WHO warnt vor zweiter tödlicher Covid-19-Welle

Bild: NIAID/CC BY-2.0

Nach den staatlichen Lockerungen käme es auf die individuelle Verantwortlichkeit an, Menetekel für die Warnungen ist die Spanische Grippe

Dr. Hans Kluge, Leiter des Europäischen Regionalbüros der Weltgesundheitsorganisation (WHO), warnt, dass es in Europa zu einer zweiten, tödlichen Coronavirus-Welle kommen könnte. Der belgische Arzt, der seit 1999 mit der WHO arbeitet, wurde am 1. Februar zum WHO-Regionaldirektor für Europa ernannt. Er mahnte, die Europäer stünden an einer Weggabelung, es liege in der Verantwortung der Einzelnen und der Gemeinschaften, wie es weitergeht, also ob Covid-19 beschränkt werden könne oder ob die Staaten erneut Lockdowns verhängen müssen. Dem Telegraph sagte er, es sei jetzt nicht die Zeit für Feste, sondern der Vorbereitungen, die Pandemie sei nicht vorbei.

Am Freitag mahnte Kluge eindringlich: "Misstrauen, Widerstand gegen die eingeführten Maßnahmen, eine Missachtung der Verhaltensänderungen, die wir alle vorgenommen haben, um COVID-19 einzuschränken - sie alle können uns auf einen Weg bringen, den keiner von uns einschlagen möchte." Er hielt sich mit Kritik an den Regierungen zurück, die sich nun im Wettlauf bei den Lockerungen befinden, weil die Infektionszahlen in vielen Ländern zurückgegangen sind und so weitere massive Einschränkungen der Grundrechte nicht mehr als verhältnismäßig erscheinen.

Kluge fürchtet eine "Notfallmüdigkeit", die die bereits gemachten Erfolge wieder zunichte machen könnte. Auf der einen Seite würden Bewegungen gegen die soziale und körperliche Distanzierung durch Misstrauen in Regierungen und Verschwörungstheorien gestärkt, während auf der anderen Seite Menschen übervorsichtig seien, was ihre sozialen Interaktionen und den Zugang zu Gesundheitsdiensten reduziere.

Misstrauen in Regierungen ist allerdings durchaus berechtigt, zumal wenn demokratische Verfahren ausgehebelt werden. Aber durch drastische Warnungen wird man bei den Skeptischen in den Ländern, in denen die Pandemie nicht wirklich dramatisch war wie in Deutschland oder sie kontrolliert zu sein scheint, eher den Eindruck verstärken, dass es dahinter Interessen geben könnte, die Gefährlichkeit hochzuspielen (Covidioten: Die Pandemie der Infantilität; Der Mensch ist dem Menschen ein Schaf). Ohne Zweifel verstärken die Notstandsmaßnahmen die Macht der Regierungen, eine Politik der Technokraten und die Kontrolle/Überwachung der Bürger, wenn sie nicht strikt befristet sind.

"Unser heutiges Verhalten wird die Weichen für die Pandemie stellen", sagte er und mahnte die Menschen, die Empfehlungen der nationalen Behörden freiwillig zu befolgen, um verantwortlich zu handeln: "Beschränken Sie soziale Interaktionen, waschen Sie Ihre Hände, halten Sie die physische Distanz zu anderen aufrecht und verringern Sie das Risiko für die am stärksten gefährdeten Personen in unserer Gesellschaft, für ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen."

Es sei in Europa zwar zu "einer Verlangsamung der Pandemie" gekommen, aber im Osten steigen die Infektionszahlen weiter, in Russland, in der Ukraine, in Belarus und in Kasachstan. Dort gebe es fast 1,8 Millionen bestätigte Fälle und 160.000 an oder mit Covid-19 Verstorbene, das seien 43 Prozent der Fälle und 56 Prozent der Toten weltweit. Russland, Großbritannien und Spanien würden weiter zu den 10 Ländern gehören, "in denen die meisten Fälle in den letzten 24 Stunden gemeldet wurden". Zumindest so lange es keinen Impfstoff und keine Medikamente gebe, müsse es einen "Sozialvertrag" zur Begrenzung des Virus geben, der auf einer "Partnerschaft zwischen den Menschen und den Politikern" basiert. Wachsamkeit sei eine Verantwortung der ganzen Gesellschaft.

Dem Telegraph sagte er, dass Länder wie Singapur, Japan und die skandinavischen Staaten sich vorbereiten. Sie würden eine zweite Welle nicht ausschließen, sondern hoffen, dass sie schnell zuschlagen können, wenn sie lokalisiert ist. Eine zweite Welle könne mit anderen Infektionskrankheiten wie Grippe oder Masern einhergehen. Es ist vor allem die Spanische Grippe, die den Warnungen als Vorbild dient. Auch hier wurden Vorsichtsmaßnahmen nach einem vorübergehenden Rückgang wieder aufgehoben, weil es eine gewöhnliche Grippeepidemie zu sein schien, was aber die zweite Welle beförderte, die noch gefährlicher als die erste war und letztlich vielleicht 50 Millionen Menschen das Leben kostete.

Zuvor hatte Mike Ryan, Direktor des Health Emergencies Programme der WHO, gewarnt, das Virus werde nicht wieder verschwinden. Auch andere Viren seien nicht verschwunden, man habe wie bei HIV Medikamente entwickelt und ansonsten gelernt, mit ihnen zu leben. Nur bei wenigen Viren wie den Pockenviren sei es gelungen, sie zu eliminieren.

Jetzt, kann man dazu sagen, liegt es in den Händen der Staaten mit Biowaffenforschung, das Pockenvirus wieder auf die Menschheit loszulassen. Fledermäuse oder andere Tiere werden dazu nicht gebraucht (US-Militärlabor forscht mit Genen des gefährlichsten Grippevirus). Nur Russland und die USA verfügen noch über einen Bestand an Pockenviren, die Pocken gelten seit 1979 nach einer weltweiten Impfkampagne als ausgestorben. Pockenimpfungen wurden in den 1970er Jahren eingestellt. Nach 9/11 ging in den USA die Pocken-Panik um, weswegen man daran dachte, die Bevölkerung präventiv zu impfen. Auch in der EU und in Deutschland ging die Angst um. Es war allerdings eine geschürte Panik, die den Angriff auf den Irak rechtfertigen sollte. Deutsche Medien spielten mit: Die Pocken am Frühstückstisch. Bekanntlich hatte Hussein kein Programm zur Entwicklung von Massenvernichtungswaffen oder Biowaffen (Rumsfeld und der Gottesbeweis). (Florian Rötzer)