Waldbrände in Griechenland

Brände in Mati, Attika. Foto: Wassilis Aswestopoulos

Todesopfer und Katastrophen - Politiker äußern den Verdacht einer organisierten Brandstiftung

Mehr als zwanzig Todesopfer und knapp hundert, teilweise schwer Verletzte haben mehrere Waldbrände in Griechenland am Montag, den 23. Juli, gefordert. Während ein Waldbrand auf Kreta bei Chania bereits seit Sonntag wütete, konnten einige weitere wie auf der Insel Skopelos innerhalb kurzer Zeit gelöscht werden. Besonders stark von den Waldbränden betroffen ist die Region Attika. Hier wurde von Politikern bereits der Verdacht einer organisierten Brandstiftung geäußert.

Die endgültige Zahl der Opfer steht zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Beitrags um vier Uhr am frühen Dienstagmorgen noch nicht fest. Regierungssprecher Dimitris Tzanakopoulos erklärte gegen drei Uhr, dass offiziell von mehr als zwanzig Todesopfern auszugehen ist. Das bisher jüngste bekannte Opfer ist ein Säugling im Alter von sechs Monaten. Zahlreiche Menschen, darunter auch Touristen aus dem Ausland und Senioren, werden noch vermisst.

Die Brände in und um Attika betreffen das bereits vor knapp einem Jahr verbrannte Kalamos, die Kleinstadt Kinetta an der Autobahn von Athen nach Korinth sowie die Küstenregion Ost-Attikas nahe der Hafenstadt Rafina. Die bislang bekannten Todesopfer gab es beim Brand nahe Rafina, insbesondere um Mati Beach bei Nea Makri.

Dort drang das Feuer wegen "asymmetrischen Winden, die bis zu 11 Beaufort Stärke erreichen" (Premierminister Alexis Tsipras bei seiner nächtlichen Ansprache) innerhalb weniger Minuten in Siedlungen ein und verbrannte bis zum Strand alles, was im Weg stand. Es gab durch das Feuer einen Stromausfall, weswegen auch die Wasserversorgung zusammenbrach.

Zahlreiche Häuser und Wohnungen brannten komplett ab. Autos, die von ihren Besitzern bei der Flucht stehen gelassen wurden, explodierten. Mindestens eine Tankstelle explodierte. Touristen und Anwohner mussten sich durch ein Chaos aus Rauch, Stau und panischen Mitmenschen bis zum Strand kämpfen.

Brände in Kalamos; Meerenge bei Euböa. Foto: Wassilis Aswestopoulos

Dort gingen einige ins Wasser. Andere wiederum, wie eine Gruppe von zehn Touristen versuchten per Schlauchboot zu entkommen. Zahlreiche der Boote kenterten. Erst relativ spät konnten von Meer und der gegenüber liegenden Insel Euböa aus kommend Fischerboote, Fähren und Küstenwachboote die in Not geratenen auflesen. Bis in die frühen Morgenstunden wurden Schwimmende und Ertrunkene von den Rettern auf dem Meer gefunden.

Um vier Uhr fand die Küstenwache im Meer vor dem 13 Kilometer von Mati entfernten Artemida zwei ertrunkene Frauen samt zweier Kinder und zwei schwimmende Überlebende. Die Opfer wurden von der Meeresströmung, die in der Meerenge von Euböa herrscht, mitgerissen. Es ist anzunehmen, dass es auch weitere, von der Strömung zu entfernten Orten mitgerissene Opfer geben kann.

Aufgrund der Katastrophe hat Premier Tsipras einen Besuch im bosnischen Mostar, wo er mit einem Preis geehrt werden sollte, abgebrochen und eilte nach Athen zurück. Der traditionelle Empfang des Staatspräsidenten zum Gedenken der Wiederherstellung der Demokratie am Dienstag, der Beginn des politischen Sommerurlaubs, fällt aus. Rücktritte und politische Verantwortlichkeiten wurden noch nicht diskutiert.

Bei der Rettung kooperieren unter dem Vorsitz des Premiers die Region Attika, das Marineministerium, das Innenministerium, das Verteidigungsministerium, das Gesundheitsministerium und das Ministerium für Bürgerschutz. Sämtliche verfügbaren Einsatzkräfte der Ministerien wurden zu den Katastrophenorten geschickt. Militärkrankenhäuser wurden für Opfer der Waldbrände geöffnet.

Der Brand bei Kinetta gefährdete zwischenzeitlich die Raffinerieanlagen der Firma Motor Oil. Die Autobahn zwischen Korinth und Athen ist ebenso wie die parallel verlaufende Landstraße seit Montagmittag gesperrt. Hunderte Autofahrer waren und sind zwischen Feuerherden gefangen. Sie werden von der Polizei daran gehindert, sich in Gefahr zu begeben.

Brände in Mati, Attika. Foto: Wassilis Aswestopoulos

Verpflegung und weitere Hilfen können sie angesichts der an allen Brandfronten gebundenen Rettungskräfte kaum erwarten. Diese hatten bereits genug Mühe, sich am Stau vorbei zu bewegen. Denn während des Staus an mehreren Orten der Autobahn hatten frustriete Fahrer auch den Pannenstreifen blockiert - es gab keine Rettungsgasse.

Der Zugverkehr zwischen Athen und Korinth bleibt auch am Dienstag eingestellt. Das Land ist buchstäblich in zwei Teile getrennt. Busfahrer werden nahe den Brandorten auch nach Dienstschluss zum Aufenthalt in den Fahrzeugdepots aufgefordert. Sie sollen für Evakuierungsaktionen bereit stehen.

Die betroffenen Städte und Gemeinden haben zusammen mit Hoteliers Notfallunterkünfte für die Opfer der Feuer, die im besten Fall lediglich ihre Wohnung verloren haben, bereitgestellt. Bis in die frühen Morgenstunden konnte lediglich der Brand bei Kalamos gelöscht werden. Für den Dienstag werden allerdings nach einer mehrtägigen Hitzeperiode Gewitterartige Niederschläge und Hagelschauer erwartet.

Der Schiffsverkehr von Rafina zu den griechischen Inseln soll allerdings allen Katastrophen zum Trotz aufrechterhalten bleiben. Rafina ist der Dreh- und Angelpunkt für den Tourismus beliebter Urlaubsinseln wie Mykonos, Paros, Andros und Tinos. (Wassilis Aswestopoulos)

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