WM-Halbzeit

Abb. 1: Tägliche Anzahl der Sitzungen mit dem WM-Simulator ab Anfang Juni.

Erfahrungen mit dem Weltmeisterschafts-Simulator

Eine Simulation der Fußballweltmeisterschaft im Computer zeigt, dass die unterschiedlichen Fußballrankings ungleich gute Vorhersagen der Gruppenphase der WM 2014 geliefert haben. Das Elo-Ranking hat bis jetzt die besten Ergebnisse produziert

Wir haben vor der WM in Telepolis die verschiedene Rankingsysteme für die Nationalmannschaften bei der WM 2014 besprochen (Wer gewinnt die Fußballweltmeisterschaft?). Nach der abgelaufenen Gruppenphase kann man jetzt die Vorhersagen Revue passieren lassen und nach dem besten Prognosen Ausschau halten.

Zur Erinnerung: Es gibt die FIFA- und Elo-Rankings, die Leistungspunkte an die Nationalmannschaften vergeben. Wer ein Spiel gewinnt, kriegt Punkte dazu, der Verlierer muss Punkte abgeben. Es wird je nach Art des Spiels gewichtet, da Freundschaftsspiele weniger bedeutsam als Spiele bei Turnieren sind. Das SPI-Ranking ist viel ausgefeilter und benotet nicht nur Mannschaften sondern einzelner Spieler je nach Offensiv- bzw. Abwehrleistung. Daraus ergibt sich die erwartete Anzahl der Tore, die der Angriff gegen einen mittelschweren Gegner schießen kann, und die Anzahl der Gegentore, die die Mannschaft zu erwarten hat. Und schließlich gibt es einfach den Marktwert einer Mannschaft, d.h. den Transferpreis von allen Spielern im Kader. Zwischen diesen vier Indikatoren der Güte einer Mannschaft besteht eine signifikante Korrelation.

Die Tabelle unten zeigt die Vorhersagen der vier Rankingsysteme für die Gruppenphase und die Anzahl der Treffer. Die Zahl 1 bedeutet, dass die Platzierung eines Teams korrekt vorhergesagt wurde (erster oder zweiter in der Gruppe). Die Zahl 0,5 bedeutet, dass die Platzierung als erster oder zweiter nicht richtig war, aber das Weiterkommen im Turnier erwartet wurde. 0 heißt: kei Treffer. Die Vorhersage wurde mit dem WM-Simulator inklusive der Anzahl der Tore und der erwarteten Punkte in der Gruppe berechnet. Diese beiden letzten Daten werden in der Tabelle nicht wiedergegeben.

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Man sieht sofort: Vier Länder springen aus der Rahmen, es sind die Overachiever der Gruppenphase: Costa Rica, Algerien, Nigeria und die USA. Die Niederlande haben überrascht. Weder das FIFA noch das SPI-Ranking sahen sie weiter im Turnier. Es fällt auf, dass der Marktwert der Nationalmannschaften am schlechtesten abgeschnitten hat. Dafür gibt es zwei Gründe: Einerseits sind die Marktwerte sehr fehlerbehaftet, da sie auf Schätzungen basieren. Europäische Marktwertspezialisten z.B. stufen Spanien als die teuerste Mannschaft der WM ein, andere wiederum Brasilien oder Deutschland. Andererseits sind europäische Spieler insgesamt teurer, da in den europäischen Ligas viel mehr Geld ausgegeben wird (was einigen Spielern aus Lateinamerika oder Afrika freilich auch zugutekommt).

Das Elo-Ranking der Gewinner im Vergleich hat vielleicht den Vorteil der Einfachheit: Bei einem Spiel wie dem Fußball, bei dem der Zufall eine große Rolle spielt, ist es vermutlich sinnvoller, eher simple Regeln für die Vergabe der Leistungspunkte zu verwenden als beispielsweise die sehr ausgefeilte vom SPI. Außerdem steckt der Marktwert einer Mannschaft implizit in der gezeigten Leistung. Deswegen kann es sein, dass der Marktwert allein viel zu einfach ist, während das Elo-Ranking ihn sowieso enthält und zusätzliche einfache Kriterien einsetzt.

Unser WM-Simulator hat am Anfang der WM große Beliebtheit genossen (Abb. 1). Es sind bis zu 115.828 Sitzungen registriert worden, wobei fast 30% der Benutzer Widerkehrer waren. Wie Abb. 2 zeigt sind die Benutzer weltweit verteilt, wobei fast die Hälfte auf das amerikanische Kontinent und die Hälfte auf Europa fällt. Nach der Gruppenphase hat das Interesse nachgelassen. Die meisten Treffer auf der Seite kamen aus Deutschland und aus Chile. Nur Zugriffe aus wenigen afrikanischen und mittelasiatischen Ländern wurden beim Simulator nicht registriert.

Abb. 2: Weltweite Verteilung der Nutzer der Simulation.

Auf der Eingangsseite des Simulators wird an jedem Tag verglichen, welche Wahrscheinlichkeiten die verschiedene Rankingsysteme für einige Länder errechnen. Das Ergebnis ist eine tägliche Kurve der Erwartungen. Zudem wird in der ersten Kurve gezeigt, wie die Wetten im Internet die Mannschaften einstufen. Gegenwärtig sind Deutschland und Argentinien bei den Wetten gleich beliebt, Brasilien liegt aber noch knapp vorne. Das kann sich nach den nächsten Spielen ändern. Nach jedem Spiel kann es nur einen Gewinner geben.

Abb. 3: Kurve der Vorhersagen der verschiedenen Rankingsysteme und Internetwetten (erstes Diagramm).

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