Wahabitenkönig gibt barhäuptiger Melania die Hand

Bild: Weißes Haus

Während Donald Trump auf Staatsbesuch in Saudi-Arabien weilt, kolportieren die New York Times, die Washington Post und CNN neue Gerüchte zur Russlandaffäre

In Saudi-Arabien ist der salafistische Wahabismus Staatsdoktrin. Er verbietet unter anderem, dass Männer fremden Frauen die Hand geben und regelt, dass Letztere nur in eine Abaja oder ein anderes Haar und Konturen verhüllendes Gewand gekleidet das Haus verlassen dürfen. Melania Trump, die Ehefrau des neuen US-Präsidenten, die ihn auf seinem Staatsbesuch begleitet, hat sich dafür in kein solches Gewand geworfen und auch kein Kopftuch aufgesetzt, als sie dem saudischen König gestern beim Empfang die Hand schüttelte.

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Melania Trump war allerdings nicht die erste US-Präsidentengattin, die das wagte: 2015 hatte sich Michelle Obama, die Ehefrau von Trumps Vorgänger Barack Obama, ebenso barhäuptig gezeigt - was der heutige Präsident damals auf Twitter als unnötigen Affront kritisierte, der die USA einen ihrer Verbündeten kosten könne. Auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Saudi-Arabien-Besuch am 30. April kein Kopftuch auf. Das ermunterte das arabische Satireportal Khasenews dazu, ihre Haare amateurhaft zu verpixeln und zu scherzen, man habe sie so im saudischen Fernsehen gezeigt. Ein Scherz, den die SPD-Bundestagsabgeordnete Lale Akgün für bare Münze nahm.

Nach der Begrüßung in Riad verkündete Trump als Erstes einen 110-Milliarden-Dollar-Rüstungsdeal, der auf zehn Jahre gerechnet sogar 350 Milliarden Dollar schwer sein soll, wenn man Wartungsverträge und andere Dienstleistungen mit einrechnet. Er umfasst unter anderem das Raketenabwehrsystem THAAD und wird dem US-Präsidenten zufolge "Jobs, Jobs, und nochmal Jobs" bringen. Das Weiße Haus begründete den Handel, den der republikanische Senator Rand Paul mit Rücksicht auf die Rolle Saudi-Arabiens bei internationalen Konflikten zu verhindern versuchte, als potenzielle Entlastung des US-Militärs durch einen dann stärkeren Verbündeten.

Anteil der negativen Berichte über Donald Trump in einzelnen Medien. Grafik: Shorenstein Center

Während Trump in Saudi-Arabien weilt, kolportiert die Trias aus New York Times, Washington Post und CNN neue Gerüchte um ihn und die Russlandaffäre:

Die New York Times schreibt unter Berufung auf ein ihr zugespieltes Dokument, Trump habe bei seinem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dem russischen Botschafter Sergej Kisljak gemeint, er sei wegen Russland "großem Druck" ausgesetzt gewesen, der nun vorüber wäre. Denn, so Trump angeblich: "I just fired the head of the FBI - he was crazy, a real nut job." Ob der Druck tatsächlich nachgelassen hat, dürfte sich nächste Woche erweisen, wenn der gefeuerte Comey, der sich bislang nicht öffentlich äußert, vor dem Senatsausschusses aussagen soll.

Die Washington Post berichtet mit Verweis auf "Leute, die mit der Sache vertraut sind", dass die Ermittler ihre Untersuchung zu Moskaukontakten in den nächsten Wochen beschleunigen wollen, was jedoch nicht bedeute, das ein Ergebnis oder eine Anklage näher gerückt sei. Angeblich haben sie einen wichtigen Berater des Präsidenten als "Person von Interesse" eingestuft.

CNN will dagegen aus dem Weißen Haus erfahren haben, dass man dort nach fachkundigen Juristen Ausschau gehalten hat, die sich mit Amtsenthebungsverfahren auskennen. Diesen Bericht hat das Weiße Haus inzwischen als "unwahr" dementiert und darauf verwiesen, dass Trump die Rückendeckung des republikanisch dominierten Repräsentantenhauses und des ebenfalls republikanisch dominierten Senats genießt. Auch auf Seiten der Demokraten heißt es, eine Debatte über ein Amtsenthebungsverfahren wäre "verfrüht".

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Trump sieht die US-Mainstreammedien selbst als seine ärgsten Gegner. Tatsächlich kommt er in ihren Berichten sehr schlecht weg, wie eine vorgestern erschienene Auswertung durch das Shorenstein Center an der Harvard-Universität zeigt. Mit Abstand am negativsten über den US-Präsidenten berichtete dieser Studie nach aber keines der drei oben aufgeführten US-Organe, sondern der deutsche Gebührensender ARD, in dem 98 Prozent aller Berichte über Trump eine negative Färbung hatten. Bei der Washington Post waren 83 Prozent der Berichte über ihn negativ, bei der New York Times 87 Prozent und bei CNN 93 Prozent.

Morgen will Donald Trump in Riad eine mit Spannung erwartete Rede zum Islam halten, dann reist er weiter nach Israel und in den Vatikan (vgl. Trump bereist Orient und Europa). Der bekommt einer (inzwischen von Newt Gingrich bestätigten) Politico-Meldung nach eine neue US-Botschafterin: Callista Gingrich, die 51-jährige katholische Ehefrau des ehemaligen Repräsentantenhaussprechers und Präsidentschaftskandidaten. Callista (mit der er vorher eine außereheliche Affäre hatte und wegen der er zum Katholizismus konvertierte) ist bereits Gingrichs dritte Ehefrau. Von seinen ersten beiden hatte er sich scheiden lassen. (Peter Mühlbauer)

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