WHO: Rückgang der Covid-19-Inzidenz um 5, der Todesfälle um 12 Prozent

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Global scheint sich das Infektionsgeschehen bis auf einige Ausnahmen zu verlangsamen, in Deutschland sind trotz steigender Fallzahlen die Hospitalisierungs- und Mortalitätsraten auf einen Tiefstand gefallen

Die WHO konstatiert im neuesten Wochenbericht über die globale Situation ein Abflauen der Covid-19-Pandemie. Bislang wurden mehr als 23 Millionen Fälle berichtet und 800.000 Tote, die an oder mit Sars-CoV-2 gestorben sind. In der letzten Woche vom 17. bis zum 23. August wurden 1,7 Millionen neue Fälle und 39.000 neue Todesfälle gemeldet. Das entspricht einem Rückgang um 5 Prozent, bei den Todesfällen sogar um 12 Prozent gegenüber der Vorwoche vom 10.-16. August.

Ausnahmen sind Südostasien (v.a. Indien), wo die Zahl der neuen Fälle um 28 Prozent und die der Todesfälle um 19 Prozent zugenommen hat, und die östlichen Mittelmeerregionen (Naher Osten, Nordafrika). Dort stiegen die Fallzahlen um 4 Prozent, allerdings auf ziemlich niedrigem Niveau, während die Todesfälle seit sechs Wochen kontinuierlich abgenommen haben. In Europa sind während der vorhergehenden drei Wochen die Fallzahlen konstant angestiegen, sind aber in der letzten Woche wieder leicht um 1 Prozent zurückgegangen, ebenso fällt die Zahl der Todesfälle weiter und ist um 12 Prozent zurückgegangen. In Afrika (-8 bzw. -11 Prozent) und im westpazifischen Raum (-4 bzw. unter ein Prozent) hat sich das Infektionsgeschehen ebenso verlangsamt.

Auch in Nord- und Südamerika, die derzeit am stärksten betroffenen Regionen, wo 50 Prozent der neuen Fälle und sogar 62 Prozent neuen Todesfälle gemeldet wurde, sanken die Zahlen - und das am stärksten, nämlich um 11 bzw. um 17 Prozent. Am stärksten betroffen sind Argentinien, Brasilien, Peru, Kolumbien, Surinam, Panama und Costa Rica.

Global könnte man also von einer eintretenden Verlangsamung oder einer sich abschwächenden Welle sprechen. Zweite Wellen können nach diesen Daten nicht angenommen werden. Aber das Infektionsgeschehen verteilt sich in den Regionen sehr unterschiedlich. So verzeichnen Brasilien und die USA einen Rückgang, während die Infektionszahlen auf den karibischen Inseln stark angestiegen sind - vermutlich dank des Tourismus. Allerdings liegen sie weiterhin sehr niedrig.

In Europa gehen die Todeszahlen seit April kontinuierlich zurück und sind trotz Urlaubssaison in der letzten Woche noch einmal um 12 Prozent gegenüber der Vorwoche gesunken - mit der Ausnahme von Spanien, wo ein Anstieg um 200 Prozent stattfand, hier stiegen auch de Fallzahlen am stärksten an. Ein Anstieg der Fallzahlen verzeichneten vor allem Kroatien, Tschechien, Polen, Moldawien und die Ukraine.

Und Deutschland?

Das RKI macht in Deutschland eine beunruhigende Tendenz auf. Die Fallzahlen seien innerhalb der letzten 7 Tage, so der Bericht vom 25.8. "stark angestiegen", nämlich um 17 Prozent. In einigen Bundesländern wie Berlin, Nordrhein-Westfalen, Thüringen oder Schleswig-Holstein gingen die Fallzahlen aber auch stark zurück, während sie vor allem in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen anstiegen. Dabei gehen jedoch die Todesfälle weiter zurück und steigen nicht an. Das würde auch für eine Abschwächung der Krankheit sprechen. Die Fallzahlen nehmen zwar bei den 5-14-Jährigen und den 15-34-Jährigen am stärksten zu, bei den gefährdeten Altersgruppen ab 60 Jahren bleiben sie aber so niedrig wie in den vergangenen Wochen. Über 85 Prozent der Verstorbenen waren über 70 Jahre alt.

Der Anteil der Hospitalisierten ist in der KW 34 auf 5 Prozent aller Fälle gesunken, am höchsten war er in der KW 16 mit 22 Prozent. Der Anteil der Verstorbenen geht offenbar weiter nach unten und liegt nun, wenn auch "noch nicht aussagekräftig", bei 0,1 Prozent. In KW 16 waren es 16 Prozent. Der Trend ist allerdings seitdem eindeutig: Immer weniger Menschen müssen anteilsmäßig in Krankenhäusern aufgenommen werden und immer weniger sterben - bislang zumindest. Die zweite Welle, wenn es denn eine sein sollte, scheint deutlich harmloser zu sein als die erste Welle.

Das RKI schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland dennoch weiterhin als hoch ein:

Eine weitere Verschärfung der Situation muss unbedingt vermieden werden. Einerseits muss der Anstieg in den jüngeren Bevölkerungsgruppen gebrochen werden, andererseits gilt es, zu verhindern, dass auch die die älteren und besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen wieder vermehrt betroffen werden. Sobald sich wieder vermehrt ältere Menschen infizieren, muss auch mit einem Anstieg der Hospitalisierungen und Todesfälle gerechnet werden. Das kann nur verhindert werden, wenn sich die gesamte Bevölkerung weiterhin im Sinne des Infektionsschutzes engagiert, z.B. indem sie Abstands- und Hygieneregeln konsequent - auch im Freien - einhält, Innenräume lüftet und, wo geboten, eine Mund-Nasen-Bedeckung korrekt trägt. Menschenansammlungen - besonders in Innenräumen - sollten möglichst gemieden und Feiern auf den engsten Familien- und Freundeskreis beschränkt bleiben.

RKI

Man könnte den Eindruck gewinnen, dass die Lage so ähnlich wie bei den nach 11/9 eingeführten Terrorwarnstufen ist. Es kann ja immer etwas Unvorhergesehenes passieren, die Pandemie kann natürlich wieder zuschlagen, die zweite Welle kommen, wie man das auch historisch weiß. Gibt man Entwarnung, wiegt man die Bevölkerung in Sicherheit und öffnet sich für Kritik, falls überraschend eine andere Entwicklung eintritt. Also hält man lieber die Gefährdungswarnung hoch, um sicher zu sein, anstatt flexibel und schnell zu reagieren (Terrorwarnungen, Taktik und "psychologische Kriegsführung"). Aber das ist nur eine Vermutung, ebenso wie der Trend ganz schnell in eine andere Richtung zeigen kann. Schwierige Zeiten halt. (Florian Rötzer)