Vulkanausbruch auf Urlaubsinsel La Palma

Lava quillt aus mindestens acht bisher gezählten Öffnungen. Symbolbild: JL G auf Pixabay (Public Domain)

Die Regionalregierung der Kanarischen Inseln spricht von einem "historischen" Ereignis, tausende Menschen, darunter viele Touristen, mussten evakuiert werden

Das Naturschauspiel werden Bewohner und Besucher der zu Spanien gehörenden Kanareninsel La Palma nicht vergessen. Nach etwa 6.000 kleineren und mittleren Erdbeben in den letzten Wochen, brach am Sonntag auf der Insel wie befürchtet erstmals nach 50 Jahren wieder ein Vulkan aus. Dem Ausbruch des Vulkans mit dem Namen Cumbre Vieja (Alter Gipfel) am Nachmittag war um die Mittagszeit ein Beben von der Stärke 4,2 auf der Richterskala vorausgegangen.

Gegen 15 Uhr Ortszeit kam es zu heftigen Explosionen, in deren Verlauf Asche und Steine in den Himmel geschleudert wurden. Es folgten Rauch und spektakuläre Feuerfontänen, die vor allem in der Nacht für ein schaurig schönes Schauspiel sorgten. Der Ausbruch wurde von einigen Medien direkt per Streaming ins Internet übertragen.

Lava aus acht Öffnungen

Seit Sonntagnachmittag tritt nun Lava aus acht Öffnungen aus, die inzwischen gezählt wurden. Die fließt pro Stunde etwa 750 Meter hangabwärts auf mehrere Ortschaften zu. Etwa 100 Häuser wurden schon durch die Lava in der Gemeinde El Paso zerstört, die sich weiter ihren Weg in Richtung der Küste bahnt. Verletzt wurde nach Angaben der örtlichen Behörden niemand, allerdings mussten bisher etwa 5.000 bis 10.000 Menschen evakuiert werden, darunter auch etwa 500 Touristen.

Die Behörden warnen vor der Vulkanasche und gesundheitsschädlichen Gasen. Der Präsident der Regionalregierung ruft die Bevölkerung aber zur "Ruhe" auf: "Wir befinden uns in einem historischen Augenblick für die Kanaren und wir müssen die Entwicklungen abwarten", erklärte Ángel Víctor Torres. Auch die spanische Regierung versucht die betroffenen Bewohner - etwa 85.000 Menschen leben dauerhaft auf La Palma - als auch die Touristen zu beruhigen. Die Tourismusministerin María Reyes Maroto erklärte, auch die Touristen könnten "weiterhin die kleine schöne Insel genießen". Allerdings, müssten die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt werden, merkte sie an. Sie hofft darauf, dass die "Eruption schnell beendet ist und wir zur Normalität zurückkommen können."

Täglich 6.000 bis 9.000 Tonnen Schwefeldioxid

Die Experten legen sich dabei allerdings nicht fest. Der Ausbruch könne Tage, Wochen aber auch Monate andauern, meinen sie. Täglich würden nun etwa 6.000 bis 9.000 Tonnen Schwefeldioxid in die Umgebung abgegeben. Für die betroffenen Bewohner handelt es sich um ein "Drama", das sich seit Wochen über die Erdstöße angekündigt hat. Erwartet worden war aber nicht, dass sich die bis zu 1.100 Grad heiße Lava in dieser Zone in Richtung Meer wälzen würde. Aktuell wird davon ausgegangen, dass "großer Schaden" an den evakuierten Häusern entsteht. Betroffen ist ein bewohntes Gebiet, in dem vor allem Viehwirtschaft betrieben wird.

La Palma liegt ganz im Nordwesten der Kanarischen Inseln. Geologisch gehört sie zu den jüngeren Inseln der Kanaren. Die vielen Krater und Lavaströme entlang der Vulkanroute auf der Cumbre Vieja weisen auf die vulkanische Aktivität hin. Zuletzt gab es 1971 einen Ausbruch, über den der Strand Teneguía entstanden ist. La Palma wird, weil die Insel fast zur Hälfte mit Wald bedeckt ist, auch als die "Grüne Insel" bezeichnet. Die Feuerwehr ist derzeit damit beschäftigt, Wald- und Buschbrände zu bekämpfen, die durch den Vulkanausbruch entstanden sind. (Ralf Streck)