Vorteil bei Wahlen: Rechte Politiker schauen angeblich schöner aus

Bild: DonkeyHotey/CC BY-2.0

Wissenschaftler ziehen aus ihrer Studie die Folgerung, dass im Medienzeitalter rechte Politik wegen der "Schönheitsprämie" einen Vorteil besitzt

Schöne Menschen, also diejenigen, die der biologisch und kulturell determinierten Norm entsprechen, haben es leichter, nicht nur im Hinblick auf sexuelle Attraktivität. Das wurde in vielen Studien festgestellt. Wer das Glück hat, ein attraktives, symmetrisches Gesicht und einen attraktiven Körper zu besitzen, kann mitunter damit rechnen, im Unterschied zu vom genetischen Schicksal weniger Begünstigten ein höheres Gehalt und bessere Karrierechancen zu erhalten und schon in der Schule besser zu fahren. Sie sollen eine höhere Selbsteinschätzung haben und eben besser behandelt werden.

Anders herum soll die Wahrscheinlichkeit für die weniger Schönen höher sein, auf der Strecke zu bleiben oder eine kriminelle Laufbahn einzuschlagen. Schönheit soll, so behaupten Wissenschaftler, einen Beitrag zur Herausbildung des persönlichen menschlichen Kapitals leisten. Schöne Frauen sollen ein geringeres Risiko laufen, verhaftet zu werden. Dagegen sollen, so die Wissenschaftler in ihrer Studie mit dem provokativem Titel "Ugly Criminals" Menschen, die "unattraktiv" sind, "mehr Verbrechen begehen als durchschnittlich aussehende Menschen. Sehr attraktive Menschen begehen im Vergleich zu durchschnittlich aussehende weniger Verbrechen."

Wenn denn Schönheit ein soziales Kapital ist, dann wirkt sie sich auch auf die Politik aus, also darauf, welchen Politikern man mehr Vertrauen entgegenbringt und welche eher gewählt werden. Schließlich findet schon die sexuelle Selektion über die Partnerwahl in einem Schaulaufen statt. Nach einer gerade im Journal of Public Economics erschienen Studie haben schöner aussehende Menschen in Europa, den USA und Australien eine größere Wahrscheinlichkeit, mehr Stimmen zu erhalten als weniger attraktive. Schönheit soll mehr zählen als Vertrauenswürdigkeit oder Kompetenz.

In einem Experiment legten die Wissenschaftler Versuchsteilnehmern Fotos von Kandidaten von finnischen Lokal- und Bundeswahlen, Mitgliedern des EU-Parlaments, Kandidaten für den US-Senat und für das australische Parlament vor. Die Versuchsteilnehmer sollten die Schönheit anhand einer Skala mit 5 Werten beurteilen. In einer zweiten Untersuchung wurden die Wahlen in Finnland untersucht.

Die Wissenschaftler wollen auch herausgefunden haben, dass konservative Politiker in Finnland im Allgemeinen schöner sein sollen, weswegen sie bei Wahlen auch Vorteile hätten. Die Unterschiede waren allerdings in dieser Studie geringfügig. Rechte Kandidaten würden besser aussehen und kompetenter wirken, was sich nicht durch die politische Orientierung, die Kleidung oder die Qualität der verwendeten Fotografien erklären lasse. Das habe sich auch in anderen Ländern wie Australien und Schweden gezeigt. Mehr Wählerstimmen werden aufgrund Schönheit jedoch eher in Lokalwahlen erzielt.

Warum gibt es eine Nähe zwischen Konservativen und schönen Menschen? Die angebotenen Erklärungen sind natürlich pure Spekulationen. So könnte das Interesse bestehen, mehr Geld zu verdienen, was man eher auf der politischen Rechten sieht. Da die Schönen besser dastehen und höhere Gehälter beziehen, sind sie eher zufrieden und weniger auf Veränderungen der Welt aus. Nach Umfragen sind Menschen, die sich selbst als attraktiv einschätzen, weniger dem Egalitarismus zugeneigt, was verständlich wäre, da sie dann Privilegien durch einen schönen Körper verlieren würden. Möglicherweise ist die Schönheitsprämie im rechten politischen Lager höher als im linken. Im linken Lager profitieren allerdings auch die Kandidaten von ihrer Attraktivität. Wenn die Menschen keine näheren Informationen über einen Kandidaten haben, würden sie schönere Menschen eher dem rechten Lager zuordnen.

Eine der Schlussfolgerungen: "Die gewachsene Bedeutung von Fernsehen und Internet sowie die gestiegene Mobilität der Wähler kann die Wahlchancen auf der rechten Seite verbessert haben." Ob das aktuell in der US-Präsidentschaftswahl den Ausschlag für Donald Trump gegeben hat? Leider gibt es hierzu keine Auskunft durch die Studie. Sympathisch fanden die meisten US-Bürger vor der Wahl weder Trump noch Clinton. Wer von beiden schöner ist, dürfte schwer zu entscheiden sein, auch ob die Kandidaten bei den Republikanern, die Trump ausgebootet hat, weniger attraktiv als er selbst sind, müsste man empirisch prüfen. Bei der Entscheidung zwischen Trump und Clinton dürfte das Geschlecht wichtiger gewesen sein als das Aussehen, die Kompetenzen der beiden waren höchst unterschiedlich, es haben viele Faktoren eine Rolle gespielt, nicht zuletzt der Wunsch nach einer Veränderung, auf den auch Barack Obama erfolgreich gesetzt hatte.

Sollte die "Schönheitsprämie" wirklich bei Wahlen wichtig oder mitunter bei einer knappen Ausgangslage auch wahlentscheidend sein, dann wäre eine Folgerung der Wissenschaftler höchst bedenklich. Die Rechten hätten, weil "schöner", größere Chancen in einer Mediendemokratie zu gewinnen, was aber eben auch politisch Folgen haben würde: "Erwartet werden kann, dass das Konsequenzen für den Wohlstand hat, da die relative Stärke der zwei in der Politik sich bekämpfenden Hauptseiten davon betroffen ist und damit die Art der Wirtschafts- und Sozialpolitik." Wer rechts wählt, wo sich eher die privilegierten "Schönen" und Erfolgreichen befinden, wird also den Erhalt der Ungleichheit wählen, die wiederum theoretisch die Grundlage für die Privilegien und Bevorzugung der Schönen, Mächtigen und Reichen ist. Möglicherweise muss man ja nicht schön sein, siehe Trump, sondern es reicht auch der Reichtum, um attraktiver zu sein, zumindest scheint der auf dem Partner- und Heiratsmarkt die Selektion nach Schönheit oft zu überwiegen.

Offen bleibt, was Linke aus den Ergebnissen ableiten sollten? Müssten sie, um weiterhin Chancen zu haben, verstärkt die nach der Studie eher weniger zahlreich in ihren Reihen vertretenen schönen Menschen unabhängig von Kompetenz und Parteikarriere in den Vordergrund stellen und zu Spitzenkandidaten machen? (Florian Rötzer)