Waffengeschäfte und Auslandseinsätze

WanderB VTOL von Bluebird

Israel kann mit den großen waffenexportierenden Ländern konkurrieren, weil das Land ständig im Konflikt ist und Wissenschaftler und Techniker militärisch geschult sind

Es ist kein großes Geheimnis, warum Staaten auch in Kriege ziehen oder sich an militärischen Konflikten beteiligen oder diese am Leben erhalten. Hier spielt die heimische Rüstungsindustrie eine Rolle, die mit ihren Lobbyismus-Netzen und mit den Argumenten der nationalen Sicherheit und des Erhalts/der Schaffung von Arbeitsplätzen, nach Anlässen sucht, um zum besseren Verkauf Waffen im Ernstfall zu testen. Seit geraumer Zeit hören wir, während die Bundeswehr in immer mehr Auslandseinsätze geschickt wird, die Forderung, Deutschland müsse mehr Verantwortung zeigen, was heißt, die Bundeswehr weiter aufzurüsten und noch mehr einzusetzen.

Wenige Regierungsvertreter sagen offen, was Einsätze auch bedeuten. Das kann man Wladimir Putin jedenfalls zugestehen, der russische Waffen auf dem Weltmarkt verkaufen will und sagte, dass der Einsatz im Syrien-Krieg dafür wertvoll war. 2017 erklärte der russische Präsident, was alle Regierungen auch sagen könnten, die im Waffenmarkt wie die USA, Deutschland, Frankreich, Großbritannien oder China konkurrieren, dass die Waffenverkäufe durch ihren Einsatz in Syrien kräftig angestiegen seien: "Das ist weitgehend ein Ergebnis des effektiveren Einsatzes unserer Waffen in wirklichen Kampfbedingungen, etwa in der Antiterror-Operation in Syrien. Diese Gelegenheit, einen stärkeren Halt auf dem Weltmarkt der Rüstung zu gewinnen, darf nicht übergangen werden."

Ganz offensichtlich ist es in den USA, wo der militärisch-industrielle Komplex, erweitert durch die Sicherheitstechnik und stark verwurzelt in den Universitäten, beständig an angeblichen Gefahren und Bedrohungen arbeitet, um den Geldfluss zu sichern, Waffen und Technik zu entwickeln und an die USA, an deren Verbündete und an Staaten in Konfliktzonen zu verkaufen. Die USA waren nach dem Zweiten Weltkrieg in die meisten Kriege verwickelt, haben weltweit Stützpunkte aufgebaut und führen seit 2001 ununterbrochen Krieg in vielen Ländern. Dabei werden auch neue Waffensysteme eingesetzt, seit Afghanistan etwa bewaffnete Drohnen. Im Konflikt mit Russland werden fortwährend Übungen mit den Alliierten durchgeführt, die Bedrohung ist auch gut, um Alliierte wie Japan oder die Nato-Länder unter den Raketenabwehrschild zu holen oder eben Raketenabwehrsysteme, Kampfflugzeuge oder was auch immer zu verkaufen.

Israel ist nach Sipri der achtgrößte Waffenexporteur mit einem Anteil von 3,1 Prozent. Über die Hälfte des Weltmarkts haben die USA (36%) und Russland (21%) für sich, was auch die Schärfe des Konflikts verdeutlichen kann. China liegt mit 5,2 Prozent an fünfter Stelle nach Frankreich und Deutschland. Auch China ist zunehmend interessiert, durch Waffenverkäufe Einkommen zu erzielen und Staaten militärtechnisch an sich zu binden. Mit Israel und den USA konkurriert China etwa im militärischen Drohnenmarkt, der immerhin schon mehr als 10 Milliarden US-Dollar ausmachen soll, Tendenz stark ansteigend. Allerdings hat China gegenüber Israel und den USA - und seit kurzem auch der Türkei - einen großen Nachteil: Es führte bislang keine Kriege, in denen die Wirksamkeit der Waffen vorgeführt werden kann.

Kampfdrohnen weltweit (13 Bilder)

MQ-1A "Predator" auf der Ali Base im Irak. Bild: U.S. Air Force

Das kann sich bald ändern, zumal Länder, die chinesische Kampfdrohnen wie der Irak kaufen, diese durchaus einsetzen. Noch aber hat Israel einen großen Vorteil, weil sich das Land seit Jahrzehnten im Krieg befindet und ausreichend über Wissenschaftler und Techniker verfügt, die im Militär oder in den Geheimdiensten gedient und dort auch gekämpft haben. Drohnen wurden in Israel schon lange vor den USA eingesetzt, vor allem solche, mit denen "gezielte Einsätze" gegen Palästinenser ausgeführt wurden. Die Rüstungsindustrie mitsamt der Startups besteht aus früheren Soldaten oder Geheimdienstmitarbeitern. Das zeigt, warum es für die Rüstungsindustrie oder für die Industrie von Grenzsicherungsanlagen gut sein kann, wenn es eine Wehrpflicht und eine Situation des permanenten militärischen Konflikts gibt, der bislang von der israelischen Regierung beispielsweise durch den Siedlungsbau und die Ablehnung einer Zwei-Staaten-Lösung aufrechterhalten wird.

Nach einem AFP-Bericht hatte Israel die erste Drohne als ferngesteuertes Flugzeug mit einer Überwachungskamera bereits 1969 über Ägypten eingesetzt. Im Libanon-Krieg 1978 wurden Drohnen vermehrt verwendet. 1992 hatte Israel erstmals vorgeführt, dass sich ein Führer der fundamentalistischen Organisation Shia Muslim im Libanon mit einer Drohne verfolgen und dann mit Hellfire-Raketen von einem Kampfhubschrauber töten ließ.

Der AFP-Bericht schildert das "einzigartige Verkaufsargument" der israelischen Drohnen so: "Feinde an den Grenzen und daher viele Möglichkeiten, seine Drohnen zu testen und zu verbessern." Verwiesen wird als Beispiel auf den Gründer Ronan Nadir von BlueBird Aero Systems, der im israelischen Militär Kommandeur für Raketenentwicklung war und jetzt Kampfdrohnen wie die WanderB VTol in alle Welt verkauft, die senkrecht starten und landen kann, aber mit Flügeln dann schnell fliegen kann. Die Entwicklung habe nur Monate gedauert: "Wenn eine amerikanische Firma eine Mini-Drohne entwickelt und diese von den Marines im Irak oder in Afghanistan eingesetzt wird, dann braucht es einige Jahre von der Entwicklung des Systems, bis es auf dem Schlachtfeld eingesetzt wird", sagt Nadir.

In Israel seien die Menschen in den Rüstungsfirmen Ex-Soldaten, die Ingenieure, die Drohnen entwickeln, steuern Drohnen als Reservisten im wirklichen Einsatz: "Dann kommen sie zurück mit wirklichem und Echtzeit-Feedback." (Florian Rötzer)