Vorbildliches Portugal: Vorsichtige Öffnung

Bild: Emily Schoeme/Pixabay

Corona: Nach dem harten Lockdown geht das Land in die dritte Phase

Portugal atmet langsam wieder durch und seit Anfang der Woche ist das Land in eine dritte Phase der vorsichtigen Öffnung nach dem harten Lockdown im Winter eingestiegen. Seit Montag sind auch Kinos, Theater und größere Einkaufszentren wieder geöffnet. In der Oberstufe und an Universitäten findet wieder Präsenzunterricht statt. Auch Innenräume von Restaurants und Cafés dürfen jetzt, wenn auch weiter eingeschränkt, wieder bis 22 Uhr genutzt werden.

Obwohl schon seit einem Monat wieder der Unterricht in den Unterstufen läuft und Kitas sowie Friseursalons geöffnet haben und seit zwei Wochen auch Terrassen von Restaurants, Bars und Cafés wieder eingeschränkt genutzt werden, wurde weder ein Anstieg von Infektionen noch ein stärkerer Druck auf Krankenhäuser registriert. Die Zahl der Coronavirus-Patienten in Krankenhäusern ist zum ersten Mal seit September auf unter 500 gefallen.

Alle Coronavirus-Indikatoren sind trotz der zaghaften Öffnung auch nach Ostern weiter stabil. Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner liegt (Stand: Montag) in der EU vorbildlich bei 34, während sie im Nachbarland Spanien wieder auf 128 gestiegen ist, in Deutschland auf 165 und in Frankreich sogar auf 339.

Besonders bedeutsam für Portugal ist aber, dass sich die Lage in den Hospitälern nach der Katastrophe im Winter deutlich entspannt hat, als das Land weltweit die höchste Inzidenz auswies, das Gesundheitssystem kollabierte und täglich etwa 300 Tote registriert wurden. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl wären das in Deutschland etwa 2.400 Tote täglich gewesen, weshalb die Regierung in Lissabon zur Notbremse gegriffen hatte.

Durch den harten Lockdown wurde Portugal vom Hotspot aber erneut zum Vorbild. Am Montag wurden im Land nur 441 bestätigte Neuinfektionen gemeldet und drei neue Todesfälle. In Deutschland waren es dagegen 11.437 Neuinfektionen und 92 neue Todesfälle.

Die sozialistische Regierung unter António Costa setzt weiter auf eine langsame und kontrollierte Öffnung. Man will, nachdem das Land gut durch die erste und zweite Welle gekommen ist, die hart erkämpften Erfolge nicht verspielen. Der Fehler einer schnellen Öffnung, der an Weihnachten zur fatalen dritten Welle geführt hatte, soll nicht wiederholt werden.

Deshalb bleiben die Landesgrenzen zu Spanien noch bis zum 3. Mai gesperrt. Zwar dürfen die Portugiesen nun am Wochenende den Bezirk verlassen, um an den Strand zu gehen, Familie oder Freunde zu besuchen, aber am Samstag und Sonntag müssen Gastronomiebetriebe schon um 13 Uhr schließen. Es wird zudem versucht, die Bevölkerung schnellstmöglich zu impfen. Massiv wird getestet, zum Beispiel an Schulen und Universitäten, um Infektionsherde schnell aufzuspüren. Selbsttests werden in Apotheken verkauft. In einigen Städten wie in der Hauptstadt Lissabon werden sie kostenlos abgegeben.

Die Öffnung gilt aber nicht für alle Städte. Es gibt zehn Ausnahmen, darunter auch Portimão, in denen die Inzidenz über 200 liegt. Sie müssen, falls sie es in Phase zwei geschafft hatten, wieder in Phase eins zurück und auch die Restaurant-Terrassen wieder schließen. Weitere sechs Gemeinden mit einer Inzidenz über 120 wie zum Beispiel Albufeira - ebenfalls an der Algarve -, bleiben dagegen in der zweiten Phase.

Für die Algarve, Madeira und die Azoren gibt es zudem eine Reisewarnung des Auswärtigen Amts, da die Sieben-Tage-Inzidenz über 50 liegt. Damit gilt eine Quarantänepflicht nach der Rückkehr. Alle Flugreisenden müssen weiterhin vor dem Rückflug ein negatives Testergebnis vorweisen, auch wenn sie nicht aus den drei Risikogebieten zurückkehren. (Ralf Streck)