunahme in der Anzahl der mit und am SARS-CoV-2-Virus verstorbenen Personen geht also zumindest bisher nicht mit einer vergleichbaren Erhöhung der Übersterblichkeit einher, denn diese war schon die ganze Zeit relativ hoch - was neben zufälligen saisonalen Schwankungen wie z.B. Hitzewellen insbesondere auf die Nebenwirkungen der angstschürenden Kommunikation und der ergriffenen Corona-Maßnahmen zurückzuführen ist (siehe der zweite Artikel dieser Serie zu den fehlenden wissenschaftlichen Begründungen des "harten Lockdowns": Die ignorierten Kollateralschäden). Allerdings bleibt auch hier noch abzuwarten, wie sich die Zahlen weiter entwickeln werden.

Das ist ein Hinweis darauf, dass viele der als "COVID-19-Todesfälle" gezählten Sterbefälle in Wirklichkeit an anderen Ursachen verstorben sind, denn ansonsten müsste die Übersterblichkeit mit der zunehmenden Anzahl der mit und am SARS-CoV-2-Virus verstorbenen Personen zunehmen. Noch klarere Hinweise auf eine solche Fehldiagnostik gibt es aus anderen Ländern.

Die folgende Abbildung zeigt eine illustrative Graphik zur Übersterblichkeit in Bezug auf andere Todesursachen und der Anzahl der "COVID-19-Todesfälle" in London (Quelle: Twitter). In den letzten Wochen sinkt dort im Zuge der Zunahme der "COVID-19-Todesfälle" spiegelbildlich die Anzahl der an anderen Ursachen verstorbenen Todesfälle:

Es gibt noch einen weiteren Hinweis auf eine zunehmende Fehldiagnostik der eigentlich an anderen Ursachen verstorbenen Sterbefälle als "COVID-19-Todesfälle. Im offiziellen täglichen Lagebericht des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) wird immer der aktuelle Prozentsatz der als "COVID-19-Todesfälle" geführten Sterbefälle angegeben, welcher wirklich ursächlich am SARS-CoV-2-Virus verstorben ist. Dieser Wert hat sich in den letzten Wochen substantiell verändert, wie die beiden Screenshots in der folgenden Abbildung zeigen:

Während bis Ende Oktober laut LGL 88,1 Prozent (99% x 89%) der als "COVID-19-Todesfälle" geführten Sterbefälle ursächlich am Coronavirus verstorben sind, ist dieser Wert zum 14. Dezember auf nur noch 81,0 Prozent (92% x 88%) gesunken. Man muss zur Beurteilung der Größenordnung noch beachten, dass es sich um kumulative Wahrscheinlichkeiten handelt - der Prozentwert in den letzten sechs Wochen muss also deutlich unter 81,0 Prozent betragen haben. Rechnet man die entsprechenden Werte aus, so ist der Prozentwert von tatsächlich ursächlich am Virus SARS-CoV-2 verstorben "COVID-19-Todesfällen" seit Anfang November von 88,1 auf 74.1 Prozent gesunken.

Wichtig ist noch die Anmerkung, dass nicht einmal alle der vom LGL als "an SARS-CoV-2 verstorben" gezählten Todesfälle tatsächlich am SARS-CoV-2-Virus verstorben sein müssen, da laut Falldefinitionsdokument des RKI für eine solche Diagnose ein unspezifisches klinisches Bild im Sinne von "akute respiratorische Symptome jeder Schwere" ausreichend ist. Solche Symptome können aber auch von anderen Viren wie beispielsweise von den weitaus stärker verbreiteten Rhinoviren ausgelöst werden.

Ohne eine genauere differentialdiagnostische Untersuchung ist nicht auszuschließen, dass die Symptome in Wirklichkeit von anderen gleichzeitig vorhandenen Virusinfekten stammen und das mittels PCR-Test nachgewiesene Genmaterial des Virus SARS-CoV-2 in Wirklichkeit gar keine Krankheitssymptome hervorgerufen hat (für eine ausführliche Diskussion siehe: "Coronavirus-Todesfälle: Über die fragwürdige Diagnostik und die irreführende Darstellung in Regierungserklärungen").

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die bis zu knapp 1000 Todesfälle pro Tag, welche in der letzten Woche vom RKI gemeldet wurden, aufgrund von Meldeverzugsproblemen die Anzahl der tatsächlich an einem Tag verstorbenen Personen sehr stark überschätzen. Hinzu kommt, dass es sich - anders als im Frühjahr - bei einem Großteil der Todesfälle um Fälle handelt, bei welchen der Symptombeginn unbekannt ist.

Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass viele der im Zuge der zweiten Welle vom RKI gemeldeten "COVID-19-Todesfälle" in Wirklichkeit an anderen Todesursachen verstorben sind, was durch die aktuellen Zahlen zum fehlenden Anstieg der Übersterblichkeit und den Zahlen aus Bayern zum sinkenden Anteil der ursächlich am Virus SARS-CoV-2 verstorbenen Personen bestätigt wird.

Die Belastung der Intensivstationen

Sowohl Angela Merkel in ihrer Regierungserklärung als auch der Journalist Rainald Becker vom SWR in seinem eingangs erwähnten angstschürenden Tagesthemen-Kommentar sprechen außerdem davon, dass die Intensivstationen bereits sehr stark belastet seien und eine Überlastung unbedingt zu vermeiden sei. Bestätigt scheint das auch durch aktuelle Zahlen aus Bayern zu werden. So heißt es in einem Artikel auf BR 24 vom 19.12.:

In Bayern werden wegen der Corona-Krise die Intensivbetten knapp. Mehrere Landkreise meldeten am Samstag, kein einziges freies Intensivbett sei mehr zu haben - das geht aus dem deutschlandweiten Register der Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hervor. Überhaupt keine freie Betten gibt es demnach in den Landkreisen Würzburg, Landshut, Regen, Aichach-Friedberg, Landsberg-Lech, Altötting und Fürstenfeldbruck.

Solche Aussagen können in zweierlei Hinsicht genauer beleuchtet werden: Zum einen kann man prüfen, ob die Belastung im Zuge der zweiten Welle im Vergleich zum Sommer angestiegen ist. Zum anderen kann man prüfen, ob die Belastung im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr - einem Jahr ohne besonders starke Grippewelle - angestiegen ist.

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) führt gemeinsam mit dem RKI das sogenannte DIVI-Intensivregister. Dort werden alle intensivmedizinisch behandelten sogenannten "COVID-19-Patienten" und die Bettenkapazitäten auf Intensivstationen von allen Krankenhäusern in Deutschland erfasst.

Auf der DIVI-Webpage wird tagesaktuell eine Graphik zu den entsprechenden Zahlen veröffentlicht. Die folgende Abbildung zeigt den deutschlandweiten Verlauf der Anzahl der "COVID-19-Intensivpatienten" und der Anzahl der insgesamt belegten Intensivbetten. Die roten Zahlen entsprechen der Maximalbelegung vor der zweiten Welle und aktuell während der zweiten Welle, die grünen Zahlen die zum jeweiligen Zeitpunkt freien Intensivbetten (Stand 21.12.):

Wie die Abbildung zeigt, ist zwar die Anzahl der "COVID-19-Intensivpatienten" auf einen Wert von über 5.167 gestiegen. Allerdings hat sich die Anzahl der insgesamt belegten Intensivbetten kaum verändert. Hier ist sogar noch einzurechnen, dass im September die Anzahl der meldenden Kliniken noch geringer war als aktuell im Dezember, so dass die Anzahl der insgesamt belegten Intensivbetten im September eigentlich noch nach oben korrigiert werden müsste.

Auf der Ebene der insgesamt belegten Intensivbetten ist demnach kein Anstieg zu erkennen ist. Allerdings ist die Anzahl der freien Intensivbetten deutlich gesunken (für die möglichen Gründe siehe unten). Trotzdem sind aktuell noch 18,12 Prozent der verfügbaren Intensivbetten frei - die Intensivbetten in Notreserve sind hier noch gar nicht mitgezählt (Quelle: DIVI-Intensivregister, Stand 21.12.).

Deutschlandweit betrachtet lässt sich also im Schnitt keine Überlastung der Intensivstationen erkennen. Bestätigt wird diese Einschätzung durch den Chef des Klinikbetreibers Fresenius, Stephan Sturm, welcher mit der Tochter Helios Deutschlands größter privater Klinikbetreiber ist und jährlich rund 5,6 Millionen Patienten behandelt. Er sagte in einem Interview am 14. Dezember (zitiert nach RNDl):

Dort, wo es zu Engpässen in Krankenhäusern gekommen sei, sei das meist wegen des Mangels an Intensivpflegekräften geschehen und nicht wegen fehlender Intensivbetten. Den viel diskutierten Personalmangel habe es schon vor der Corona-Krise gegeben. (…) In den 89 deutschen Helios-Kliniken sei die zweite Corona-Welle angekommen", sagte Sturm. "Aber wir haben insgesamt noch ausreichend Kapazitäten". Helios behandle derzeit mehr als 1400 Corona-Patienten, davon rund ein Fünftel oder rund 280 Menschen auf Intensivstationen. Helios habe rund 1400 Intensivbetten, kurzfristig könne man weitere 1000 Intensivbetten bereitstellen.

Ein Rätsel stellt die Beobachtung dar, dass trotz der starken Zunahme der Zahl an sogenannten "COVID-19-Intensivpatienten" auf knapp 5.200 die Anzahl der insgesamt belegten Betten kaum gestiegen ist. Eine Erklärungsmöglichkeit ist, dass verschiebbare Operationen - sogenannte "elektive Eingriffe" - aufgeschoben werden. Allerdings scheint das nur ein Teil der Erklärung zu sein. So sagt der Chef des Klinikbetreibers Fresenius im oben erwähnten Interview dazu:

Welche Patienten behandelt werden sollten - ob Corona-Kranke oder andere - "sollten nicht Politiker aus der Ferne entscheiden, sondern Ärzte vor Ort". Die Hälfte der Kapazitäten in den Helios-Kliniken sei von elektiven Eingriffen belegt, Patienten blieben im Schnitt vier Tage."Wir können also in vier Tagen ein halbes Krankenhaus freiräumen."

Zumindest in den Helios Kliniken scheint demnach ein Aufschieben elektiver Eingriffe nur bedingt stattzufinden. Welche Erklärungsmöglichkeiten könnte es noch geben? Eine weitere Erklärungsmöglichkeit wird offenbar, wenn die Art der Diagnostik genauer betrachtet wird.

Eine offizielle Antwort auf eine Anfrage an das DIVI-Intensivregister zur Diagnostik von "COVID-19-Intensivpatienten" offenbart auch hier - ähnlich wie bei den Todesfällen - ein fundamentales diagnostisches Problem. Dort wird bestätigt, dass (1) jeder Intensivpatient - unabhängig von der Symptomatik - mit einem SARS-CoV-2-PCR-Test getestet wird und (2) jeder Intensivpatient - unabhängig von der Symptomatik - mit einem positiven SARS-CoV-2-PCR-Testergebnis als "COVID-19-Intensivpatient" geführt wird (siehe Screenshot der Antwort des DIVI-Intensivregisters in der folgenden Abbildung). Letzteres wird auch in einer offiziellen Antwort des RKI auf eine entsprechende Anfrage bestätigt.

Selbst wenn Patienten demnach in Wirklichkeit beispielsweise wegen Herzkrankheiten, Schlaganfällen oder Unfällen ohne jede weitere COVID-19-spezifische Krankheitssymptome auf Intensivstation liegen, werden diese beim Erhalt eines positiven SARS-CoV-2-PCR-Testergebnisses als "COVID-19-Intensivpatienten" gezählt.

Eine Erklärungsmöglichkeit dafür, dass trotz des starken Anstiegs an sogenannten "COVID-19-Intensivpatienten" die Anzahl der insgesamt belegten Intensivbetten relativ gleichbleibt, könnte also sein, dass nur eine Art "Umetikettierung" von "normalen" Intensivpatienten in "COVID-19-Intensivpatienten" stattfindet. Um diese Erklärungsmöglichkeit zu prüfen, bräuchte man allerdings genauere klinische Informationen zu den als "COVID-19-Intensivpatienten" gezählten Patienten, welche aber leider nicht verfügbar sind.

Obwohl im Schnitt deutschlandweit keine außergewöhnliche Belastung der Intensivbetten erkennbar ist, kommt es in einigen Kliniken trotzdem zu Engpässen. Als aktuelles Beispiel nennt der Journalist Rainald Becker vom SWR in seinem eingangs erwähnten angstschürenden Tagesthemen-Kommentar das Bundesland Sachsen, im erwähnten BR24-Artikel heißt es, dass auch in Bayern die Intensivbetten knapp werden würden.

Hier kann man zunächst mit Hilfe des DIVI-Intensivregisters die tatsächliche aktuelle Lage prüfen. Diese sieht so aus - die roten Zahlen entsprechen wieder der Maximalbelegung vor der zweiten Welle und aktuell während der zweiten Welle, die grünen Zahlen die zum jeweiligen Zeitpunkt freien Intensivbetten (links: Sachsen, rechts: Bayern; Stand 21.1.):

In Sachsen ist die Anzahl der belegten Intensivbetten im Vergleich zum Höhepunkt im Sommer nur um 52 gestiegen, während die Anzahl der als "COVID-19-Intensivpatienten" gezählten Intensivpatienten auf 580 gestiegen ist. In Bayern zeigt sich ein vergleichbares Bild, dort ist die Anzahl der belegten Intensivbetten im Vergleich zum Höhepunkt im Sommer nur um 46 gestiegen, während die Anzahl der als "COVID-19-Intensivpatienten" gezählten Intensivpatienten auf 819 gestiegen ist. Nach wie vor sind in Sachsen 15,12 Prozent und in Bayern 16,93 Prozent der verfügbaren Intensivbetten frei - die Notfallreserve von 636 (Sachsen) bzw. 1. 230 (Bayern) Intensivbetten ist hier noch gar nicht eingerechnet.

Selbst die im BR24-Artikel genannten lokalen Engpässe stellen sich bei einer genaueren Betrachtung als weitaus weniger dramatisch dar, als sie auf den ersten Blick klingen. So heißt es im Artikel, dass es im Landkreis Würzburg überhaupt keine freien Betten gibt. Das war zwar in der Tat richtig. Allerdings muss man wissen, dass bei den im Landkreis Würzburg verfügbaren Intensivbetten die in der Stadt Würzburg verfügbaren Intensivbetten nicht mitgezählt werden.

Von den im Landkreis Würzburg verfügbaren 10 Intensivbetten waren zwar alle belegt, aber von den in der Stadt Würzburg verfügbaren 141 Betten sind aktuell 27 Prozent (!) frei. Hinzu kommt, dass von den im Landkreis Würzburg belegten Intensivbetten nur ein einziges Bett mit einem COVID-19-Intensivpatienten belegt war. Der Engpass im Landkreis ging also zudem gar nicht auf COVID-19-Intensivpatienten zurück.

Vergleicht man solche laut dem Tagesthemen-Kommentar von Rainald Becker "dramatischen Zahlen" mit den lokalen Engpässen in der Vergangenheit, zeigt sich, dass in den Vorjahren die Lage lokal dramatischer war. So titelte die Bildzeitung damals im März 2018 zur Zeit der starken Grippewelle: "Grippe-GAU in Leipzigs Kliniken", im Text wurde dann folgender Hilferuf eines Klinik-Mitarbeiters aus Leipzig zitiert:

Die Intensivstationen sind überlastet, Patienten werden abgewiesen, weil keine Betten mehr frei sind! Und selbst beim Personal ist der Krankenstand dramatisch hoch.

Das Klinikum Bad Hersfeld berichtete damals in der Hersfelder Zeitung:

Von den 600 Betten im Klinikum und den Akutbetten im Herz-Kreislauf-Zentrum (HKZ) seien seit Wochen alle belegt. Am Klinikum waren sowohl die Intensivstation als auch die Innere Medizin am Dienstag abgemeldet. Es konnten keine neuen Patienten aufgenommen werden. Mittlerweile sind die Stationen wieder geöffnet. Die Intensivstation im HKZ ist allerdings weiter abgemeldet. ‚Die Kapazitäten sind erschöpft‘, sagt Hampe. Auch das Personal bleibe nicht verschont. ‚Rund zehn Prozent, also etwa 150 von 1500 Mitarbeitern, sind erkrankt‘, sagt Hampe. Dass Krankenhausbetten in ganz Hessen derzeit Mangelware sind, verschärft die Situation zusätzlich. Die Kliniken im Landkreis werden von Krankenhäusern im Umland angefragt. Selbst aus Frankfurt gab es Anfragen, weil Patienten dort nicht mehr aufgenommen werden konnten. Hampe spricht von einem ‚absurden Patiententourismus‘, der sich aktuell in Hessen abspiele. Auch das Kreiskrankenhaus Rotenburg stößt wegen der Grippewelle an seine Kapazitätsgrenze. Jede fünfte Pflegekraft ist in der vergangenen Woche selbst wegen Grippe ausgefallen. Das Haus war bis unters Dach belegt, sagt Geschäftsführer Frank Alemany. Deshalb musste man die Bettenzahl um 20 Prozent senken und hat planbare Behandlungen verschoben. Auch die zehn Intensivbetten waren voll belegt, eine Anfrage für ein Bett kam sogar aus Wiesbaden.

Angesichts solcher Schilderungen könnte man den Eindruck gewinnen, dass die aktuelle Belastung der Intensivstationen bei weitem keine Ausnahmesituation darstellt. In der Tat offenbart ein Vergleich mit dem Jahr 2019 - welches anders als das Jahr 2018 nicht einmal von einer sehr starken Grippewelle geprägt war - sehr überraschende Ergebnisse. In einer Analyse der Abrechnungsdaten von 272 Kliniken der Initiative Qualitätsmedizin (IQM), in welchen insgesamt 22% der Krankenhauspatienten in Deutschland behandelt wurden, wurden die Jahre 2019 und 2020 bis einschließlich der Kalenderwoche 48 miteinander verglichen. Die folgende Abbildung zeigt die Ergebnisse für die Anzahl der belegten Intensivbetten und die Anzahl der beatmeten Intensivpatienten:

Angesichts der Bilder von überfüllten Intensivstationen und Beatmungsplätzen in den Medien und der entsprechenden Darstellung in Regierungserklärungen sind diese Ergebnisse wirklich sehr überraschend: Es gab im kompletten Jahr 2020 zumindest bis zur Kalenderwoche 48 praktisch keinen Zeitpunkt, an dem mehr Patienten beatmet wurden verglichen mit dem Jahr 2019. Ähnlich ist es mit der Anzahl von Patienten, die intensivmedizinisch behandelt werden mussten.

Interessant ist auch ein Vergleich der Anzahl der stationär behandelten Fälle mit schweren Atemwegsinfektionen (sogenannte "SARI-Fälle"), welcher in der folgenden Abbildung dargestellt ist:

Auch hier zeigt sich das gleiche überraschende Bild: Es gab im kompletten Jahr 2020 keinen einzigen Zeitpunkt, an dem mehr Patienten wegen schwerer Atemwegsinfektionen behandelt werden mussten als 2019.

Bestätigt werden diese Befunde durch die von der Helios-Gruppe täglich bereitgestellten Zahlen zur Betten-Auslastung der 89 Helios-Kliniken in Deutschland. Dort wird eine Graphik zur Anzahl der Fälle auf Normalstationen und Intensivstationen gezeigt im Vergleich zur gemittelten Fallzahl im Vorjahreszeitraum, welche in der folgenden Abbildung gezeigt wird (Stand: 21.12.):

Auch in den Helios-Kliniken ist die Auslastung im November und Dezember 2020 an keinem Tag höher als im Vorjahr, wobei hier noch einmal wichtig ist zu erwähnen, dass - wie im obigen Interview vom Chef des Klinikbetreibers, Stephan Sturm, ausgesagt - nach wie vor zahlreiche Betten mit Patienten aus verschiebbaren Operationen belegt sind. Die geringere Auslastung in den Helios-Kliniken im Jahr 2020 kann also nicht mit dem Verschieben von elektiven Eingriffen erklärt werden.

Offenbar wird also von den Medien und den Regierungen ein Zerrbild gezeichnet: Obwohl bundesweit relativ viele Intensivbetten frei sind und im Schnitt keinerlei Ausnahmesituation erkennbar ist, wird ausschnitthaft über Kliniken berichtet, in welchen die Intensivstation überfüllt sind, ohne diese Bilder in den Kontext der vielen Kliniken zu stellen, welche keinerlei Überfüllung aufweisen.

Eine solche Berichterstattung ist irreführend. Hinzu kommt das Problem, dass solche Bilder sehr eindrücklich sind und man sich diesen kaum entziehen kann. Das damit verbundene Problem ist, dass dadurch eine Fehlwahrnehmung der Situation erzeugt wird, welche zu einem fehlgeleiteten Denken und Handeln führen kann.

Abschließend ist noch ein Hinweis wichtig: Dass es sowohl im Vergleich zum Sommer als auch im Vergleich zu den Vorjahren keine außergewöhnliche Belastung hinsichtlich der belegten Betten gibt, heißt nicht, dass das Klinikpersonal nicht überlastet wäre. Angesichts des hohen Infektionsschutz- und Betreuungsaufwandes wird hier aktuell - wie auch in den Vorjahren bei ähnlicher oder gar höherer Belegung - außergewöhnliches geleistet. Hier ist definitiv zu fordern, dass - unabhängig von der aktuellen Situation - generell Kliniken personaltechnisch besser ausgestattet werden und das Personal entsprechend der höheren Belastung entlohnt wird.

Zusammenfassend ist auf der Ebene der Bettenbelegung in den Kliniken - entgegen der Darstellung in den Regierungserklärungen, in vielen Medien und von manchen Wissenschaftlern - sowohl im Vergleich zum Sommer als auch im Vergleich zu den Vorjahren keine Ausnahmesituation erkennbar. Selbst im Frühjahr, als tagtäglich Bilder von überfüllten Intensivstationen in den Medien zu sehen waren, war die Belegung der Intensivstationen und der Beatmungsplätze geringer als im Vorjahr 2019, welches durch keine größere Grippewelle geprägt war. Es ist also keine außergewöhnliche Überlastung der Intensivstationen zu erkennen, welche das Ergreifen von nie dagewesenen Maßnahmen rechtfertigen würde.

Zusammenfassung

Zusammenfassend zeigen die drei Artikel der Serie zu den fragwürdigen wissenschaftlichen Begründungen eines "harten Lockdowns", dass dessen Verordnung höchst fragwürdig ist. Zum einen gibt es keine belastbaren empirischen Beweise, dass mittels eines Lockdowns die Ausbreitung des Coronavirus SARS-CoV-2 wirksam eingedämmt werden könnte (siehe der erste Artikel dieser Serie zu den wissenschaftlichen Begründungen des "harten Lockdowns": Die fehlenden wissenschaftlichen Nachweise der Wirksamkeit).

Gleichzeitig gibt es zahlreiche empirische Belege, dass Lockdowns mit dramatische Kollateralschäden verbunden sein können, welche den Nutzen von Lockdowns deutlich überwiegen (siehe der zweite Artikel dieser Serie zu den wissenschaftlichen Begründungen des "harten Lockdowns": Die ignorierten Kollateralschäden). Aus der Perspektive einer evidenzbasierten Medizin ist demnach das Verhängen eines harten Lockdowns absolut nicht nachvollziehbar und auch ethisch nicht vertretbar.

Hinzu kommt, dass eine genauere Analyse der vom RKI veröffentlichten Fallzahlen zu den Neuinfektionen, den Todesfällen und den Intensivpatienten zeigt, dass die von den Regierungen, vielen Medien und manchen Wissenschaftlern verkündete dramatische Gefahrenlage in Wirklichkeit als deutlich geringer einzuschätzen ist. Der erneute Anstieg in den Neuinfektionen geht schwerpunktmäßig auf Personen zurück, welche zwar infiziert, aber gar nicht erkrankt sind.

Die Anzahl der vom RKI täglich berichteten "neuen COVID-19-Todesfälle" spiegelt die Anzahl der tatsächlich täglich am Virus SARS-CoV-2 versterbenden Personen extrem nach oben verzerrt wider, weil der Meldeverzug bei der Interpretation nicht beachtet wird und viele Personen nur mit aber nicht ursächlich am Virus SARS-CoV-2 verstorben sind. Die Anzahl der belegten Intensivbetten war im Sommer vergleichbar hoch und in den Vorjahren sogar höher, auch die lokal existierenden Engpässe sind im Vergleich mit den Vorjahren nicht als dramatischer einzuschätzen.

Anders als von vielen Medien, in Regierungserklärungen und von manchen Wissenschaftlern der Anschein erweckt wird, gibt es demnach keinen Grund, außergewöhnliche Ängste zu haben und bisher nie dagewesene Maßnahmen zu ergreifen

Selbstverständlich soll mit diesem Artikel das Leid von schwer am Virus SARS-CoV-2-Virus erkrankten Personen in keiner Weise verharmlost werden. Hier gilt es, eine möglichst gute Betreuung unbedingt sicherzustellen und alle davon Betroffenen bestmöglich zu unterstützen. Für einen sinnvollen Umgang einer Gesellschaft mit einer Viruserkrankung ist aber ein Blickwinkel über die Betrachtung von einzelnen Schicksalen hinaus notwendig.

Hier ist es wichtig, zum einen die Bedrohung für die Gesamtbevölkerung richtig und valide abzuschätzen. Zum anderen ist es wichtig, auf Situationen nicht nur mit einem virologischen Blickwinkel verengt auf ein einzelnes Virus zu blicken. Stattdessen gilt es den ganzen Menschen mit all seinen körperlichen, psychischen und sozialen Bedürfnissen in den Blick zu nehmen und Situationen sowie die Konsequenzen von Maßnahmen umfassend zu bewerten.

Hier mit emotionalisierenden Bildern einzelner Schicksale zu arbeiten, ist gefährlich, da sich dadurch automatisch der Blickwinkel verengt und rationale Abwägungsprozesse beeinträchtigt werden können. Stattdessen muss die Bevölkerung objektiv, evidenzbasiert und sachlich korrekt über die verschiedenen Sachverhalte aufgeklärt werden. Genau dazu soll dieser Artikel einen Beitrag leisten.

Abschließend möchte ich noch einen Punkt klarstellen: Als Autor von Beiträgen, welche Regierungsmeinungen kritisch hinterfragen, wird man aktuell leider oft in den Kontext von in meinen Augen sehr problematischen Gruppierungen (Verschwörungstheoretiker, Rechtsextreme, etc.) gerückt, ohne dass es dafür auch nur annähernd einen Grund geben würde. Von solchen Gruppierungen möchte ich mich so klar wie nur möglich distanzieren.

Meine einzige Motivation zum Schreiben solcher Artikel besteht darin, dass ich mich als Wissenschaftler und Mensch in der Pflicht sehe, die aus einer wissenschaftlichen Sicht ungenügenden Begründungen hinter bestimmten Maßnahmen zu hinterfragen, auf das Leid hinzuweisen, das, womöglich ohne darum zu wissen, mit diesen Maßnahmen erzeugt wird, und die aus einer Fehlinterpretation der Corona-Zahlen resultierenden extremen Ängste zu hinterfragen, welche unser Menschsein als genuin soziale Wesen in den Grundfesten zu erschüttern drohen. (Christof Kuhbandner)