Wahlwerbespots auf YouPorn statt auf YouTube

Wahlplakatergänzungsaufkleber der PARTEI

Sommer-Interview mit Martin Sonneborn, dem Bundesvorsitzenden der PARTEI

Einen Monat vor der anstehenden Schicksalswahl zum 19. Bundestag präsentiert sich die Partei für Arbeit, Rechtsstaat, Tierschutz, Elitenförderung und basisdemokratische Initiative siegesbewusst. Angesprochen werden sollen diesmal vor allem die Nichtwähler. Im traditionellen Sommer-Interview verrät der Bundesvorsitzende Marin Sonneborn, MdEP, was er von seinen Mitbewerbern hält.

Herr Sonneborn, Sie hatten uns einen "schmutzigen Sexwahlkampf" versprochen. Nachdem derartiges mal bei den Grünen nach hinten losgegangen war (Hintern) ist nun die AfD vorgeprescht (Rücken). Welche Körperteile wird uns die PARTEI bieten?
Martin Sonneborn: Alles, was das Herz begehrt. Wir haben diesmal verschiedene Untenrumkörperteile in 3D im Angebot, die werden von konservativen Wählern sehr nett kommentiert. Und natürlich einen Wahlwerbespot, den wir bei YouPorn einstellen mussten, weil er YouTube zu äh … turbopolitisch war. Wir haben versucht, mit der gleichen hochwertigen Obszönität zu arbeiten, mit der Politik und Automobilindustrie derzeit in Deutschland agieren.
Als Sie Anfang des Jahres den Demagogen Serdar Somuncu zum Kanzlerkandidat ausriefen, sprachen alle euphorisch vom "Somuncu-Zug". Doch nach drei vergeigten Landtagswahlen in Folge ist da ja wohl die Luft raus. Sollte die PARTEI nicht besser auf Inhalte setzen?
Martin Sonneborn: Nein, das gilt in der modernen Politik als unzeitgemäß. Ich glaube, Somuncu fängt sich noch. Wir haben ja in Kreuzberg eine nahezu historische Chance: Christian "Struppi" Ströbele tritt nicht wieder an für die Grünen, rund 25.000 Stimmen dürften für ein Direktmandat reichen. Notfalls müssen wir kurz vor der Wahl noch 10.000 Fünf-Euro-Scheine verschenken. Das wäre der Spaß wert, wenn Merkel sich im nächsten Bundestag mit Serdar auseinandersetzen muss ...
Bild: Die PARTEI
Die beiden Volksparteien haben Ihre Ideenlosigkeit erfolgreich kopiert - und zumindest Ihre Widersacherin Frau Merkel fährt offenbar sehr erfolgreich damit. Warum sollten Rot-Schwarz-Wechselwählerinnen und -wähler auf die PARTEI umschwenken?
Martin Sonneborn: Die Entpolitisierung des Politischen, mit der Merkel den furchtbaren Stillstand der Verhältnisse und die tödliche Situation in Europa bewahren will, spielt uns natürlich in die Hände. Ich weiß nicht, warum mein alter Chef, Chulz, nicht ein paar wirkliche Kontrapunkte setzt und Alternativen anbietet. Aber wir rechnen nicht mit Wechselwählern, wir setzen komplett auf formbare Erstwähler und eine biologische Lösung für die überalterte CDU/SPD-Klientel. In U18-Wahlen liegen wir bundesweit bei fünf oder sechs Prozent, wenn Sie verstehen ...
Sie haben inzwischen die NRW-Wahl wegen eine Lappalie angefochten. Riskieren Sie dabei nicht einen Wiedereinzug der Linkspartei, den Sie so knapp verhindert hatten? Und wie wollen Sie die Rote Flut diesmal auch aus dem Bundestag bannen?
Martin Sonneborn: Moment mal, wir setzen auf den - zugegebenermaßen kleinen - zurechnungsfähigen Teil der Linkspartei. Wir brauchen sie als Steigbügelhalter zur Macht. Eine Mehrheit links von Merkel im Bundestag ist möglich - und ungefährlich, wenn sie unter Führung und Fuchtel der PARTEI steht.
Der Abgang der FDP aus dem Bundestag wäre die Chance für Sie gewesen, leichtgläubige liberale Wählerschichten anzusprechen. Stattdessen überlassen Sie Christian Lindner mit seiner ebenfalls-Ein-Mann-Partei das Feld. Werden Sie vor der Wahl was mit Ihren Haaren machen?
Martin Sonneborn: Nein, im Gegensatz zu Lindner habe ich keine Operation am Kopf nötig. Wir haben für die Plakate der Konkurrenz sogenannte Wahlplakatergänzungsaufkleber im Angebot, über Lindner-Plakate wird gern ein saftiges "Hurensohn!" geklebt. Anders kann man sich mit dieser sinnentleerten FDP-Propaganda kaum noch auseinandersetzen. Der Wähler goutiert, dass wir uns bei aller Inhaltsleere klar gegen unseriöse Konkurrenten positionieren und für Streit, Auseinandersetzung und klare Positionen in der Politik plädieren.
Die PARTEI war ursprünglich mit rechtsdrehender Rhetorik gestartet, ließ sich dann jedoch von der AfD rechts überholen. Dort verfügt man sogar über Identifikationsangebote etwa für Patrioten mit Migrationshintergrund und national gesinnte Lesben. Haben Sie kein interessanteres Personal zu bieten als den weißen mittelalten Mann?
Martin Sonneborn: Doch, wir haben einen Juden und einen Türken im Schattenkabinett: Shahak Shapira und Serdar Somuncu. Und Natascha, eine scharfe russische Blondine, die auf russisch sagen kann "Die PARTEI ist sehr gut!" und "Wirtschaftssanktionen sind sehr schlecht!". Außerdem Dr. Mark Benecke. Und Dr. Jürgen Kuttner, den Vater von Sarah, für die intellektuelle DDR-Schicht, Wolfgang "Wölfi" Wendland von den Kassierern für ältere Damen, Bela B. für Freunde der Volksmusik. Helge Schneider hat leider im letzten Moment abgesagt. Er wollte Außenminister werden, aber seine Frau hat es ihm verboten
Mit den Grünen schwächelt derzeit noch eine andere Partei mit naivem Wählerpotential. Werden Sie in diesem Wahlkampf den Tierschutz endlich angemessen betonen, um freilaufende Grün-Wähler einzufangen?
Martin Sonneborn: Die Grünen sind die FDP des kleinen dummen Mannes und seiner Frau. Deren saturierte Wählerschaft wird etwa mit unserem Diesel-Plakat nicht viel anfangen können … Bevor sich jetzt wieder jemand aufregt - wir wissen inzwischen, dass es sich bei dem abgebildeten Wagen um einen Benziner mit Mehrfachzylindern, Hupe und Kofferraum handelt. Auf dem Großplakat, das Die PARTEI Berlin gerade aufstellt, steht natürlich "Abb. ähnlich" oder "Serviervorschlag". Wir wollen ja korrekt bleiben.
Sie projektieren seit einem Jahrzehnt trotzig eine Mauer zwischen Ost und West. Als Ihr Nachahmer im Weißen Haus mit der Mauer ernst machen wollte, kam heraus, dass die ursprüngliche Planung schon wegen Materialknappheit unrealistisch ist. Scheitert auch die Teilung Deutschlands an Betonmangel?
Martin Sonneborn: Nein, ich sehe da überhaupt keine Probleme. Deutschland ist nicht Trumpland, selbst die DDR hat ja eine funktionierende Mauer aufstellen können. Jeder Idiot könnte das. Es gibt auch genug Angebote von Handwerkern aus Ost und West, da mal unentgeltlich Hand anzulegen.
Im Parlamentsfernsehen des Europaparlaments gelten Sie als eine Art "YouTube-Star". Stimmt das Gerücht, dass Sie insoweit noch erfolgreicher wirkten als der inzwischen zum NRW-Innenminister beförderte Herbert Reul?
Martin Sonneborn: Herbert Reul? Behandeln Sie ihn nett, der fehlt mir hier in Brüssel: ein ganz sympathischer, freundlicher und leider furchtbar dummer älterer Herr. Ich kenne ihn aus der Korea-Delegation und aus seinen YouTube-Filmen. Die gut geklickten haben etwa 5 Millionen Klicks weniger als z.B. meine Rede gegen Erdogan. Seine Abrufzahlen liegen bei 35, wenn es gut läuft, bei drei bis acht Abrufen für die weniger spannenden Filme. Einen Film habe ich gefunden, der hatte gar keinen Klick. Null. Und das ist natürlich eine Sauerei, schließlich hat nicht einmal sein Büroleiter kontrolliert, ob der Mist überhaupt läuft, als er den Film einstellte.
Sie sind, wie Sie gerade angesprochen haben, im EU-Parlament Mitglied der Delegation für die Beziehungen zur koreanischen Halbinsel. Werden Sie im aktuellen Konflikt zwischen Donald Trump und Kim Jong-Un vermitteln?
Martin Sonneborn: Der Südkoreanische Botschafter hat mich gerade um einen Gesprächstermin für nächste Woche gebeten, die Situation muss also recht bedrohlich sein. Wir denken aber tatsächlich derzeit auch über eine Nordkorea-Reise nach. Zwischen den beiden Irren vermitteln kann ich schon deshalb nicht, weil Trump die T-Shirts nicht gefallen werden, die ich aus EU-Mitteln gestaltet habe und verschenke, sie enthalten Druckfehler.
Seit der WM-Vergabe an Deutschland gelten Sie als Meistermanipulator. Vor einem halben Jahr wurde das Verbot des Vorbereitens eines Angriffskrieg aus dem Strafgesetzbuch gestrichen. Hatten Sie damit zu tun?
Martin Sonneborn: Nein. Ich habe Schäuble in Verdacht, Krieg gegen Griechenland oder die südeuropäischen Länder führen zu wollen. Moralisch gesehen ist es kein großer Unterschied, ob man Menschen mit militärischen Methoden tötet oder mit wirtschaftlichen.
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