"Waffenstillstand wäre ein falsches Signal"

Israel/Palästina: Am Tag der Beerdigung des ermordeten palästinensischen Jugendlichen kommt es zu weiteren Ausschreitungen; der israelische Außenminister Lieberman fordert die Zerstörung der "Terrorinfrastruktur" im Gaza-Streifen

Nach dem Fund der Leiche eines 16-jährigen Palästinensers, der Opfer eines Gewaltverbrechens wurde - mutmaßlich eines Racheakts Haben israelische Ultra-Rechte einen arabischen Jugendlichen ermordet? - kam es heute, am Tag der Freitagspredigten und der Beerdigung von Muhammed Abu-Khdeir, wie befürchtet, zu weiteren Auseinandersetzungen in Jerusalem und in Ramallah. Außenminister Avigdor Lieberman forderte harte Reaktionen.

Laut Informationen der BBC soll, wie üblich über die Vermittlung ägyptischer Verhandlungspartner, ein Waffenstillstand zwischen der Hamas und Israel ausgehandelt worden sein, der "demnächst ausgerufen würde".

Die israelische Luftwaffe hatte in der Nacht zum Dienstag - nachdem Leichen der drei entführten israelischen Jugendlichen gefunden worden waren - 34 Ziele im Gazastreifen bombardiert, begleitet von Forderungen im Kabinett Netanjahu, dem auch Soldaten auf dem Boden folgen zu lassen (Israel: Netanjahus Koalitionspartner fordern Einmarsch in Gaza). Am heutigen Freitag wird von israelischer Seite über kontinuierlichen Raketen-und Granatenbeschuss aus dem Gaza-Streifen berichtet; verdächtigt werden die Kassam-Brigaden, der militärische Flügel der Hamas, der im Clinch mit der politischen Führung steht. Der Konflikt hatte sich durch die Ankündigung einer Einheitsregierung zwischen Fatah und Hamas weiter ausgeprägt.

Der israelische Außenminister Avigdor Lieberman, Vorsitzender der Partei Jisra'el Beitenu, die zu jenen Koalitionspartnern der Regierung Netanjahu gehört, die mit Hardliner-Attitüde für die Siedler und gegen die Palästinenser auftrumpfen, macht im Zusammenhang mit der Hamas keinen feinen Unterschiede geltend: alles der gleiche Feind.

Man müsse alle dingfest machen, die mit der Entführung der drei israelischen Jugendlichen zu tun haben, wird er von der israelischen Zeitung Haaretz wiedergegeben, dazu gehören auch die beiden politischen Führer der Hamas, Ismail Haniyeh und Khaled Maschal. Die ganze Terrorinfrastruktur der Hamas müsse vernichtet werden, so Lieberman. Die meisten "Raketenfabriken" befänden sich unter Schulen, Kliniken und Moscheen, ließ der Außenminister wissen. Aus der Luft alleine ließen sich diese nicht zerstören, fügte er hinzu. Signale, die auf einen Waffenstillstand hinauswollen, seien falsch, seine Partei lehne diese Haltung ab:

Die Erwartungshaltung, wonach Ruhe auch mit Ruhe beantwortet wird, ist ein schwerwiegender Fehler.

Noch steht aus, wie Netanjahu auf die Scharfmacherei seines Außenministers reagiert; zu hoffen ist, dass die Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften nicht weiter eskalieren.

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